Astronomisches Ereignis sollte in Kassel beobachtet werden

Leider nichts zu sehen: Raumstation ISS sollte sich vor Sonne schieben

+
Beobachten das seltene astronomische Ereignis: Bernd Holstein (von links), Klaus-Peter Haupt, Mark Wiskowski, Jacob Siebert und Jonas Plum.

Kassel. Die internationale Raumstation ISS sollte sich für drei Sekunden vor die Sonne schieben. Am SFN sollte das seltene Ereignis beobachtet werden. 

Erwartungsvoll-konzentriert. So lässt sich die Stimmung an diesem ersten lauen Frühlingsabend hier oben in der Sternwarte auf dem Dach des Schülerforschungszentrums Nordhessen mit wenigen Worten beschreiben. Der 16-jährige Schüler Mark Wiskowski blickt gebannt auf den Bildschirm seines Laptops. „Verbindung steht!“, ruft er schließlich mit einem erleichterten Unterton in der Stimme seinen Mitstreitern Jonas Plum und Jacob Siebert zu.

„Der Teufel steckt halt manchmal im Detail“, meint Bernd Holstein augenzwinkernd, der sich seit vielen Jahren im Astronomischen Arbeitskreis Kassel engagiert. Bei so viel Technik wundert das nicht. Auf engstem Raum stehen hier in der Sternwarte mehrere Teleskope, Fernrohre, Kameras und Monitore samt der dazugehörigen Kabel. Das Dach des Schülerforschungszentrums lässt sich auffahren, so dass bei klarem Himmel der Blick ins Weltall möglich ist.

Das heutige Ziel: die Internationale Raumstation ISS. Den aktuellen Berechnungen zufolge und aufgrund der günstigen Wetterverhältnisse und Umlaufbahn soll sie vom Kasseler Standort für drei Sekunden vor der Sonne zu sehen sein.

Die Vorbereitungen sind inzwischen abgeschlossen: an das Linsenteleskop ist eine Kamera angeschlossen, die wiederum das Bild auf ein Laptop überträgt. „Da das Teleskop direkt auf die Sonne ausgerichtet ist, muss ein sehr starker Filter benutzt werden. Dieser filtert das starke Sonnenlicht hunderttausendfach ab“, erläutert Klaus-Peter Haupt, Leiter des Schülerforschungszentrums Nordhessen und Vorsitzender des Vereins Astronomischer Arbeitskreis Kassel.

Anstatt bei dem heutigen Kaiserwetter auf dem Bolzplatz oder im Garten mit der Familie zu grillen, haben diese drei Jungen ein anderes Hobby: Sternenkunde. „Hier mitten in der Stadt ist es manchmal schwierig aufgrund der hohen Lichtverschmutzung“, sagt

der 21-jährige Jonas Plum. „Ich beschäftige mich seit meinem 11. Lebensjahr mit Astronomie. Ergreifend ist vor allem die Erkenntnis, dass wir nur ein kleiner Pups im Weltall sind“, fügt Mark lachend hinzu. Letztendlich hänge die Astronomie ja auch mit der Philosophie eng zusammen. Er überlegt, nach dem Abitur Astrophysik zu studieren.

Es ist soweit: Pünktlich um 18 Uhr und 11 Minuten soll die ISS zu sehen sein. In diesen Minuten herrscht absolute Konzentration und Stille. Doch dann: Irritation. „Seht ihr was?“, fragt Klaus-Peter Haupt. „Nein, nichts!“ Nach ein paar Minuten die ernüchternde Erkenntnis: „Trotz zwei Kameras und damit der lückenlosen Dokumentation, konnten wir die ISS nicht sehen“, sagt Klaus-Peter Haupt. „Die Darstellungen im Internet widersprechen sich. Ich gehe davon aus, dass die ISS kurzfristig minimal ihre Bahn geändert hat und dadurch für uns an diesem Standort nicht zu sehen war“, fügt der studierte Astrophysiker enttäuscht hinzu. Die ISS sei etwa vier bis fünf Mal im Jahr gut zu sehen, „wir hoffen auf das nächste Mal.“

Die Sternwarte Kassel

Die Sternwarte Kassel wurde 2012 auf dem Dach des Schülerforschungszentrums Nordhessen (SFN) in der Parkstraße 16 eröffnet. Sie ist die größte und modernste Sternwarte in Hessen mit drei über Computer steuerbaren Teleskopen. Für Besucher ist die Sternwarte freitags bei klarem Himmel mit Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Zu besonderen astronomischen Ereignissen werden Veranstaltungen angeboten, wie beispielsweise zur nächsten totalen Mondfinsternis am 23. Juli. Die Sternwarte wird vom Verein Astronomischer Arbeitskreis Kassel in Kooperation mit dem SFN betrieben. Informationen und Download der kostenlosen App unter: www.astronomie-kassel.de

Von Miriam Hagebölling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.