50 Leiharbeiter müssen gehen

Mercedes-Benz spürt Flaute in Amerika auch im Kasseler Achsenwerk

+
Hohes Niveau: Die Achsproduktion im Mercedes-Benz-Werk in Kassel, die seit fast fünf Jahren auf Hochtouren läuft, ist immer noch sehr gut ausgelastet.

Kassel. Das vierte Quartal hat im Mercedes-Benz-Werk in Kassel leichte Bremsspuren hinterlassen.

Nach nahezu fünf Boomjahren in Folge spürt das weltweite Leitwerk für Lkw-, Bus-, Transporter- und Geländewagen-Achsen eine leichte Auftragsdelle. Die Folge: Daimler hat die Verträge mit 50 der 200 Leiharbeiter nicht verlängert.  

Grund für die leichte Eintrübung, die aus heutiger Sicht auch im ersten Quartal 2017 anhalten wird, sind schwächelnde Märkte in Nordamerika und der Türkei sowie ein anhaltender Absatzeinbruch in Südamerika. Dagegen läuft es im Inland und im Rest Europas weiterhin gut. Werkleiter Ludwig Pauss sieht in der aktuellen Entwicklung denn auch „keinerlei Dramatik“, sondern lediglich eine „Normalisierung auf sehr hohem Niveau“ und verweist darauf, dass das Werk seit Jahren an der Kapazitätsgrenze arbeitet. Gleichwohl bedauerte er die Trennung von 50 Leiharbeitern. „Aber wir mussten handeln“, sagte Pauss mit Blick auf die Kosten.

Betriebsratschef Dieter Seidel sprach von einem „sehr schmerzhaften Prozess“. Die Leiharbeiter hätten sich toll ins Team eingefügt und Hoffnungen auf die Übernahme in feste Jobs gemacht. „Aber wir mussten reagieren“, pflichtete er dem Management bei.

Gleichzeitig hat die Werkleitung die Absatz-Prognose leicht nach unten korrigiert. Ging sie bislang von einem ähnlichen Ausstoß wie 2015 aus (damals liefen mit 567 000 Achsen so viele wie nie zuvor von den Bändern), wird jetzt ein Absatz von 540  000 Achsen erwartet. Damit geht aber auch dieses Jahr als eines der besten in der Werksgeschichte ein.

Der Standort produziert neben Achsen auch Komponenten wie Gelenkwellen, Radsätze und Ausgleichsgetriebe und beliefert Fahrzeug bauende Werke weltweit. Durch den Produktmix und die globale Ausrichtung gelingt es dem Werk, größere Schwankungen auszugleichen. Die wird es auch im nächsten Jahr haben, wenn die Achsen für den VW Crafter eingestellt werden. Diesen Transporter baut bislang Mercedes für den Wolfsburger Mitbewerber. Volkswagen will dies aber künftig wieder selbst tun, wodurch die Achsen nicht mehr aus Kassel kommen. Management und Betriebsrat sind aber zuversichtlich, den Verlust durch neue Produkte wettmachen zu können.

Seidel forderte den Vorstand in einer gestrigen Betriebsversammlung auf, die Produktion von Achsen für künftige Elektro-Fahrzeuge in Kassel anzusiedeln. Gleichzeitig lehnte er geplante Sparpläne nach dem Rasenmäherprinzip ab, die in der Lkw-Sparte bis Ende 2018 rund 400 Millionen Euro einbringen sollen. Gerade Kassel habe in den vergangenen Jahren erhebliche Produktivitätsfortschritte erzielt. Die müssten im Rahmen einer fundierten Analyse in die künftigen Überlegungen einbezogen werden.

Pauss sagte eine Analyse zu. Ergebnisse würden im April erwartet. „Dann wissen wir , was zu tun ist.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.