Geschäft läuft sehr gut

Dampf statt Rauch: Immer mehr Raucher steigen auf E-Zigaretten um

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Gibt Volldampf: Marcel Scheffler vom Highendsmoke-Laden im Kiosk am Wehlheider Platz zeigt, warum man bei den Nutzern von E-Zigaretten nicht von Rauchern, sondern von „Dampfern“ spricht. 

Kassel. Immer mehr Raucher steigen auf elektrische Zigaretten um - zu erkennen an den weißen Dampfwolken. Das Geschäft mit E-Zigaretten, deren Rauch weniger schädliche ist als Tabakrauch, läuft bestens. Wir haben uns in Kassel umgeschaut.

„Stinkt nicht, qualmt nicht und hat richtig Geschmack“, sagt Marcel Scheffler, Dampf-Fachmann im Highendsmoke-Laden am Wehlheider Platz. Er ist auch selbst vom Glimmstängel auf die E-Zigarette umgestiegen, hat vor zwei Jahren eine Schachtel täglich geraucht. Seit er dampft, „habe ich einen besseren Geruchs- und Geschmackssinn, bin fitter und in besserer körperlicher Verfassung“, sagt der 26-Jährige.

Auf den Geschmack sei er gekommen, als er Wasserpfeife mit Fruchttabak geraucht habe. Die Dampf-Aromen würden auch viele seiner Kunden begeistern. Apfel, Kirsche, Melone und Waldfrucht sind nur der Anfang. Gern gedampft wird auch Zitronen- oder Käsekuchen, Whisky oder Vanille, Cappuccino oder Cola. Manche wagen sich auch an Popcorn, Buttermilch oder Menthol heran und ziehen sich auch den Inhalt der kleinen Fläschchen mit Aromen von Bacon, Kräuterbaguette, Salamipizza und Currywurst rein – eben alles, was die Aromenlabors der Lebensmittelindustrie zu bieten haben. 

„Demnächst mischt noch einer Ahle-Wurscht-Liquid“, schmunzelt Ladeninhaber Frank Schmid. 120 Sorten hat er in den Regalen stehen. Öfter fragen Passanten nach, was es denn mit den vielen kleinen Fläschchen auf sich habe, die an Apotheke, Parfümerie oder Kosmetik erinnern. „Nein“, erklärt Frank Schmid dann, „das sind keine Fläschchen mit Nagellack.“

Dampfgeräte für E-Zigaretten: Zwischen 25 bis zu 400 Euro

Der Herr der kleinen Fläschchen: Frank Schmid, Chef der Einkaufsecke am Wehlheider Platz, vor dem Sortiment mit 120 Aroma-Liquids von Apfel bis Zitronenkuchen für die E-Zigaretten.

Drei bis vier Umsteiger kommen jeden Tag in den Laden, die vom Tabakrauchen wegwollen, weil es der Arzt empfohlen hat oder die Familie wegen der vielen Kippen meutert. Neulich kaufte eine Mutter für ihren 18-jährigen Sohn ein Dampfgerät, damit der Junior die Finger von den gefährlichen Tabakzigaretten lässt, erzählt Marcel Scheffler. Eine E-Zigarette gibt es ab 25 Euro, man kann aber für aufwendige Geräte auch 400 oder 500 Euro ausgeben. Zehn Milliliter Liquid kosten 5,50 Euro, wer ordentlich Dampf macht, braucht jeden Tag ein neues Fläschchen.

Zehn bis 15 Umsteiger zählt Sebastian Zimmermann täglich in seinem Smokerstore an der Oberen Karlsstraße. Gesundheitliche Gründe seien für die meisten ausschlaggebend, sich eine E-Zigarette zu kaufen. „Manche möchten auch sparen, weil Zigaretten teurer sind“, sagt der Niederlassungsleiter. Und einige wollten die E-Zigaretten auch als „Shisha to go“, also als Wasserpfeife zum Mitnehmen.

400 Aromen hat der Laden vorrätig, „aber das ist nur ein Tausendstel vom Markt“, sagt Zimmermann. Döner-Dampf und ähnliche Aromen seien lediglich ein Partygag. 95 Prozent der verkauften Liquids seien fruchtige Aromen.

Beim Rauchverbot wird vielerorts kein Unterschied gemacht zwischen Rauchen und Dampfen. Auch E-Zigaretten sind deshalb in allen städtischen Gebäuden und Fahrzeugen verboten, sagt Stadt-Pressesprecher Claas Michaelis.

Polizei sieht kein Problem im Dampf von E-Zigaretten

Rauchzeichen aus dem Automobil: Wenn Marcel Scheffler kräftig an seiner E-Zigarette zieht, denken andere Autofahrer an einen Fahrzeugbrand.

Schrecksekunde an der Ampel: Aus dem Auto auf der Nachbarspur quillt plötzlich dicker Rauch. Der Griff zum Feuerlöscher und rasche Hilfe für den Autonachbarn sind freilich nicht nötig: Der Fahrer hat nur mal kurz an seiner E-Zigarette gezogen. Die mächtige Rauchwolke verflüchtigt sich schnell.

„Bei mir haben schon viele Leute panisch ins Auto geschaut“, sagt Marcel Scheffler. Wenn er am Autosteuer sitzt und kräftig an seiner E-Zigarette zieht, ist von ihm als Fahrer kurzzeitig nichts mehr zu sehen. „Erschrockene Autofahrer haben mir schon öfter mit Handzeichen signalisiert, dass mein Auto brennt“.

Weil es immer mehr Dampfer gibt, die auch beim Autofahren rauchen, hätten sich viele andere Verkehrsteilnehmer aber inzwischen wohl an die mächtigen Rauchwolken gewöhnt.

Aber haben Autofahrer, die am Steuer ihre E-Zigaretten dampfen, überhaupt noch genügend Durchblick auf das Verkehrsgeschehen? „Wir sehen da bisher keine Probleme“, sagt Matthias Mänz, Pressesprecher im Polizeipräsidium Nordhessen.

Keine Unfälle wegen E-Zigaretten

Es seien noch keine Unfälle im Zusammenhang mit der starken Dampfentwicklung aus den E-Zigaretten bekannt geworden, erklärt der Polizeihauptkommissar. Auch Notrufe wegen vermeintlich brennender Fahrzeuge seien bei den Kollegen noch nicht eingegangen. 

Vier Millionen dampfen elektrisch

Immer mehr Menschen in Deutschland rauchen E-Zigaretten. Inzwischen soll die Zahl der „Dampfer“ bei annähernd vier Millionen Menschen liegen.

Weil kein Verbrennungsrauch, sondern nur eine verdampfte Flüssigkeit inhaliert wird, spricht man beim Konsum von E-Zigaretten auch nicht vom Rauchen, sondern vom „Dampfen“.

Der Umsatz mit E-Zigaretten ist in Deutschland explodiert. Zählte der deutsche Verband des E-Zigarettenhandels im Jahr 2010 lediglich fünf Millionen Euro Jahresumsatz, lag die Zahl im Jahr 2017 bereits bei annähernd 600 Millionen Euro. Auch in diesem Jahr wird mit weiter steigenden Umsätzen gerechnet.

Raucher steigen auf E-Zigaretten um

Nach Untersuchungen des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung in Hamburg im Jahr 2015 sind mehr als 91 Prozent aller E-Zigarettennutzer ehemalige Tabakraucher. Der Grund für den Wechsel liegt meist darin, dass der weiße Dampf als deutlich weniger gesundheitsschädlich gilt als das Rauchen von Tabak.

Acht Prozent nutzen sowohl die E-Zigarette als auch die Tabakzigarette. Nur ein Prozent der „Dampfer“ sind Neueinsteiger, die vorher nicht geraucht haben.

Allen Warnhinweisen zum Trotz gibt es aber in Deutschland noch immer mehr als 20 Millionen Tabakraucher. Fast jeder dritte Mann und jede vierte Frau rauchen. 

Weniger Gift als im Tabakrauch

E-Zigaretten gelten im Vergleich zu Tabak-Zigaretten sogar im Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg als weniger schädlich. Unter Ärzten und Fachleuten ist inzwischen unstrittig, dass der Umstieg auf die E-Zigarette die Gesundheitsrisiken von Rauchern verringert und damit die Lebensqualität eines Viertels der Bevölkerung verbessert.

Experten betonen aber auch, dass E-Zigaretten für Nichtraucher eine Erhöhung des Gesundheitsrisikos bedeuten, da bei ihrem Konsum ein Chemikaliengemisch inhaliert wird. Der eingeatmete Dampf enthält auch krebserzeugende und giftige Substanzen wie Formaldehyd oder Acetaldehyd. Weil Langzeiterfahrungen mit dem weißen Dampf fehlen, bleibt die medizinische Bewertung des Konsums von E-Zigaretten schwierig. Am gesündesten ist es mit Sicherheit, weder Rauch noch Dampf zu inhalieren.

Hintergrund: E-Zigaretten verbrennen nicht

Eine E-Zigarette verbrennt nicht. Deshalb entsteht auch kein Passivrauch wie bei den stetig abbrennenden normalen Zigaretten. Nur wenn der E-Raucher am Mundstück seines zigarettenschachtelgroßen Hochtechnologie-Geräts zieht, entsteht Rauch, der inhaliert werden kann.

Das Funktionsprinzip einer elektrischen Zigarette ist simpel. Eine aromatisierte, nach Wunsch auch mit Nikotin versetzte Flüssigkeit in einem kleinen Tank im Gerät wird mit Hilfe von nachladbaren Batterien durch Heizspiralen erhitzt, zu Rauch verdampft und inhaliert. Die E-Liquid genannte Flüssigkeit besteht aus Propylenglycol, Glycerin, destilliertem Wasser und Lebensmittelaromen. Diese Stoffe werden auch in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, haben E-Nummern und gelten als unbedenklich. Der weiße Dampf dieser Flüssigkeit erzeugt zwar das sensorische Gefühl des Rauchens, hat aber mit dem gesundheitsschädlichen Inhalieren von Tabakrauch nichts gemein.

Dieses Video ist Teil der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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