Geldinstitut will Anfang 2019 einziehen

Leder-Meid-Haus wird zur Kasseler Filale der Deutschen Bank umgebaut

Foto: Werner Hasper

Kassel. Als Ausstellungsort und Besucherzentrum der documenta 14 haben Kunsttouristen das frühere Leder-Meid-Gebäude am Kasseler Friedrichsplatz erkundet. Seit kurzem wird der 50er-Jahre-Bau entkernt und grundlegend umgebaut.

Nach einer langen Verhandlungsphase steht nun offiziell fest, dass die Deutsche Bank mit ihrer Kasseler Filiale von der Kölnischen Straße in das Haus am Friedrichsplatz umziehen wird.

Für den Umbau zum Geldinstitut wird sich das Gebäude innen und außen verändern: Um eine Kundenhalle zu schaffen, werden die zeittypischen Glaskästen der Schaufensterpassage entfernt, die Eingangsfront wird entsprechend vorgezogen. Auch die Galerien-Aufteilung im Inneren verschwindet, sodass eine durchgehend ebenerdige Fläche entsteht. Unter Denkmalschutz steht nur die Außenfassade ab dem 1. Obergeschoss.

Innen eine Baustelle: Das Leder-Meid-Haus

Voraussichtlich Anfang 2019 sollen nach Angaben der Deutschen Bank 40 Mitarbeiter einziehen und rund 35.000 Privat-, Geschäfts- und Firmenkunden des Instituts im Raum Kassel betreuen. Das Haus gehört seit Anfang 2016 einer dreiköpfigen privaten Kasseler Investorengruppe. Wie ein Sprecher der Eigentümer sagte, werden alle vier Etagen langfristig an die Deutsche Bank vermietet. In den oberen Stockwerken entstehen Büros und Besprechungsräume.

Für die Etage unter dem Dach haben die Eigentümer andere Pläne. Dort sollen vier Boardinghouse-Wohnungen entstehen, die zeitweise von Firmen, Behörden und Kultureinrichtungen gemietet werden können, die über längere Zeit Mitarbeiter in Kassel beschäftigen. Dabei sollen auch Dienstleistungen wie ein Putz- und Wäscheservice angeboten werden.

Blick in die leeren Schaufensterkästen vor dem Haus

Für das Leder-Meid-Haus hatte es laut den Eigentümern unter anderem auch Interessenten aus Einzelhandel und Gastronomie gegeben. Man habe aber einer Komplettvermietung des ganzen Hauses den Vorzug gegeben.

Im November 2015 hatten wir bereits darüber berichtet, dass für Leder Meid Schluss ist.

Während der documenta war das Gebäude ein Infozentrum für Ausstellungsbesucher.

Tolles 50er-Bad

Favorit vieler d14-Besucher wurde aufbewahrt

Davon schwärmten viele documenta-Besucher: Ein stilrein erhaltenes 50er-Jahre-Badezimmer in Rosa und Blau war zu erkunden, als die frühere Inhaberwohnung im obersten Stockwerk des Leder-Meid-Hauses als Ausstellungsfläche der documenta 14 öffentlich zugänglich war. Beim Publikum fand das Sanitär-Kleinod mehr begeisterte Erwähnung als die auf der Etage gezeigte Kunst. Wie der Rest des Gebäudes wurde auch das Badezimmer beim Umbau des Hauses inzwischen völlig entkernt.

Das 50er-Jahre-Badezimmer

Aber verloren sei die gut 60 Jahre alte Sanitärkeramik nicht, sagte Hauseigentümer-Sprecher Martin Eckel: „Wir haben große Teile der alten Badezimmer-Ausstattung aufgehoben.“ Ein Verwendungszweck sei noch nicht klar. „Wir überlegen noch, was wir mit den Sachen machen.“

Jeder kannte den Schriftzug

Die Traditionsfirma Leder Meid gab Anfang 2016 den Geschäftsbetrieb auf

Mehr als 60 Jahre lang hatte der schwungvolle Schriftzug der Kasseler Traditionsfirma Leder Meid das Stadtbild am Friedrichsplatz geprägt, bevor er Anfang 2016 abgehängt wurde. Die beiden Nachfolgerinnen der Firmengründer gaben den Betrieb auf, verkauften die Immobilie und gingen in den Ruhestand. Als das Haus Mitte der 1950er-Jahre erbaut wurde, war es eins der hochwertigen Beispiele von Kassels Wiederaufbau-Architektur.

Foto: Werner Hasper

Die Eheleute Langlotz, Inhaber von Leder Meid, beauftragten mit der Planung Prof. Werner Hasper, der auch die Treppenstraße konzipiert hat. Die Schaufensterpassage mit ihren abgerundeten Glaskästen und die schwungvolle Galerie-Aufteilung im Inneren waren typisch für das Gebäude. Beim Umbau weichen nun diese Elemente, welche nicht unter Denkmalschutz stehen.

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