Wegen wachsender Bautätigkeit 

Lange Bearbeitung von Anträgen: Kasseler Bauamt fehlt das Personal

Kassel. Eine steigende Anzahl von Bauanträgen sorgt für Personalprobleme im Kasseler Bauamt. Deshalb müssen Bauherren aktuell länger auf Genehmigungen warten.

Die Stadt räumt auf HNA-Anfrage ein, dass es derzeit zu „erhöhten Bearbeitungszeiten“ komme. Um diese zu verkürzen, sei bereits eine neue Stelle ausgeschrieben worden. Wegen der Kündigung eines anderen Mitarbeiters habe sich dies aber nicht positiv ausgewirkt, sagt ein Stadtsprecher.

Im Gespräch mit der HNA haben Bauherren geäußert, dass sie zum Teil ein halbes Jahr auf entsprechende Bearbeitung ihrer Anträge gewartet hätten. Öffentlich äußern möchte sich aber niemand.

Die Stadt begründet die aktuelle Lage mit der wachsenden Bautätigkeit in Kassel: Zwischen 2006 und 2015 ist die Zahl der Bauanträge von 1108 auf 1439 gestiegen.

Wie lange die Bauherrn durchschnittlich auf eine Entscheidung warten müssen, darüber führt die Stadt keine Statistik. Die Verzögerungen seien aber nicht allein dem Personalproblem geschuldet. Einige Bauherrn würden unvollständige oder fehlerhafte Unterlagen einreichen. So dauere es teilweise Monate, bis die Anträge vollständig vorlägen.

Bei der Architektenkammer Hessen (AKH) ist der Personalmangel in den Bauämtern bekannt. „Die Personaldecke in den Bauämtern ist dünn – nicht nur in Kassel. Durch die konjunkturelle Lage und die verstärkte Bautätigkeit verschärft sich die Lage. Die Bearbeitung von Anträgen dauert zu lange“, sagt Christof Bodenbach, Sprecher der AKH.

Weil es für Ingenieure finanziell attraktiver sei, in der boomenden Bauwirtschaft tätig zu sein, fehlten diese bei der Bauaufsicht und in den Baugenehmigungsstellen oder wanderten sogar von dort ab.

„Solche Kollegen aus den Behörden werden gerne von der Wirtschaft genommen, denn sie wissen, wie man einen Bauantrag anlegt, sodass er schnell positiv beschieden wird“, sagt Bodenbach.

Die Architektenkammer fordert die hessischen Städte und Gemeinden auf, mehr Stellen in der Bauverwaltung zu schaffen. Derzeit seien zu viele Minderqualifizierte dort beschäftigt, weil diese günstiger seien. Auch gebe es viele Teilzeitstellen ohne Vertretung. „Wenn dort jemand krank wird, bleibt die Arbeit liegen“, sagt Bodenbach. Daran müsse sich etwas ändern.

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat das Problem kürzlich ebenfalls benannt: Auch öffentliche Bauprojekte blieben wegen des Personalmangels liegen, obwohl die Finanzierung gesichert sei. Zudem stünden die Bauämter vor einer riesigen Pensionierungswelle.

Rubriklistenbild: ©  dpa

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