Eigene Tochter war eines der Opfer

Missbrauch an zwei vierjährigen Mädchen: Kasseler verurteilt

Kassel. Ein 37-Jähriger aus Kassel ist jetzt wegen sexuellen Missbrauchs an zwei vierjährigen Mädchen vom Kasseler Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden – auf Bewährung.

Innerhalb der nächsten drei Jahre darf sich der Mann nichts zu Schulden kommen lassen, sonst könnte die Bewährung widerrufen werden, und er müsste doch noch ins Gefängnis. Außerdem muss sich der Verurteilte einer Therapie unterziehen und über einen Zeitraum von einem Jahr 600 Euro an eine soziale Einrichtung spenden.

Dass der Mann nicht in Haft muss, hat auch mit seinem Geständnis zu tun, das er ablegte. Es habe einen hohen Wert, wie der Vorsitzende Richter Jürgen Dreyer in seiner Urteilsbegründung feststellte. Das wiederum hat zwei Gründe. Zum einen sei die Beweislage nicht eindeutig gewesen; von den beiden Mädchen hatten jeweils nur kurze Schilderungen der Fälle vorgelegen. Zum anderen ersparte der Angeklagte mit seinem Geständnis den beiden betroffenen Kindern eine Aussage vor Gericht – und damit eine erneute Konfrontation mit dem Erlebten und der damit verbundenen Qual.

Eigne Tochter missbraucht

Die Taten ereigneten sich im Jahr 2014. Der 37-Jährige missbrauchte zunächst die damals vierjährige Tochter seiner Bekannten, später dann seine leibliche Tochter, die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls vier Jahre alt gewesen ist. Als es um Einzelheiten ging, wurde die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen.

Einblicke in das Leben des Mannes gab es aber trotzdem, wobei er mitunter fahrig wirkte, als es um seine Biografie ging: um die Schulbesuche in Kassel und Vellmar mitsamt dem Realschulabschluss, um seine mittlerweile geschiedene Ehe, um seine Tätigkeiten bei Zeitarbeitsfirmen. Meistens verrichtete er Hausmeisterarbeiten, derzeit aber ist er arbeitslos. Er lebt von 830 Euro, die er als Arbeitslosengeld II erhält. Mehr als die Hälfte geht für die Miete ab.

Schon einmal ist der Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden – wegen Körperverletzung. Der Missbrauch an den Mädchen ereignete sich kurz nach dem Ende der damaligen Bewährungszeit. Sonst hätte er diesmal wohl keine erneute Bewährungsstrafe bekommen. Immerhin attestierte Richter Jürgen Dreyer dem Mann eine grundsätzliche Einsicht.

Dreyer machte dem 37-Jährigen aber noch einmal deutlich, dass er schwerwiegende Straftaten begangen habe, was auch damit zu tun hat, dass die Opfer oft mit erheblichen psychischen Folgen leben müssten. „Sie müssen an sich arbeiten“, sagte der Richter zu dem Mann – und das bezog sich nicht auf den Beginn des Tages.

Der Angeklagte war eine knappe Stunde zu spät gekommen, weil angeblich die Batterie seines Autos gestreikt und er die Handynummer seines Verteidigers nicht gehabt hätte.

Gegen das Urteil des Landgerichts kann Revision eingelegt werden.

Rubriklistenbild: © pixabay

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.