Läden stehen zum Teil länger als ein Jahr leer

Leerstand in der Kasseler Innenstadt fällt auf: Stadt will gegensteuern

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Seit Ende 2015 dicht: Für die Flächen des ehemaligen Schreibwarenladens Fischer gibt es noch keinen Nachfolger.

Kassel. Die Innenstadt hat weiter mit Leerstand zu kämpfen. Obwohl in den vergangenen Jahren sogar einige Neubauten für den Handel entstanden sind, gibt es punktuell Probleme.

So bleibt zwar die Obere Königsstraße vom Leerstand bislang weitestgehend verschont, dafür stehen in den Seitenstraßen etliche Ladengeschäfte leer – wie eine Zählung unserer Redaktion ergab. Vor allem in der Unteren Königsstraße, der Wilhelmsstraße und der Treppenstraße klaffen Lücken. Doch es gibt auch positive Signale.

Alexander Alter, Vorsitzender des Immobilienverbandes Mitte (IVD), bezeichnet die Situation in Kassel als typisch für viele Großstädte. Nicht nur der Online-Handel und die Einkaufscenter auf der grünen Wiese machten den Innenstadthändlern zu schaffen. Auch die teils überhöhten Mietpreise für 1A-Lagen machten es für Geschäftsleute unattraktiv, sich im Zentrum niederzulassen.

Alexander Alter

„Es gab eine Phase der stetig steigenden Mieten. Filialisten, allen voran große Mobilfunkanbieter, haben die Preise getrieben“, sagt Alter. Nun sei preislich das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Preise würden sinken. In der Königsstraße reichten die Quadratmeterpreise bis zu 130 Euro, im Schnitt seien 95 Euro fällig.

„Wenn Vermieter auf den horrenden Preisen beharren, werden wir häufiger Leerstand beobachten“, sagt Alter. So habe etwa die Ladenfläche des ehemaligen dm-Marktes auf der Oberen Königsstraße nach dessen Umzug über ein Jahr leer gestanden, bevor der Einrichtungsmarkt „Depot“ die Fläche angemietet habe.

Gerhard Jochinger, Leiter der Königsgalerie und Immobilienentwickler, sieht die Innenstadthändler ebenfalls vor großen Herausforderungen. Bei Passantenzählungen sei festgestellt worden, dass die Zahl der Menschen, die sonntags zum Schaufensterbummel in die Kasseler Innenstadt kommen, stark zurückgegangen ist. Vor 20 Jahren seien es fünfmal so viele gewesen.

Seit einem Jahr leer: Das ehemalige Grimmheimat-Lädchen an der Treppenstraße.

„Das Thema ist akut. Wir müssen die Stadt neu erfinden, damit die Menschen Gründe haben, in die Stadt zu kommen – nicht nur zum Shoppen“, sagt Jochinger. Dafür benötige es nicht nur einen florierenden Einzelhandel, sondern auch Erlebnisgastronomie und Veranstaltungen. Auch müsse den Menschen eine saubere Stadt präsentiert werden – ohne Trinkerszene. Hier seien die Verantwortlichen im Rathaus gefragt.

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„Wenn alle zusammenarbeiten, hat die Kasseler Innenstadt gute Chancen, sich gegen den Online-Handel und die Center auf der grünen Wiese zu behaupten“, sagt Jochinger. Denn nur in der City gebe es ein breites Kulturangebot, Arztpraxen etc.

Alter vom IVD sieht auch die Immobilieneigentümer in der Pflicht: „Auch der Zustand der Flächen entscheidet darüber, ob sie vermietet werden oder nicht.“ 


Das sagt: Der Citymanager

Die Stadt hat den Leerstand in Kassels Zentrum erheben lassen. Die Daten seien aber nur für die interne Verwendung, sagt Volker Mohr, Citymanager und Leiter des Stadtplanungsamtes. „Das Problem ist erkannt und wir versuchen, in Zusammenarbeit mit der IHK und der Wirtschaftsförderung den Leerstand zu bekämpfen.“ Kassel sei nicht stärker von Leerstand betroffen als andere Großstädte – der Onlinehandel habe überall seine Spuren hinterlassen. Um gegenzusteuern, würden Planungen laufen, um die Innenstadt aufzuwerten. Dafür sei man auch in Gesprächen mit Immobilieneigentümern. Weil es sich teilweise um Immobilienfonds handele, sei die Kontaktaufnahme nicht immer leicht, da diese oft keinen Verwalter vor Ort hätten.

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