Stehen die Mieter in Kassel wirklich überall Schlange?

Nachmieter erfolglos gesucht: Vermieterin einer Jugendstilwohnung berichtet von ihren Erfahrungen

+
Schmucke Villa: Die Wohnung im Dachgeschoss wird demnächst frei. Doch der Vermieterin fällt die Neuvermietung nicht so leicht, wie sie zunächst gedacht hatte.

Stehen die Mieter in Kassel wirklich überall Schlange? Renate Fahl-Wilde hat da eine ganz andere Erfahrung gemacht - sie bekommt ihre Wohnung nicht vermietet.

Kassel – Als Renate Fahl-Wilde neulich in der HNA laß, dass in Kassel Wohnungen dringend gesucht werden, kam sie ins Stutzen. Als Vermieterin einer Jugendstilwohnung hatte sie jüngst ganz andere Erfahrungen gemacht.

Der Kasselerin gehört eine prächtige Villa in der Ruhlstraße – einer ruhigen und zentrumsnahen Sackgasse. So machte sie sich keine Sorgen, als sie sich auf die Suche nach einem Nachmieter für ihre Dachgeschosswohnung machte. Die aktuelle Bewohnerin hatte zu Ende November gekündigt. Durch eine Anzeige im Internet dauerte es nicht lange, bis sich die ersten Interessenten meldeten.

Keiner will die Mietswohnung: Drei Besichtigungen, drei Absagen

Doch nachdem sie die ersten drei potenziellen Mieter durch die Räume geführt hatte, bekam sie jeweils nur Absagen. Mal sei bemängelt worden, dass das Parkett an einigen Stellen nicht ordnungsgemäß verlegt sei, mal sei die abgeplatzte Farbe an Fußleisten moniert worden. Anderen war die Küche zu dunkel und der Weg in den dritten Stock zu beschwerlich. Sie bestanden auf einen Fahrstuhl.

Die Küche ist zu dunkel - mit dieser Begründung hatte ein Interessent abgesagt.

Fahl-Wilde kann darüber nur den Kopf schütteln: „Keiner erkannte den Charme der Altbauwohnung.“ Von der Küche und vom Wintergarten gebe es einen herrlichen Blick auf eine parkähnliche Grünanlage und die Schäden an Parkett und Fußleisten seien Details. Zudem habe sie den Interessenten zugesichert, den Teppich, der in zwei Zimmern verlegt ist, durch Parkett zu ersetzen.

Die Miete ist angemessen - sagt die Vermieterin und bleibt ratlos zurück

Ihre Mietpreisvorstellung hält Fahl-Wilde für angemessen: Für die 104 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung mit Tageslichtbad, Wohnküche, Wintergarten und einem zur Wohnung gehörenden 60 Quadratmeter großen Dachboden verlangt sie eine Kaltmiete von 875 Euro. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von 8,40 Euro. „Für eine Wohnung in der Lage und in diesem Haus ist dies sicher nicht zu viel.“

Zudem seien alle Fenster jüngst erneuert worden. Dies sei wegen der Denkmalschutzauflagen mit hohen Investitionen verbunden gewesen. Es sorge aber dafür, dass die Nebenkosten, die aktuell bei 235 Euro liegen, sinken.

Vermieterin: Ansprüche mancher Mieter sind überzogen

Fahl-Wilde hat nach den ersten Besichtigungsterminen den Eindruck, dass die Ansprüche mancher Mieter überzogen sind. Dabei stelle sie wenig Ansprüche. Sie wolle nur keine Mieter, die permanent Partys feiern und keine Familien mit Kleinkindern. Im Treppenhaus sei schlicht kein Platz für Kinderwagen oder Ähnliches.

„Es sollte ein bisschen passen in der Hausgemeinschaft, aber wir sollten uns auch nicht auf die Pelle gehen“, sagt sie. Der Garten hinter dem Haus könne nach Absprache von allen drei Parteien im Haus – etwa zum Grillen – genutzt werden.

Fahl-Wilde hofft, dass sie bald neue Mieter findet.

Kontakt: renate.fahl@gmx.de

Miete im Vergleich

Renate Fahl-Wilde liegt mit ihrem Wohnungsangebot laut der Daten des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) leicht über der Durchschnittmiete für Altbauwohnungen mit gutem Wohnwert. Diese liegt in Kassel bei 7,80 Euro pro Quadratmeter. Bei sehr gutem Wohnwert bei 9,30 Euro pro Quadratmeter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.