ASB-Präsident Müntefering zu Gast

Mit Festakt in documenta-Halle: Wünschewagen in Kassel in Betrieb

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Im neuen Wünschewagen: (von links) ASB-Präsident Franz Müntefering und Michael Görner, geschäftsführer des ASB Nordhessen. 

Einen letzten Wunsch erfüllen, bevor es zu spät ist. In Kassel wurde der bundesweit 23. Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) feierlich in Betrieb genommen.

Wenn man ihn vor 30 Jahren gefragt hätte, wie er am liebsten sterben würde, dann hätte er geantwortet: „Tot umfallen“. Heute sehe er das anders, erzählte der 79-jährige Franz Müntefering, einst Bundesminister und Bundesvorsitzender der SPD, am Freitag in der documenta-Halle. Heute wolle er sehenden Auges dem Tod entgegentreten, die letzten Tage des Lebens bewusst erleben.

Das sagte Müntefering in seiner Funktion als Präsident des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) Deutschland. Der ASB Nordhessen nahm gestern nämlich seinen Wünschewagen in Betrieb. Ein Fahrzeug, in dem todkranke Menschen transportiert werden können, damit ihnen ihr letzter Wunsch erfüllt werden kann. Es ist der 23. Wünschewagen des ASB bundesweit.

Müntefering berichtete von einer 30-jährigen todkranken Frau, die mit solch einem Wagen in den Zoo gefahren wurde, um noch einmal Elefanten füttern zu können. Und von einem 17-jährigen Mädchen, das im Sterben lag, und noch einmal seine gebrechliche Oma sehen wollte.

Mit einem Wünschewagen würden nicht alle Probleme von Sterbenden und ihren Angehörigen gelöst. Es sei aber gut, dass es sie gebe, so Müntefering. „Wir müssen für die Menschen sorgen, so lange wie sie leben. Der Wünschewagen ist eine Botschaft an das Leben.“

„Wir haben den gesellschaftlichen Auftrag, uns mit dem Tod auseinanderzusetzen“, sagte Ludwig Frölich, Landesvorsitzender des ASB. Er stelle immer wieder fest, dass Krankheit, Sterben und Tod Themen sind, die aus dem Alltag verdrängt würden. Die Wünschwagen des ASB, mit denen bereits über 1500 Todkranken in den vergangenen Jahren ihre letzten Wünsche erfüllt wurden, stünden für Liebe und Fürsorge.

In jedem Wünschewagen sitzt ein Fahrer mit Ersthelferausbildung und ein Mitarbeiter mit medizinischer Ausbildung (Krankenschwester oder Notfallassistent). Ihr Einsatz ist ehrenamtlich. In Nordhessen haben sich bislang 70 Helfer freiwillig schulen lassen, um im Wünschewagen todkranke Menschen begleiten zu können.

„Das ist ein Hammer“, sagt Michael Görner, Geschäftsführer des ASB Nordhessen. In der kommenden Woche gebe es bereits die erste Fahrt, um einen todkranken Menschen aus Nordhessen den letzten Wunsch erfüllen zu können.

Die Schirmherrschaft über den Wagen hat Susanne Selbert, Direktorin des Landeswohlfahrtsverbands Hessen, übernommen. Sie habe nicht lange überlegen müsse, ob sie das Amt annehme, sagte Selbert. Dieses Projekt sei nicht nur inhaltlich richtig, sondern gehe ihr ans Herz. „Aber das geht wohl allen so.“

Projekt seit 2014, durch Spenden finanziert

Noch einmal das Meer sehen, ein letztes Mal die Lieblingsband erleben oder mit dem Lieblingsfußballverein im Stadion fiebern – die Wünschewagen des ASB machen es möglich: Das Projekt wurde 2014 ins Leben gerufen, um Menschen am Ende ihres Lebens einen letzten Wunsch zu erfüllen. Das Projekt wird rein ehrenamtlich getragen und ausschließlich durch Spenden finanziert. 

Die Fahrten sind für die Passagiere und eine Begleitperson kostenlos. Schirmherr des Projektes ist ASB-Präsident Franz Müntefering. Der Wünschewagen Nordhessen ist der zweite in ganz Hessen. Kontakt: ASB Nordhessen, Erzbergerstraße 18, 34 117 Kassel, Tel 05 61/58 52 92 27. Mail: wuenschewagen@asb-nordhessen.de Spendenkonto: Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V., Volksbank Mittelhessen, IBAN: DE07 5139 0000 0060 8253 51, BIC: VBMHDE5FXXX, Stichwort: Wünschewagen

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