Als Kunstperformance wollte er Marathon auf Laufband rennen

Dieser Künstler hat Kassel das Laufen neu beigebracht

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Mitten in der Natur: Max Hänischs Freundin Stephanie Hobmeier gab in Kassel auch Yoga-Unterricht.

Mit seinen kostenlosen Workshops hat Max Hänisch viele Kasseler Läufer zum Trailrun gebracht. Nun zieht der Künstler in die Alpen - die Kasseler Hügel sind ihm nicht hoch genug. 

Max Hänisch musste nicht lange darüber nachdenken, ob es richtig ist, seine Stelle als Grafiker in Kassel zu kündigen, um erst einmal arbeitslos in Bad Tölz zu leben. Als Trail-Läufer ist der 33-Jährige abseits der Straßen und fast nur im bergigen Gelände unterwegs, am liebsten über ultralange Distanzen in den Alpen.

Weil seine ebenfalls laufende Freundin Stephanie Hobmeier einen Job in der oberbayerischen Kleinstadt bekam, verlassen nun beide Nordhessen. In die Gegend zwischen Starnberger See und Alpen wollte Hänisch „immer schon“, wie er sagt.

Damit verliert Kassel den Mann, der der Stadt das Laufen neu beigebracht hat. Seit mehr als zwei Jahren veranstaltet der Absolvent der Kunsthochschule im Habichtswald Trailrunning-Workshops. Die Teilnehmer können in Schuhe des Herstellers Salomon schlüpfen. Anschließend trabt die Gruppe über einsame Pfade rund um den Herkules. Zwischendurch zeigt Hänisch den zwei Dutzend Läufern, wie man effizient den Berg hinauf und verletzungsfrei wieder runter rennt.

„Manche Teilnehmer sind früher nur gejoggt und können sich nun nicht mehr vorstellen, auf der Straße zu laufen“, sagt Hänisch. Der aus einem kleinen Dorf zwischen Hildesheim und Braunschweig stammende Sportler hat die Disziplin nach einem Auslandsjahr in Australien kennengelernt, wo er vor allem auf dem Surfbrett stand. Es ist ja auch ein bisschen wie Surfen, wenn man steile Hänge über Stock und Stein hinuntersaust, ohne einen Purzelbaum zu machen.

Hänisch, der wegen des Studiums der Visuellen Kommunikation nach Kassel kam, macht gern verrückte Sachen. Vor zwei Jahren wollte er beim Rundgang der Kunsthochschule einen Marathon auf einem Laufband in weniger als drei Stunden absolvieren. Nach 18 Kilometern war die ungewöhnliche Kunst-Performance beendet, weil das Band durchgeschmolzen war. Trotzdem ist Hänisch für viele an der Hochschule immer noch der Typ, der den Marathon auf dem Laufband gelaufen ist.

Seine Freundin lernte er kennen, als er wegen Knieproblemen ein ganzes Jahr nicht laufen konnte. Auf der Wiese vor der Mensa bot sie Yoga für Studenten an. Die Übungen halfen Hänisch über die Verletzung hinweg. Nun verlässt er wegen der Liebe zu ihr und den ganz hohen Bergen die Stadt, die er so schätzt. An der Kunsthochschule hat er freies Denken gelernt. Er hat zahlreiche Ausstellungen gemacht und erhielt sogar ein Stipendium der Künstlerkolonie Willingshausen.

Für Läufer findet er Kassel optimal, wenn sie auch ohne alpine Gipfel auskommen. Die schönsten Trails im Habichtswald, also die ganz schmalen Wege, ist er mit Hobmeier, die als Yoga-Lehrerin auch in mehreren Studios und an der Volkshochschule arbeitete, zum Abschied noch mal abgelaufen. In Bayern wollen beide an der Zukunft basteln. Hobmeier kümmert sich als Referentin einer Stiftung um Nachhaltigkeit. Hänisch entwickelt ein Projekt, das Bergsteiger bewusst machen soll, dass man auch mit weniger Ausrüstung Gipfel erklimmen kann: „Ich will nicht weiter Ressourcen verschwenden.“

Auf Wettkämpfe hat er in dieser Saison bislang verzichtet. Eigentlich wollte er beim Sky Race im norwegischen Tromsø über 57 Kilometer und 4800 Höhenmeter an den Start gehen. Dann heiratete an dem Wochenende aber sein Bruder. Hänisch musste ziemlich lange darüber nachdenken, was er nun machen soll. Erst sagte er seinem Bruder ab. Doch dann entschied er sich um: „Ich hätte mich geärgert, wenn ich wegen eines Krampfs nach zehn Kilometern hätte aufgeben müssen und deswegen die Hochzeit verpasst hätte.“

Service: Die kostenlosen Trailrunning-Workshops von Salomon leitet nun Benjamin Sperl (benjamin.sperl@gmail.com). Nächster Termin am 6. September (Treffpunkt: 19.30 Uhr Hüttenbergstraße 14). Infos unter salomon.com/de-de/experiences und in der Facebook-Gruppe Salomon Running Kassel.

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