Familie und Freunde sind große Unterstützung

Lebensretter für Kasseler gesucht: 28-Jähriger hat Leukämie

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Gemeinsam stark für Martin: Die Freunde (oben von links) Anna Bruchhäuser, Franziska Lückel, Martins Freundin Miriam Novotny, Svenja Ulrich, Sarah Hueck, (unten von links) Jannis Brill und Christoph Armbrecht organisieren mit weiteren Helfern eine große Registrierungsaktion.

Martin Herbold ist an Leukämie erkrankt und nun dringend auf einen Stammzellspender angewiesen. Seine Familie und Freunde organisieren eine Typisierungsaktion am 13. Juli. 

„Man denkt immer, so etwas passiert eher, wenn man älter ist – mit Ende 20 rechnet man nicht damit.“ Miriam Novotny spricht von ihrem Freund Martin: Der 28-Jährige aus Kassel ist an Leukämie erkrankt. Seit der Diagnose Ende April befindet er sich in Behandlung. „Das war für uns ein Schlag“, sagt Novotny.

Seit fünf Jahren sind die 26-Jährige und der 28-Jährige ein Paar, leben seit vier Jahren zusammen in Kassel, sprechen über Kinderwünsche. Diese Pläne haben nun aber keinen Vorrang mehr, es gilt, einen passenden Stammzellspender zu finden, auf den er angewiesen ist. „Er schafft das“, sagt Novotny. „Familie und Freunde sind das wichtigste für ihn.“

Und die stehen auch hinter ihm: Seine Freundin Miriam Novotny, seine Schwester Anne und ihre engsten Freunde organisieren gemeinsam am Samstag, 13. Juli, in der Ing-Schule eine große Registrierungsaktion in Kassel unter dem Motto Future4Martin („Zukunft für Martin“). Unterstützt werden sie von der gemeinnützigen Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die das Ziel hat, Blutkrebs zu besiegen.

Seit zwei Wochen macht das Team auf den Aktionstag aufmerksam, verteilt tausende Flyer in der Stadt, auf Festen und Veranstaltungen, startet Aufrufe im Internet, spricht die Menschen direkt an. „Wir möchten so auch Menschen über eine Spende aufklären“, sagt Miriam Novotny. „Damit helfen wir nicht nur Martin, sondern auch anderen Menschen, die an Leukämie erkrankt sind.“ Laut der DKMS erhält alle 15 Minuten ein Patient in Deutschland die Diagnose Blutkrebs, jeder zehnte von ihnen sucht einen passenden Stammzellspender.

Die Unterstützung von Familie und Freunden geht weit über die Aktion hinaus. „Martin ist seit der Diagnose in einem Isolierzimmer, damit sein Immunsystem geschützt wird“, sagt Novotny. Für nur eine Stunde am Tag dürfen sie, seine Eltern und seine Schwester ihn im Krankenhaus besuchen. Familie und Freunde machen sich aber das Internet zunutze, um trotzdem für den 28-Jährigen da zu sein. „Wir nutzen Skype. Die Jungs spielen beispielsweise online Computer. Über ein Headset können sie sich auch unterhalten“, sagt Miriam Novotny.

Braucht einen Stammzellspender: Martin, hier mit seiner Freundin Miriam.

Und auch für einen Besuch ließen sich die Freunde etwas einfallen. „Der 1. Mai ist Martins Lieblingsfeiertag, wandern und grillen gehören da dazu“, sagt Novotny. Er sei traurig gewesen, in diesem Jahr nicht mitkommen zu können. Also wanderten die Freunde zum Krankenhaus, mit einem großen Plakat, das sie Martin draußen vor dem Fenster zeigten. „All das gibt Martin Kraft“, sagt Miriam Novotny. Sie bewundere ihn, für seinen Humor, den er noch nicht verloren habe, und dafür, wie er mit der Situation umgehe. „Jetzt müssen wir es hinkriegen einen Spender für ihn zu finden, damit er wieder nach Hause kommen kann.“

Die Registrierungsaktion findet statt am Samstag, 13. Juli, von 11 bis 16 Uhr, in der Mensa der Ing-Schule Kassel, Wilhelmshöher Allee 73. 

Weitere Infos: www.facebook.com/Future4Martin/

Instagram: Future4Martin

Expertin erklärt Ablauf einer Spende

Die Typisierungsaktion wird unterstützt von dergemeinnützigen Organisation DKMS: Bettina Steinbauer erklärt alles über den Ablauf einer Spende.

Wer kann sich als Spender bei der DKMS registrieren? 

Wer zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, mindestens 50 Kilogramm wiegt und grundsätzlich gesund ist, kann sich bei der DKMS registrieren. Junge Menschen sind besonders gefragt, da sie in der Regel weniger Vorerkrankungen (z.B. schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Erkrankungen…) als ältere haben und deshalb häufiger als Spender geeignet sind. Auch von Bedeutung ist: Je jünger ein Mensch zum Zeitpunkt der Registrierung ist, desto länger steht er für den weltweiten Suchlauf zur Verfügung. Das ist wichtig für den Erhalt der Datei, denn jeden Monat scheiden mehr als 5500 Spender aus Altersgründen aus der DKMS aus.

Wie läuft die Registrierung am Aktionstag ab? 

Das geht einfach und schnell: Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung nimmt man mit drei Wattestäbchen jeweils einen Wangenschleimhautabstrich. Das ist erst mal alles. In 5-10 Minuten ist so der erste Schritt getan, um vielleicht einem Menschen das Leben retten zu können. 

Warum sind auch Geldspenden wichtig? 

Für die Registrierung und Typisierung eines jeden neuen Spenders entstehen der DKMS Kosten (u.a. für Labor, Material, Logistik, Personal…) in Höhe von 35 Euro. Die Krankenkassen übernehmen diese Kosten nicht. Deshalb freuen wir uns über jede Geldspende. 

Was bedeutet Typisierung eigentlich genau und was passiert mit meinen Daten? 

Bei einer Typisierung werden Gewebemerkmale, die Humane Leukozyten-Antigene (HLA), bestimmt. Dabei handelt es sich um Strukturen auf den Oberflächen der Zellen im Körper, anhand derer das Immunsystem zwischen eigenen und fremden Geweben unterscheidet. Wesentlich für den Erfolg einer Transplantation ist die Übereinstimmung der Gewebemerkmale zwischen Patient und Spender. 

In unserem Labor werden grundsätzlich zwölf Gewebemerkmale bestimmt, was die Suche nach dem optimalen Spender noch zuverlässiger ermöglicht. Die Befunde werden anschließend pseudonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspender Register (ZKRD) in Ulm weitergeleitet, wo sie für Patientenanfragen aus dem In- und Ausland zur Verfügung stehen. 

Was passiert, falls ich als Spender für einen Patienten infrage komme? 

Wird man als „genetischer Zwilling“ für einen Patienten identifiziert, ist der Zeitpunkt gekommen, sich endgültig zu entscheiden, ob man zur Spende bereit ist. Stimmt man zu, steht erst einmal ein gründliches Gesundheits- Check-up an. Denn oft kommt es erst Jahre nach der Registrierung zu einer Anfrage für eine Stammzellspende und in dieser Zeit können im Leben eines Spenders Umstände -z.B. Krankheiten- eingetreten sein, die eine Stammzellspende unmöglich machen. 

Steht einer Spende aus gesundheitlichen Gründen nichts im Wege, erfolgt im Anschluss ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit dem Arzt über die möglichen Entnahmeverfahren: 1. Die wesentlich häufigere Methode (80%) ist die periphere Stammzellentnahme: Der Spender spritzt sich über fünf Tage hinweg – selbständig oder durch einen Pflegedienst – einen hormonähnlichen Stoff (G-CSF) unter die Haut, der normalerweise bei einer Erkältung vom Körper selbst ausgeschüttet wird. Durch die Gabe von GCS-F wird also die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut gesteigert. 

Nach dieser Vorbehandlung werden diese „überschüssigen“ Stammzellen in der Entnahmeklinik ambulant über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt. 2. Deutlich seltener (20%) wird eine Knochenmarkentnahme durchgeführt. Unter Vollnarkose wird das Blut-Knochenmarkgemisch direkt aus dem Beckenkamm entnommen, welches sich nach zwei Wochen wieder vollständig nachbildet. 

Dieses Verfahren macht einen Krankenhausaufenthalt von etwa 2-3 Tagen erforderlich. Welche Methode angewendet wird, hängt von der Erkrankung des Patienten ab. Der Wunsch des Spenders wird – wenn möglich – berücksichtigt. 

Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen? 

Bei der Knochenmarkentnahme kann für ein paar Tage ein lokaler Wundschmerz auftreten Das Risiko beschränkt sich im Wesentlichen auf das übliche Narkoserisiko. Bei der peripheren Stammzellspende können während der Vorbereitungsphase grippeähnliche Symptome auftreten. Langzeitnebenwirkungen sind nach heutigem Forschungsstand nicht bekannt. 

Dürfen sich Patient und Spender kennenlernen? 

Die deutschen Richtlinien sehen vor, dass sich Spender und Patient erst zwei Jahre nach der Spende persönlich kennen lernen dürfen. In der Zwischenzeit können Spender bereits anonym Kontakt zum Patienten aufnehmen: Über die DKMS können Briefe oder Geschenke ausgetauscht werden. 

Nach Ablauf der vorgesehenen Kontaktsperre können Spender und Patient sich auch direkt schreiben oder persönlich treffen – wiederum über die DKMS vermittelt, vorausgesetzt Sie und der Patient sind einverstanden. Unsere Erfahrung über die Jahre zeigt: Viele Spender und Patienten wollen einander kennen lernen. Die Begegnungen von Spendern und Patienten sind immer wieder sehr berührende Momente. 

Nicht selten entstehen tolle Freundschaften. Bei Spenden ins oder aus dem Ausland gelten häufig andere Regelungen hinsichtlich Kontaktmöglichkeiten von Spender und Patient. Manche Länder sind freizügiger, nur wenige andere lassen gar keinen Kontakt zu. Die DKMS hilft auch hier gerne dabei, Spender und Patient zusammenzubringen, sofern dies rechtlich erlaubt ist.

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