Auch Politik soll sich einsetzen

Mieterbund Nordhessen startet Initiative gegen Mietexplosion

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Der Mieterbund Nordhessen will mit einer Initiative Mieterhöhungen begrenzen.

Kassel. Bezahlbarer Wohnraum in Kassel ist knapp. Der Mieterbund Nordhessen will deswegen mit einer Initiative Mieterhöhungen begrenzen.  

„Ein angespannter Wohnungsmarkt ist ein bundesweites Phänomen“, sagt Dr. Willi Hilfer, Vorsitzender des Mieterbundes Nordhessen. Kassel habe sich zu einer attraktiven mittleren Groß- und Unistadt entwickelt. „Die Bevölkerung nimmt auch hier zu.“ Mit einem Anteil von 70 Prozent aller Haushalte, die in Mietwohnungen leben, sei Kassel eine Mieterstadt.

Der Mieterbund Nordhessen will deswegen mit einer Initiative Mieterhöhungen begrenzen. Dafür wendete er sich an Kassels gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften, und forderte sie dazu auf, freiweillig Mieterhöhungen für die nächsten fünf Jahre auf ein Prozent pro Jahr zu beschränken. 

Denn auch gesetzliche Regelungen wie die Mietpreisbremse, die seit 2015 auch in Kassel gilt, seien nicht wirksam, sagt Hilfer. „Die Mietpreisbremse gilt ohnehin nur bei Neuvermietungen und ist in der Praxis wegen des fehlenden Mietspiegels nur schwer anwendbar.“ 90 Prozent aller Mietverhältnisse in Kassel seien außerdem Bestandsmieten, keine Neuvermietungen.

„Wir gehen davon aus, dass zum Beispiel Mieterhöhungen von maximal einem Prozent pro Jahr für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren der aktuellen Mietenexplosion entgegenwirken können“, sagt Hilfer. 

Somit könne ein wichtiger Schritt zum Erhalt bezahlbaren Wohnraums insbesondere für Menschen mit geringem oder mittleren Einkommen erreicht werden. Die Antworten der Wohnungsbaugesellschaften blieben noch abzuwarten.

„Die Idee der Initiative ist, eine Pause auf dem angespannten Wohnungsmarkt zu schaffen“, sagt Harald Kühlborn, Vizechef des Mieterbundes. Denn bis sich ein neuer Wohnungsmarkt erschließe, dauere es vier bis fünf Jahre. „Die Wohnungsbaugesellschaften bezeichnen sich als gemeinnützig. Wir hoffen, dass sie mit gutem Beispiel vorangehen und so ein Signal gegen ausufernde Mietsteigerungen setzen.“

Gleichzeitig richtete sich der Mieterbund Nordhessen an die Direktkandidaten zur Hessischen Landtagswahl. „Viele haben sich das Thema bezahlbare Mieten im Wahlkampf auf die Fahne geschrieben“, sagt Hilfer. „Uns geht es nun auch um politische Glaubwürdigkeit.“ Denn auch nach der Wahl solle das Thema noch wichtig bleiben, ergänzt Kühlborn. 

Bis zum 15. Oktober erwarte man eine Antwort, ob die Politiker die Initiative des Mieterbundes unterstützen, und sich in ihren Ämtern und Funktionen für eine Umsetzung bemühen werden.

Dem Mieterbund Nordhessen gehören rund 17 000 Familien aus ganz Nordhessen an. Neben der Geschäftsstelle in Kassel gibt es Außenstellen in Fritzlar, Frankenberg und Eschwege.

In Frankfurt findet am Samstag, 20. Oktober, 13 Uhr, eine hessenweite Demonstration des Deutschen Mieterbundes unter dem Thema #Mietwahnsinn-Hessen: Gemeinsam gegen Spaltung und Verdrängung – bezahlbarer Wohnraum für alle“ statt.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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