„Das war kein Anschlag auf den Staat Israel"

Antisemitismus-Streit über Israel-Flagge vor Kasseler Rathaus

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Ist sie auch ein Religionssymbol? Die israelische Flagge nach dem Anschlag von Halle vor dem Kasseler Rathaus in der Königsstraße. 

Wie gedenkt man, wenn in Deutschland ein Anschlag auf Juden verübt wird? Das Kasseler Rathaus ließ eine Israel-Flagge hissen. Für die Linke ist dies das falsche Symbol. 

Würde die Kasseler Stadtverwaltung am Rathaus die Flagge von Saudi-Arabien hissen, wenn bei einem Anschlag in Deutschland Muslime getötet würden? Mit dieser Frage an Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) sorgte Simon Aulepp von den Linken am Montag in der Stadtverordnetenversammlung für Aufruhr und eine Debatte über Antisemitismus.

Mit seiner polemischen Frage hatte Aulepp seine Kritik am Gedenken der Stadt an dem gescheiterten Anschlag auf eine Synagoge in Halle deutlich machen wollen. Nachdem ein Rechtsextremist dort vergeblich versucht hatte, ein jüdisches Gotteshaus zu stürmen, aber zwei Passanten tötete, wurde vor dem Kasseler Rathaus eine israelische Flagge gehisst. 

Aulepp: "Kein Anschlag auf den Staat Israel"

„Das war kein Anschlag auf den Staat Israel, sondern auf eine Glaubensgemeinschaft. Der Bezug zum Nationalstaat leuchtet mir nicht ein“, sagte Aulepp gestern der HNA.

In der Sitzung hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Patrick Hartmann Teilen der Linken vorgeworfen, das Existenzrecht Israels infrage zu stellen. Dagegen verwehrte sich Aulepp im Gespräch mit unserer Zeitung: Dies sei ein Schauangriff, der vom Kampf gegen den rechten Antisemitismus ablenke.

Linken-Stadtverordneter Simon Aulepp.

Zugleich kritisierte er „die Gleichsetzung des Judentums mit dem Staat Israel“ und schlug vor: „Warum setzt man nicht die deutsche Flagge auf halbmast?“

Zudem hätte er sich vorstellen können, dass man gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde überlege, wie ein angemessenes Gedenken aussehen könne – etwa in Form eines siebenarmigen Messing-Leuchters, der prominent ausgestellt werde.

Kassels Oberbürgermeister verteidigt Flagge

Rathaus-Chef Geselle verteidigt hingegen die Israel-Flagge als „deutliches Zeichen der Solidarität mit den Menschen jüdischen Glaubens“, wie er auf unsere Nachfrage erläuterte: „Jede antisemitische Aktion ist auch immer ein Angriff auf den Staat Israel.“

Ähnlich sieht man das in der Jüdischen Gemeinde. „Die Flagge war eine Solidaritätsbekundung für Juden. Ich habe mich gefreut, dass sie vor dem Rathaus hing“, sagt Vorstandsmitglied Esther Haß. Markus Hartmann von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft findet, dass man „das Judentum und den Staat Israel nicht voneinander trennen kann“. Darum ist die israelische Fahne für ihn auch ein Religionssymbol.

Die Debatte über die Fahne vor dem Rathaus können beide nicht ganz nachvollziehen. Haß meint: „Alles, was gegen Israel gesagt wird, ist antisemitisch.“ Aulepp sieht das ganz anders: „Es muss möglich sein, die israelische Besatzungspolitik zu kritisieren.“

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