Rentner soll 47-Jährigen ermordet haben

Mordprozess nach Streit um Nebenkostenabrechnung: Kasseler war offenbar Waffennarr

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Am 1. März 2017 ist ein Streit um Nebenkosten eskaliert: In der Ihringshäuser Straße wurde der 47-jährige Thomas F. getötet, seine Frau wurde verletzt.

Kassel. Der 69-jährige Kasseler, der sich derzeit vor dem Landgericht Kassel wegen Mordes verantworten muss, war offenbar ein Waffennarr.

In Schränken und Schubladen seiner Wohnung an der Ihringshäuser Straße hat die Polizei Unmengen an Munition, Patronenhülsen, Projektilen, Schwarzpulver, leere Pistolenholster, Magazine, Utensilien zur Waffenreinigung und Pistolengriffe sichergestellt. Richter Volker Mütze zitierte im gestrigen Prozess minutenlang aus den Aufzeichnungen der Kripobeamten, die mehrer Seiten füllen.

Nach den Schüssen am 1. März vergangenen Jahres, nach denen der 47-jährige Thomas F. tot war und seine Frau verletzt, waren bei dem Rentner eine Pistole und ein Schrotgewehr sichergestellt worden. Der Besitz beider Waffen war illegal. Am Mittwoch sagten Kriminalpolizisten aus, die mit der Frau des Toten die dramatischen Ereignisse nachgestellt und per Video gefilmt hatten.

Im Eingangsbereich des Mehrfamilienhauses war es danach wegen der Nebenkostenabrechnung zu einem zunächst verbalen, dann auch körperlichen Streit zwischen Thomas F. und dem Angeklagten gekommen, bei dem sich beide am Boden wälzten.

Nach dieser Auseinandersetzung stieg das Ehepaar die Treppe zu ihrer Wohnung hoch, als von unten ein Schuss fiel, der Thomas F. in den Rücken traf. Ein zweiter Schuss durchschlug die Holztreppe und streifte das Geländer. Das Geschoss traf die Frau als Querschläger am Oberschenkel, verletzte sie aber nicht. Sie haben den Angeklagten mit der Pistole nach oben zielend unten im Hausflur gesehen, sagt Johanna F. in der Video-Nachstellung.

In der Wohnung sank Thomas F. zu Boden und klagte über Atemnot. Seine Frau alarmierte die Rettung. In der Zwischenzeit hatte der Angeklagte aus seiner Wohnung ein Schrotgewehr - möglicherweise mit abgesägtem Lauf - geholt und war die Treppe hochgelaufen.

Noch während Johanna F. am Telefon Hilfe herbeirief feuerte der Angeklagte mit einem Schrotgewehr durch die Glasscheibe der nur angelehnten Wohnzimmertür. Die 8,5 Millimeter großen Schrotkugeln durchschlugen Holz und Glas der Tür, rissen das Parkett und die Wand auf.

Während ihr Mann reglos auf dem Boden lag, lief die Frau zur Tür, stellte ihren Fuß davor und versuchte so, den Nachbarn aufzuhalten. Ein zweiter Schuss mit feinerem sogenanntem „Vogelschrot“ krachte, die Frau wurde an Ellenbogen und Arm verletzt. Johanna F. schrie: „Der schießt immer weiter auf uns. Hau ab, hau ab, du Penner, verpiss dich.“

Der kräftige, hochgewachsene Angeklagte zeigte bei der Vorführung des Films keine Regung. Ab und an drehte er sich zu seinem Verteidiger Markus Mauermann um und wechselt einige Worte mit ihm.

Am Freitag, 12. Januar geht das Verfahren um 9 Uhr in Saal D 130 mit der Anhörung von Zeugen weiter. 

Mann schießt auf Nachbarn im Stadtteil Fasanenhof

Mann schießt auf Nachbarn im Stadtteil Fasanenhof
 © Schachtschneider/HNA
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Mann schießt auf Nachbarn im Stadtteil Fasanenhof
 © Privat
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