Kritik an Plänen

Lidl-Markt an Kasseler Kohlenstraße soll wachsen - Anwohner fühlen sich schlecht informiert

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Stehen der Erweiterung von Lidl an der Kohlenstraße kritisch gegenüber: (von links) Heimleiterin Heike Schaumann, Anwohner Dr. Lutz-Michael Schäfer, Harald Neumann, Geschäftsführer der Spedition Jung, und Ortsvorsteher Norbert Sprafke.

Kassel. Das Doppelhaus, das in Wehlheiden auf dem Grundstück der Adresse „Am Heimbach 60“ steht, soll abgerissen werden. An neuen Plänen gibt es aber Kritik.

In Kassel werde darüber diskutiert, dass es zu wenig Wohnraum gibt, sagt Dr. Lutz-Michael Schäfer aus Wehlheiden. Nach Angaben von Heike Schaumann, Leiterin der Hausgemeinschaft für Menschen mit Demenz, die direkt neben dem Doppelhaus steht, hat der Discounter Lidl die Immobilie im vergangenen Jahr gekauft.

Hintergrund: Der Lidl-Markt, der an der Kohlenstraße liegt, soll erweitert werden. Schaumann hat gehört, dass das Doppelhaus abgerissen werden soll und auf dem Grundstück Parkplätze für die Mitarbeiter von Lidl entstehen sollen. Andere Anwohner haben das Gerücht gehört, dass Lidl plant, über dieses Grundstück eine Zufahrt für den Anlieferungsverkehr zu bauen. Das würde bedeuten, dass die Lkw künftig den Discounter über die ohnehin enge Straße „Am Heimbach“ erreichen.

Soll abgerissen werden: Das Grundstück mit den Doppelhäusern (rechts) an der Straße „Am Heimbach“ soll Lidl gekauft haben. Links daneben steht die Wohngemeinschaft für Demenzkranke.

Hier gibt Lidl-Sprecherin Isabel Lehmann Entwarnung. „Wir planen, die Lidl-Filiale in Kassel weiterhin über die Kohlenstraße zu beliefern.“ Weiter bitte man um Verständnis, dass Lidl aktuell keine Angaben machen können, da derzeit noch der Bebauungsplan für den Neubau der Filiale erstellt wird. Eine öffentliche Auslegung der Pläne durch die Stadt Kassel sei voraussichtlich gegen Ende des Jahres vorgesehen.

Anwohner Schäfer, Heimleiterin Schaumann und Harald Neumann, Geschäftsführer der benachbarten Spedition Jung, kritisieren hingegen die schlechte Informationspolitik von Lidl. Das Unternehmen hätte den Nachbarn vorstellen können, was es auf dem Areal vorhat, so Schäfer. Schaumann befürchtet, dass durch den erhöhten Anlieferverkehr die Lärmbelästigung für die Demenzkranken in der Wohngemeinschaft steigen wird.

Im vergangenen Jahr hieß es, dass der bisherige Markt an der Kohlenstraße abgerissen und durch einen neuen Markt mit 1510 Quadratmetern Verkaufsfläche ersetzt werden soll. Mit dem Neubau möchte Lidl seine Verkaufsfläche verdoppeln. Zudem plant der Discounter eine rund 1000 Quadratmeter große Nebenfläche für Lager, Toiletten und Anlieferung auf dem Gelände.

„Anwohnerunfreundlich“

Davon hält Ortsvorsteher Norbert Sprafke (SPD) gar nichts. „Der Zubau an Fläche am Lidl-Markt bedeutet keinen Zugewinn für den Stadtteil.“ Mehr Verkaufsfläche bedeuteten mehr Umsatz, mehr Kunden, mehr Verkehr. Tatsächlich sei Wehlheiden mit Einkaufsmöglichkeiten gut versorgt. Allerdings ziele der Lidl-Markt in der Kohlenstraße an einer Ausfallstraße auch auf Pendler aus dem Landkreis. Dabei setze Lidl sein „stadtteil – und anwohnerunfreundliches Verhalten“ fort, so Sprafke.

So habe sich Lidl vor zehn Jahren mit dem Argument geweigert, der Markt sei schon teuer genug geworden, sich an der Finanzierung der Fußgängerinsel in der Kohlenstraße zu beteiligen. Lidl wolle an den Wehlheidern verdienen, kümmere sich aber nicht um die Sicherheit der Kunden, sagt Sprafke.

Der Stadt würden keine Beschwerden von Anwohnern wegen der Erweiterung des Marktes vorliegen, so Sprecher Michael Schwab. Und der Ortsbeirat habe jederzeit die Möglichkeit, sich über den Sachstand des Verfahrens zu informieren. Die Abteilung Stadtplanung sei gerne bereit, Informationen zu dem Vorhaben mitzuteilen, sagt Schwab. Bürger und Ortsbeirat hätten zudem die Möglichkeit, nach Offenlegung ihre Kritik an den Plänen zu äußern.

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