"Ich arbeite so gerne mir Menschen"

Museumspädagoge Klaus Wölbling verabschiedet sich in den Ruhestand

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Abschied in den Ruhestand: Klaus Wölbling hat 13 Jahre lang als Museumspädagoge die Besucher im Stadtmuseum begleitet. 

Jeder in Kassel – wenigstens jeder, der sich hin und wieder im Stadtmuseum blicken lässt – kennt Klaus Wölbling. Jetzt geht er in Rente.

Der herzliche, aufgeschlossene, meist lächelnde Mann mit dem Pfeffer-und-Salz-farbenen Bart ist dort seit 2006 als Museumspädagoge tätig. Über die Jahre hat er sich nicht nur seine Begeisterungsfähigkeit bewahrt – er ist außerdem der Menschenfreund geblieben, der er schon immer war.

Klaus Wölblings Gabe ist es, sich unvoreingenommen auf andere einzulassen. Bezeichnend für sein Interesse an den Menschen ist auch sein Lieblingsexponat im Museum: das unprätentiöse große Foto aus dem Jahr 1905, das die Arbeiter zeigt, die das Kasseler Rathaus gebaut haben. „Ich gucke in die vielen Gesichter und versuche mich in sie hineinzuversetzen, ihre Gedanken zu ergründen“, sagt Klaus Wölbling. Häufig hört man aus seinem Mund: „Ich arbeite gerne mit Menschen – es bereichert mich.“ 

Rentenzeit verschoben

Diesen Satz bezieht er besonders auf sein letztes Museumsprojekt, „Kassel als Heimat vieler Menschen“, das er zusammen mit Teslihan Ayalp von der Rathausabteilung Bildungsmanagement und Integration entwickelt hat: Neun Menschen aus neun Ländern blicken auf das Museum und die Stadt, in der sie unterschiedlich lang leben und angekommen sind. Sie erzählen die Geschichte ihrer neuen Heimatstadt aus ihrer Sicht, indem sie Führungen in ihren Muttersprache anbieten. 

Geschult, begeistert, animiert hat sie Klaus Wölbling. „Die Geschichte einer Stadt setzt sich aus den Geschichten der Menschen zusammen. Geschichte ist unser Leben“, sagt er und man spürt: Es ist ihm eine Herzensangelegenheit. Weil er das Projekt noch auf den Weg bringen wollte, hat er seine Rentenzeit um fünf Monate nach hinten verschoben. Jetzt werde er zufrieden und mit Respekt vor seinem Nachfolger beziehungsweise Nachfolgerin loslassen, sagt er.

Wölbing war mal Taxifahrer

Klaus Wölbling, der im nächsten Monat 66 Jahre alt wird, ein Kasseler durch und durch, hat an der Gesamthochschule Gesellschaftslehre mit Schwerpunkt Sozialkunde sowie Kunst studiert und dann ein Geschichtsstudium draufgesattelt, weil er im Anschluss keine Anstellung als Lehrer bekam. Heute erweist sich diese Kombi als perfekt für eine Tätigkeit im Museum. Doch bis dahin war es ein langer Weg, über den Wölbling rückblickend sagt: „Alles in meinem Leben sollte genauso kommen, wie es sich gefügt hat.“ 

Und dazu zählt für ihn auch die Erfahrung, sechs Jahre lang als Taxifahrer durch Kassel gefahren zu sein. Er arbeitete als Journalist und Öffentlichkeitsreferent und ab 1993 schließlich 16 Jahre lang als Geschäftsführer der SPD-Rathaus-Fraktion. „Ich kenne die politischen Abläufe“, sagt das SPD-Mitglied, „und das war für meine Tätigkeit im Stadtmuseum durchaus sinnvoll“.

Steht als Museumsführer weiter zur Verfügung

Jetzt freut sich Wölbling, der mit seiner Frau an der Aue wohnt, darauf, mehr Zeit für seine kleinen, aber feinen Freuden zu haben: etwa das Schwimmen in der Buga „von März bis November“ und das Fahrradfahren. Dem Stadtmuseum wird er als ganz normaler Führer durch die Geschichte Kassels weiterhin zur Verfügung stehen.

Im Stadtmuseum startet am Dienstag, 20. August, das Projekt „Kassel als Heimat vieler Menschen“. Es werden kostenlos Führungen durch das Haus  angeboten in den Sprachen Arabisch, Pashto, Kurmanci, Sorani, Türkisch, Russisch, Tigrigna, Bulgarisch und Persisch. Infos zu den Terminen: stadtmuseum-kassel.info.de 

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