Besser bewaffnete Polizeistreifen in der Innenstadt unterwegs

Nach Anschlag in Berlin: Mehr Polizeischutz für Kasseler Weihnachtsmarkt

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Die Polizei zeigt verstärkte Präsenz: Nach dem Terroranschlag in Berlin sind auch in der Kasseler Innenstadt mehr Beamte unterwegs.

Kassel. „Die Menschen lassen sich nicht ins Bockshorn jagen. Ansonsten hätten die Verbrecher erreicht, was sie wollten“, sagt Schausteller Max Wunderle am Dienstagmittag.

An dem Stand seiner Familie auf dem Friedrichsplatz, wo gebrannte Mandeln und andere Nüsse verkauft werden, ist auch nach dem Terroranschlag in Berlin viel Betrieb. „Die Leute kommen trotzdem“, sagt Wunderle. Auch wenn man heutzutage mehr als früher aufpassen müsse.

Die Kasseler Polizei wird ab sofort jedenfalls mehr Präsenz auf dem Weihnachtsmarkt zeigen. „Wir sind verstärkt mit uniformierten Beamten, aber auch mit Zivilstreifen unterwegs“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner gegenüber der HNA. Zudem würden die Beamten für die Streifen auf dem Weihnachtsmarkt mit Maschinenpistolen ausgerüstet. Das hessische Innenministerium und das Landeskriminalamt (LKA) haben die Sicherheitslage für Hessen am Vormittag neu bewertet.

Aber auch die Weihnachtsmarktbesucher selbst könnten einen wichtigen Beitrag für mehr Sicherheit leisten, erklärt Andreas Bilo, Geschäftsführer von Kassel Marketing: „Wir bitten alle Besucher um erhöhte Wachsamkeit.“ Die Menschen sollten beispielsweise auf verdächtige Gegenstände wie abgestellte Taschen oder auf seltsame Fahrzeugbewegungen in der Nähe des Markts achten. Entsprechende Hinweise sollten sofort an die Polizei weitergegeben werden.

Ellen Grommes, die in der Schleiferei auf dem Friedrichsplatz Messer verkauft, hat am Dienstag mit vielen Kunden über den Anschlag gesprochen. „Ich bin sehr deprimiert, das geht mir sehr nahe“, sagt die Frau aus Solingen, die jedes Jahr mit ihrem Mann auf den Kasseler Markt kommt. Die Kunden kämen aber trotz des Anschlags in Berlin. „Wir müssen damit leben. Leider, leider.“

Der Märchenweihnachtsmarkt gehe weiter wie immer, so Bilo: Buden, Fahrgeschäfte und Gastronomiestände haben zu den regulären Zeiten geöffnet. Das sei eine Entscheidung, die Kassel Marketing als Veranstalter in Abstimmung mit der Stadt Kassel ganz bewusst getroffen habe.

„Unsere Gedanken sind bei den Opfern des Anschlags und ihren Familien“, erklärt Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Gleichzeitig halte es die Stadt für ein wichtiges Signal, „dass der Weihnachtsmarkt auch nach diesem schrecklichen Anschlag“ geöffnet bleibe. „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Unsere Traditionen und das Wertefundament unserer Zivilgesellschaft sind stärker als menschenverachtender Terrorismus.“

Mit einer Schweigeminute wurde Dienstagabend auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt der Opfer des Anschlags in Berlin gedacht.

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