Schlaflose Nächte

Leben und Leiden über Kassels Großbaustelle: Anwohner klagt über Lärm an der Königsstraße

Kassel. Daniel Moore, Anwohner der Königsstraße, klagt über den Lärm rund um die Uhr auf der Großbaustelle. Die Stadt versichert, die Lärmbelastung auf ein Minimum reduzieren zu wollen.

Wo Daniel Moore wohnt, da ist in den Schulferien Tag und Nacht gearbeitet worden. Um der Hitze zu entgehen und den Zeitplan einzuhalten, wichen KVG, Städtische Werke und beauftragte Baufirmen mit ihren Arbeiten in die Morgen-, Abend- und Nachtstunden aus. Für Moore und andere Anwohner der Königsstraße bedeutete das: Es gab keine Ruhepause.

Die heiße Bauphase hat merklich an den Nerven des 54-Jährigen gezehrt. Asphalt sei aufgeschnitten und abgebrochen worden. Bagger, Trennschneider und Rüttelplatte seien am lautesten gewesen. Er sei wegen anderer gesundheitlicher Probleme krankgeschrieben und deshalb meist zu Hause. Er habe wegen des Lärms in den vergangenen Wochen kaum schlafen können, sagt der Kasseler. Und wegen der noch anstehenden Gehwegarbeiten auf seiner Straßenseite sei ihm angst und bange.

Nach einigen schlaflosen Nächten sei es ihm einmal einfach zu viel gewesen, berichtet Moore. Gegen Mitternacht sei er deshalb runter auf die Straße und habe die Arbeiter energisch aufgefordert, sofort mit dem Lärm aufzuhören. Die hätten das auch getan, doch wenig später habe die Polizei vor seiner Tür gestanden. Wie er dazu komme, die Bauarbeiter derart anzugehen?

Er habe den Polizisten erklärt, dass der Lärm rund um die Uhr nicht auszuhalten sei, erzählt der 54-Jährige. Und er habe sie gefragt, ob es dafür überhaupt eine (Sonder-)Genehmigung geben könne. Das hätten ihm die Beamten nicht sagen können, auch Stadt und Baufirma hätten dazu keine Auskunft gegeben.

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt die Stadt Kassel, eine Genehmigung für Nachtarbeiten in der Oberen Königsstraße sei nicht erforderlich. Wegen der Hitze habe man „lärmarme Arbeiten“ wie das Pflastern in die Nacht verlegt. So habe man auch dem Wunsch der Anwohner Rechnung getragen, die Baustelle so schnell wie möglich abzuarbeiten.

Daniel Moore wohnt seit drei Jahren an der Königsstraße. Er sei die Geräuschkulisse der vielen Bahnen und Menschen gewohnt. „Ich bin da hart im Nehmen“, sagt der gebürtige Kölner, der seit dem ersten Lebensjahr in Kassel wohnt. Er habe selbst eine Baufirma gehabt und verstehe das Bemühen, den Zeitplan einzuhalten. „Aber ich muss ja auch mal schlafen.“

Moore bittet, die Ruhepausen einzuhalten, wenn bald die Gehwegarbeiten vor seinem Fenster stattfinden. Wenn morgens gegen 5 oder 6 Uhr begonnen und abends gegen 21 oder 22 Uhr aufgehört werde, komme er mit den Arbeiten klar. „Aber rund um die Uhr und über Wochen: Das ist niemandem zuzumuten.“ Die Stadt kündigt an, die Lärmbelastung auf ein Minimum reduzieren zu wollen.

Das sagt die Stadt

„Eine Genehmigung für Nachtarbeit in der Oberen Königsstraße ist nicht erforderlich, da sie sich in einem Kerngebiet befindet“: Das erklärt das Straßenverkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Kassel auf HNA-Anfrage. Zu beachten sei die Allgemeine Verwaltungsvorschrift gegen Baulärm (AVV Baulärm). Für den Straßenbau sei mit der ARGE Wachenfeld/Riede abgestimmt worden, dass lärmintensive Arbeiten nicht in der Nacht erfolgen dürften. „In Anbetracht der Hitzewelle wurde abgewogen, lärmarme Arbeiten wie die Verlegung von Pflaster in die Nacht zu verlegen. Dadurch konnte dem Wunsch der Anwohner Rechnung getragen werden, die Baustelle zügig durchzuführen“, sagte ein Stadtsprecher. 

Nach seinen Angaben ist für die lärmintensiven Arbeiten ein Zeitrahmen von 6.30 bis 21.30 Uhr festgelegt worden. Bisher seien nur wenige Beschwerden eingegangen, darunter auch solche, die den Gleisbau am Königsplatz betreffen. „Die Bearbeitung erfolgte kurzfristig, bei Problemen wurde umgehend für Abhilfe gesorgt.“ Die Anwohner der Königsstraße hätten vor dem Umbau eine Postkarte mit Ansprechpartnern für jedes Gewerk (Leitungsbau, Kanalbau, Gleisbau und Straßenbau) erhalten, um eventuelle Beschwerden vortragen zu können. 

Zeitplan für den weiteren Umbau

Nach den Plänen für den Königsstraßen-Umbau steht nun unter anderem der erste Bauabschnitt für den neuen Gehweg an der Ostseite (Rathaus) an. Bis Oktober 2019 soll er fertig sein. Nach Angaben der Stadt wird es in den nächsten Wochen Bautätigkeiten von 6.30 bis 16.30 Uhr und von 20 bis 6 Uhr geben. 

In der Tagschicht würden lärmintensive Arbeiten ausgeführt, damit in der Nacht Pflaster verlegt werden könne. Dafür werde eine elektrisch betriebene Beleuchtung (Ballons) installiert, die keinen Lärm produziere wie herkömmliche und per Kompressor betriebene Lichtgiraffen.

Rubriklistenbild: © Andreas Fischer

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