Einige Ärzte an neuen Standort gewechselt

Aus für Medikum in Kassel: Arztsitze wurden nach Insolvenzverfahren verkauft

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Arztsitze, die im Medikum ansässig waren, wurden verkauft: Die Beschriftung der Schilder am Eingang wurden inzwischen aktualisiert.

Das medizinische Versorgungszentrum Medikum in Kassel gehört nun der Vergangenheit an. Einige Ärzte mussten nun an einen neuen Standort wechseln. Fragen und Antworten.

Was ist das Medikum?

Das Kasseler Medikum war 2006 als zweitgrößtes medizinisches Versorgungszentrum in Deutschland nach dem Polikum in Berlin an den Start gegangen. Mit dem Konzept, unterschiedliche Facharztbereiche unter einem Dach zu vereinen, war das Medikum Vorreiter in Nordhessen. Dem Patienten sollten so Wege, Wartezeiten und Doppeluntersuchungen erspart bleiben. 

Von den 64 Beschäftigten, darunter 17 Ärzte, wurden rund 13.000 Patienten im Quartal behandelt. Gründer waren die Kasseler Ärzte Dr. Arif B. Ordu, Lutz-Michael Schäfer und Dr. Andreas Utech. Ordu schied wieder aus und ist heute geschäftsführender Gesellschafter des medizinischen Versorgungszentrums „Ärzte am Stern“ in Kassel. Utech und Schäfer machen nicht mehr weiter.

Was war passiert?

Grund für das Ende des Medikum in der Kurfürstenstraße 10-12 am Kulturbahnhof war ein überraschendes Insolvenzverfahren Anfang 2017. Das Medikum war infolge von Abrechnungsschwierigkeiten mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Seither hat der Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko alle Arztsitze, die im Medikum ansässig waren, an Ärzte in der Region verkauft. Dieser Prozess sei seit dem 1. Januar 2019 abgeschlossen, so ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Ein Einzelverkauf sei aufgrund rechtlicher Vorgaben zwingend gewesen.

Was bedeutet das für Patienten und Mitarbeiter?

Patienten haben nun weitere Wege, viele von ihnen blieben außerdem im Unklaren darüber, wo ihr Arzt nun zu finden ist. Teilweise wurden sie über den neuen Standort nur über Notizen an den Türen informiert. Mit dem Verkauf der Arztsitze bleibe die ärztliche Versorgung in der Region erhalten, so der Sprecher. „Andernfalls wären die Sitze verfallen.“ 

Der Großteil der Mitarbeiter in den Arztpraxen sei von den Käufern übernommen worden, die übrigen hätten inzwischen neue Stellen gefunden, heißt es weiter. „Das gilt auch für die ehemaligen Verwaltungsmitarbeiter.“

Und wo sind die neuen Arztsitze nun?

Wo genau die übernommenen Arztsitze nun betrieben werden, sei allein die Entscheidung der Ärzte, die diese Sitze übernommen haben, so der Sprecher des Insolvenzverwalters Danko weiter. Den Arztsitz der Hautarztpraxis haben die Hautärztin Dr. Evelyn Knittl und Kollegen übernommen, sie bleiben aber am Standort in der Wolfsschlucht.

Die Kassenärztliche Vereinigung verweist auf die Internetseite www.arztsuche-hessen.de. Dort können Patienten nach Ärzten in Hessen recherchieren (zum Beispiel nach Vor- und Nachname) und so zum Beispiel die neue Praxisanschrift herausfinden. Sofern ein Arzt weiterhin in Hessen als Vertragsarzt/-psychotherapeut praktiziere und zugelassen sei, zeige die Arztsuche die gegebenenfalls neue Anschrift an, so eine KV-Sprecherin.

Was ist nun mit dem Medikum in Baunatal?

Auch das gibt es nicht mehr. Das Medikum war Mieter von Teilbereichen des MVZ an der Stettiner Straße 5 im Stadtteil Großenritte. „Von Baunatal wissen wir, dass alle dort betriebenen Sitze von neuen Praxisinhabern im Gebäude fortgeführt werden“, so der Sprecher des Insolvenzverwalters.

Gibt es sonst irgendwelche Pläne für das Medikum?

Nein, nach dem Verkauf sämtlicher Arztsitze sei es nur noch eine „rechtliche Hülle“ ohne Geschäftsbetrieb, die abgewickelt werde. „Der Erlös aus dem Verkauf der Arztsitze fließt in die Insolvenzmasse und kommt den Gläubigern zugute.“

Steht das Gebäude, in dem das Medikum ansässig war, nun also auch leer?

Nein. „Das Medikum war nie Hauptmieter, das Gebäude ist noch nahezu voll vermietet“, teilte der Eigentümer auf HNA-Anfrage mit. Unter anderem befindet sich im Haus die radiologische Praxis am Kulturbahnhof Kassel, das Orthopädiezentrum Kassel, eine hausärztliche Praxisgemeinschaft sowie ein weiterer Hausarzt. Die entsprechende Beschriftung der Schilder am Eingang ist laut Eigentümer am Mittwoch geändert worden.

Was passiert mit den leeren Räumen?

„Die Fläche der zweiten Etage steht nun zur Neuvermietung an“, sagt der Eigentümer. Langfristig plane er, das Gebäude als Ärztehaus weiterzuführen. Das barrierefreie Gebäude in einer Lage mit guten Verkehrsanbindungen böte dafür optimale Bedingungen.

Wo welche Ärzte zu finden sind

  • Radiologische Praxis am Kulturbahnhof Kassel: Dr. Basche, Dr. Leibl, Dr. Reuter, Dittig, Hahn, Kirschstein-Donges, Dr. Thode, Praxis für Nuklearmedizin: Dr. Göbel,Tel. 0561/103310 
  • Hausärztlicher Internist am Kulturbahnhof: A. Abdrabou, 0561/76644940 
  • Hausärztliche Praxisgemeinschaft: Dr. Bernhard Kändler, Sebastian Krüger, Dr. Alexandra Urbas, Dr. Regina Haas-Siebert, Dr. Uwe Seeger, 
  • Orthopädiezentrum Kassel: Dr. Marcus Siebert, Jens A. Schmücker, Tel. 05 61/766 40 300

Ärzte, die vorher im Medikum waren: 

  • Dr. Regina Hahn, Hautärztin: Stettiner Str. 5, Baunatal, Tel. 0 56 01/8 96 98 29 
  • Doctor-medic Ionica Vais, Hautärztin: Stettiner Str. 5, Baunatal, Tel. 0 56 01/8 96 98 29 
  • Dr. Sybille Köhler, HNO Heilkunde: Wilhelmsstraße 19, Kassel, Tel. 05 61/3 16 11 77 
  • Dr. Alexander Heuring, Augenarzt: Rabanusstr. 21, 36037 Fulda, Tel. 06 61/67 92 40 
  • Stefan Kumpikov: Hausarzt, Kaufunger Str. 26, 34329 Nieste, Tel. 0 56 05/22 75 
  • Dr. Walter Geßner, aus Altersgründen aufgehört. 
  • Dr. Stefanie Walz, Augenheilkunde: Heinrich-Nordhoff-Straße 3-5, 34225 Baunatal, Tel. 05 61/49 40 30 
  • Dr. Maria Barbu, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin: Lange Straße 57, 34253 Lohfelden, Tel. 05 61/5 10 16 79
  • Dr. Astrid Bardenheuer-Joachimmeyer, Frauenheilkunde und Geburtshilfe: Friedrich-Ebert-Straße 27, Tel. 05 61/10 36 38

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