Verkehr ist für Dreiviertel der NO2-Belastung verantwortlich

Schlaue Ampeln sollen die Luft in Kassel besser machen

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Hier ist die Luft besonders schlecht: An der Rathauskreuzung misst die Station des Umweltministeriums die Luftqualität. Die EU schreibt vor, dass dies an besonders belasteten Orten zu geschehen hat.

In wenigen Wochen tritt in Kassel ein neues Maßnahmenpaket in Kraft, damit die Luft sauberer wird. Vor allem Autos bleiben ein Problem. So will die Stadt die Luftqualität verbessern.

Die Luftqualität in Kassel hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. Sowohl die EU-Grenzwerte für Feinstaub wie für Stickstoffdioxid (NO2) werden aller Voraussicht nach auch in diesem Jahr unterschritten. Obwohl die Stadt nicht mehr dazu verpflichtet wäre, will sie an ihrem Luftreinhalteplan festhalten. Am 4. November tritt die zweite Fortschreibung mit einem aktualisierten Maßnahmenpaket in Kraft. Wir erklären, was dahinter steckt.

Wie gut ist Kassels Luft?

Dafür relevante Parameter sind der Feinstaub (PM10) und das Stickstoffdioxid (NO2). Beide wirken sich unmittelbar auf die Gesundheit der Menschen aus. Atemwegserkrankungen sind nur eine Folge. Beim Feinstaub werden die Grenzwerte seit mehr als zehn Jahren eingehalten und sogar deutlich unterschritten. Problematischer ist es mit dem NO2. Dessen Grenzwert wird erst seit zwei Jahren nicht mehr überschritten und bewegt sich noch nah an der problematischen Zone. Dennoch wurde die Stadt Kassel – anders als andere Städte – nicht von der Deutschen Umwelthilfe verklagt. „Fahrverbote und Umweltzonen, über die wir noch vor einigen Jahren ernsthaft diskutieren mussten, drohen aktuell nicht“, so Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Dies bedeute nicht, dass die Stadt untätig bleiben könne.

Wie sind denn die Luftwerte?

Für den Feinstaub gelten EU-weit ein maximaler Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm und ein Tagesmittelwert von höchstens 50 Mikrogramm, der an bis zu 35 Tagen überschritten werden darf. Der Jahresmittelwert lag an der relevanten Messstation Fünffensterstraße im Jahr 2018 bei 23 Mikrogramm. Auch die Tagesmittelwerte werden selten – außer zu Silvester – überschritten.

Und bei Stickstoffdioxid?

Beim NO2 gilt ein Grenzwert von 40 Mikrogramm im Jahresmittel. 2018 lag der gemessene Jahresmittelwert in Kassel (Fünffensterstraße) bei 39,6 Mikrogramm. Für 2019 zeichnet sich ab, dass die 40 Mikrogramm wieder leicht unterschritten werden. In Kassel misst das Umweltministerium die Luftqualität an zwei Stationen (Fünffensterstraße und „Hinter der Komödie“). Die EU gibt vor, dass für die primäre Messung ein Standort mit der maximalen Belastung, der zudem von vielen Menschen frequentiert ist, ausgesucht werden muss. Deshalb hat das Ministerium die Rathauskreuzung ausgewählt. Vergleichsmessungen an der Schönfelder Straße und der Ysenburgstraße – wo die Belastung ebenfalls hoch ist – haben gezeigt, dass die absoluten Spitzenwerte am Rathaus erreicht werden.

Wer sind die Verursacher für die Belastung?

Berechnungen des Ministeriums haben ergeben, dass die problematische NO2-Belastung in Kassel zu Dreivierteln auf den Verkehr zurückzuführen ist. Wobei der Eintrag durch die Autobahnen aufgrund ihrer Entfernung zur Stadt vergleichsweise gering sei. „NO2 wirkt räumlich begrenzt“, sagt Dr. Anja Starick, Leiterin des Umweltamtes. Gebäudeheizungen und Industrie spielten beim Stickstoffdioxid – anders als beim CO2 – nur eine geringe Rolle. „Deshalb müssen unsere Maßnahmen vor allem beim Verkehr ansetzen“, sagt Nolda. Das Ziel solle aber zunächst nicht mit restriktiven Schritten erreicht werden.

Was konkret hat die Stadt Kassel geplant?

Sie hat einen Masterplan erstellt, mit dem die Luftqualität weiter verbessert werden soll. Ganz konkret wird bereits an einer „umweltsensitiven Verkehrssteuerung“ gearbeitet. Das Projekt wird vom Land mit 5,5 Millionen Euro gefördert. Dahinter verbirgt sich eine moderne Ampelsteuerung, die den Verkehrsfluss verbessern soll. Zudem soll das Messnetz für Umweltdaten ausgebaut werden. Diese Daten sollen zur Verkehrssteuerung genutzt werden. Ist die Luftqualität in einzelnen Straßenzügen zu schlecht, könnte durch kurzfristige Umleitungen die Situation entschärft werden, erläutert Nolda.

Gibt es weitere Pläne?

Der Anteil des Fuß-, Rad- und Nahverkehrs solle durch entsprechende Investitionen erhöht werden, so Nolda. Es sind mehr Park&Ride-Parkplätze geplant und neue Car-Sharing- und Bike-Sharing-Angebote (auch Lastenräder), die mit dem ÖPNV verknüpft werden sollen. Radschnellrouten von Baunatal, Kaufungen und Vellmar sollen vorangetrieben werden. Zudem sollen Straßenbahnanbindungen nach Waldau, Harleshausen und zum Herkules geprüft werden.

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