Frau wollte Böses von sich fern halten

Prozess in Kassel gegen "Magier": Frau zahlte für Rituale eineinhalb Millionen Euro

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Muss sich vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten: Ein 66-jähriger, selbst ernannter Magier, Hellseher und Wahrsager (vorn), der Millionen ergaunert haben soll.

Kassel. Eineinhalb Millionen Euro haben Frau und Mutter aus Kassel zwischen 2000 und 2009 für einen selbst ernannten Magier ausgegeben. Am Amtsgericht Kassel wurde der Prozess am Donnerstag fortgesetzt.

Mit den Zahlungen wollten die Frauen das Böse von sich fern halten. Am Amtsgericht Kassel wird jetzt gegen einen 66-Jährigen selbst ernannten Magier, Hellseher, Wahrsager verhandelt, der den größten Teil des Geldes erhalten hat.

Etwa eineinhalb Millionen Euro haben eine heute 56-jährige Frau aus Kassel und deren Mutter in den Jahren 2000 bis 2009 für Rituale, Hausreinigungen und Schutzkreise ausgegeben, mit denen sie das Böse von sich fern halten wollten. Am Amtsgericht Kassel wird jetzt gegen einen 66-Jährigen selbst ernannten Magier, Hellseher, Wahrsager verhandelt, der den größten Teil des Geldes erhalten hat.

Über den Angeklagten sei der Kontakt zu einem Inder entstanden, der ebenfalls erhebliche Summen von ihr erhalten habe, berichtete die Geschädigte als Zeugin vor Gericht. Allein im Oktober 2006 soll dieser 50 000 Euro von ihr erhalten haben. Quittungen oder Rechnungen gab es keine.

„Ich wollte immer mit den Sitzungen aufhören,“ berichtete die zierliche, einfachgekleidete Frau mit dem graumelierten Pferdeschwanz und ungeschminktem Gesicht. Doch es gab immer neue Drohszenarien. „Für den Fall, dass ich aufhören will, würde großes Unglück über mich hereinbrechen“, schilderte sie die Drohungen. Weil sie zu jener Zeit in regelmäßigem Kontakt mit dem Angeklagten stand, habe dieser genau über die Situation in ihrer Familie Bescheid gewusst und diese Kenntnisse genutzt.

Sie habe Panikattacken gehabt, sei restlos überfordert und sehr angespannt gewesen als ihre Mutter schließlich einen Schlaganfall erlitten habe und auch ihre Tochter mehrfach auf der Intensivstation im Krankenhaus in Behandlung gewesen sei. So habe sie versucht, immer neues Geld zu beschaffen, Grundstücke und Häuser aus Familienbesitz verkauft, ebenso Silber und Schmuck.

Zeitgleich sei ihr aufgefallen, dass der Angeklagte größere Umbauten an seinem Haus vorgenommen und sich einen Mercedes SLK gekauft habe, schilderte die Geschädigte. Anfang der 2000er Jahre sei der Lebensberater schon zu ihrer Mutter ins Haus gekommen. Die dominante Dame, die bis zu ihrer Erkrankung die finanziellen Dinge der Familie in der Hand gehabt habe, hätte die bis dahin ausgegebene Summe immer mit 2,5 Millionen D-Mark benannt.

Der schwergewichtige Mann auf der Anklagebank mit dem schulterlangen, grauen Haar, den hängenden Augenlidern und dem Doppelkinn schüttelte zu diesen Äußerungen den Kopf. Wegen eines Schwächeanfalls, den er auch bereits am ersten Prozesstag erlitten hatte, musste die Verhandlung am Mittwoch wiederum früher abgebrochen werden.

Mit der Anhörung der Tochter soll der Prozess am Freitag, 27. März, ab 13 Uhr am Amtsgericht Kassel fortgesetzt werden. Die Geschädigte selbst wird noch einmal Mitte April gehört.

Von Andrea Espagné

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