Ziel der Umweltschützer: Eine klimagerechte Lebens- und Wirtschaftsweise

Demo für Kohleausstieg in Kassel: 250 Aktivisten gingen auf die Straße

Für den sofortigen Kohleausstieg: Rund 250 Frauen, Männer und Kinder demonstrierten am Samstagmittag in der Innenstadt. Foto:  Andreas Fischer

Für den sofortigen Kohleausstieg gingen am Samstag 250 Menschen in Kassel auf die Straße. 

 „Ihr Kinderlein kommet und rettet den Wald. Im Hambacher Forst, wo die Säge erschallt. Und stellt euch hier mit uns gegen die Gewalt, um friedlich zu kämpfen für Walderhalt.“ Diese Zeilen sangen am Samstag die rund 250 Frauen, Männer und Kinder, die in der Stadt an einer Demonstration zum sofortigen Kohleausstieg teilgenommen hatten. Eine Umweltaktivistin hatte das berühmte Weihnachtslied dafür umgetextet.

Unter dem Motto „Kein fauler Kohlekompromiss – Wir lassen uns unsere Zukunft nicht verbauen!“ hatten fünf Kasseler Umweltgruppen zu der Demo aufgerufen, die vor dem Kulturbahnhof startete, über den Stern ging und schließlich vor dem Rathaus endete.

Ziel der Umweltschützer ist eine klimagerechte Lebens- und Wirtschaftsweise, mit der das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimavertrags eingehalten wird. Die Männer und Frauen wandten sich insbesondere gegen das „Mauern und Blockieren der Kohleindustrie“ in der Kohlekommission. Symbolisch durchbrachen sie daher vor dem Rathaus eine „Mauer der Kohleindustrie“ aus riesigen Pappkartons.

Während aktuell die Klimakonferenz in Polen tagt, fehle in Deutschland nach wie vor ein Plan für den Ausstieg aus dem klimaschädlichsten Energieträger Kohle. „Die klimapolitische Starre hat uns ein verlorenes Jahrzehnt für den Klimaschutz beschert,“ so Arvid Jasper, Pressesprecher des Demobündnisses. Um die Klimaziele für 2020 noch zu erreichen, müsse daher nun ein schneller Kohleausstieg eingeleitet werden.

Kerstin Lopau (Klimagerechtigkeit Kassel) wies in ihrem Redebeitrag darauf hin, dass durch die Verbrennung von Kohle der Volkswirtschaft Kosten in Milliardenhöhe entstünden: durch Atemwegserkrankungen, Gesundheitsschäden insbesondere für Säuglinge und kleine Kinder, kollabierende Ökosysteme und Schäden an Bauwerken.

Das Umweltbundesamt habe geschätzt, dass dadurch externe Kosten von 19 Cent bei der Verbrennung von Braunkohle pro Kilowattstunde anfallen. Dabei verdiene ein Braunkohlekonzern pro Kilowattstunde höchstens drei Cent, so Lopau. „Dass sich Kohlekraftwerke überhaupt auch nur ansatzweise rentieren, ist nur möglich, weil all diese Schäden nur uns als Allgemeinheit treffen und nicht in die Profitkalkulationen der Energiekonzerne einbezogen werden.“

Öcalan-Bilder gezeigt

Einige Demonstranten waren offenbar nicht nur auf die Straße gegangen, weil sie für den Klimaschutz eintreten wollen. Auf der Oberen Königsstraße wurden auch vereinzelt Bilder des inhaftierten Anführers der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, gezeigt. Das ist in Deutschland verboten und hat in den vergangenen Wochen bei kurdischen Demonstrationen in Kassel für Konflikte zwischen Demonstranten und der Polizei gesorgt.

Was Öcalan mit dem Kohleausstieg zu tun hat, wurde bei der Demo nicht deutlich. Allerdings verschwanden seine Bilder wieder, nachdem ein Klimaschützer deutlich gemacht hatte, dass er nicht für den PKK-Anführer auf die Straße gegangen sei.

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