Nach Bombenfund in Kasseler Innenstadt

Evakuierung wegen Bombenfund: Zahlreiche Helfer leisteten Kasselern Beistand

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Fleißige Helfer in der Stadthalle: Wolfgang Weber (von links), Chantal Hinzpeter, Julian Rehse, Katharina Weber, Alena Nörz, Jörg Bauermeister und Franziska Lippert.

Kassel. Während der Evakuierung der Innenstadt kamen die Menschen unter anderem im Staatstheater, in der Stadthalle und der Elisabethkirche unter. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Ein Bombenfund wie jener am Mittwoch in der Kasseler Innenstadt bedeutet für viele: Ausnahmezustand. Auch für die zahlreichen Helfer. Im Nu rücken viele Helfer an, um jene zu unterstützen, die plötzlich am Abend nicht mehr in ihrer Wohnung sein können. Geschichten über jene Menschen, für die der Mittwoch alles andere als Alltag war.

Im Staatstheater

Man könnte meinen, der Abend sei so geplant gewesen: Henrike Witte hat nämlich Geburtstag, und den verbringt sie im Staatstheater. Das weiß die nun 21-Jährige allerdings erst seit wenigen Minuten an diesem Mittwochabend. Witte und ihre Mitbewohnerin Maren Löchtermann (20) haben nämlich von einem Nachbarn erfahren, dass jene Personen, die ihre Häuser während der Bombenentschärfung verlassen müssen, umsonst die Vorstellung von „Moskitos“ im Schauspielhaus besuchen können.

„Da haben wir uns spontan entschieden, hierherzukommen“, berichten die beiden Studentinnen. Es ist ihre erste Vorstellung im Staatstheater – „wie es der Zufall will“. Von der Evakuierung haben die beiden Lehramtsstudentinnen, die gerade jeweils ein Praktikum an einer Schule machen, am Nachmittag erfahren. Sie wohnen in unmittelbarer Nähe des Staatstheaters, daher war der Weg nicht weit.

Plötzlich im Staatstheater: Maren Löchtermann (links) und Geburtstagskind Henrike Witte.

Beide sind guter Dinge, haben für den Notfall aber alles mitgenommen. Sie hoffen aber, dass sie bald wieder in ihre Wohnung können und wollen trotz allem das Beste aus dem Abend machen – im Staatstheater.

In der Documentahalle 

Romella Karapetyan ist mit ihrer Tochter Anna in die documenta-Halle gekommen, die als Ausweichquartier dient. „Eigentlich hatte ich gedacht, dass wir in der Wohnung bleiben können“, sagt sie. Dann aber hätte die Feuerwehr geklingelt, und sie hätten schnell ihre Wohnung am Friedrichsplatz verlassen müssen. Sie hätten nichts mitgenommen und hoffen, dass sie bald wieder zurück in ihre Wohnung können. „Meine Tochter muss morgen zur Schule und ich zur Arbeit“, sagt Karapetyan. Wenn es länger dauert, wollen sie dann doch zu Freunden fahren. Immerhin: Anna hat eine Tasche dabei, die sie wie ein Malbuch ausmalen kann. „Ich hab gewusst, dass es langweilig wird“, sagt die Neunjährige. Nun hat sie Beschäftigung.

Ilse Grimm ist in Kassel geboren. Seit 20 Jahren wohnt sie in der Innenstadt. Die 84-Jährige hat die Bombennacht miterlebt. „Es wundert mich deshalb nicht, dass hier immer wieder Bomben gefunden werden“, sagt sie.

So etwas wie heute hat sie allerdings noch nicht erlebt. Schon am Mittag habe sie gemerkt, dass die Bahnen nicht mehr unterwegs sind und dann den Grund dafür erfahren. Auch sie wartet nun in der documenta-Halle und hofft, dass sie bald wieder nach Hause kann.

Koordinierte den Einsatz in der documenta-Halle: Pascal Blödow.

„Wir sind für alles gewappnet“, sagt Pascal Blödow, Zugführer des Zweiten Betreuungszuges des DRK Kassel Land. Zusammen mit 25 Einsatzkräften ist er für die Menschen in der documenta-Halle da. Platz ist für 350 Leute – mindestens. Dementsprechend gibt es auch rund 350 Liter Getränke. Der 29-Jährige engagiert sich seit mehr als 20 Jahren beim DRK. Mit acht Jahren hat er im Jugendbereich angefangen. „Es hat mir einfach direkt Spaß gemacht“, sagt Blödow.

Im Ausweichquartier documenta-Halle: Anna und Romella Karapetyan.

In der Stadthalle

Wolfgang Weber ist der Zugführer des Ersten Betreuungszuges des DRK Kassel. Gemeinsam mit den Helfern seines Zuges, des Ersten Sanitätszuges Kassel und der Johanniter ist er für den Einsatz im Kongress Palais im Vorderen Westen zuständig. Ein Seitenflügel dient als Quartier für jene, die an diesem Abend ihre Wohnung in der Innenstadt verlassen mussten.

Es ist jetzt kurz nach acht Uhr, ein paar Menschen sind schon da. Gerade kommt ein junges Ehepaar mit einem Kleinkind. Sie bekommen hier Brot, Wurst, Käse, Joghurt, Äpfel, Bananen, etwas zu trinken. Wolfgang Weber hat für alles gesorgt.

Das Gute ist, dass der Einsatz am Abend eine gewisse Vorlaufzeit hatte. Wertvolle Stunden, um alles vorzubereiten. Weber suchte einen entsprechenden Ausweichraum und fand ihn in der Stadthalle. Er erwähnt zugleich die große Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter vor Ort. Alles wird möglich gemacht, um die Ausnahmesituation zu bewältigen. Am Nachmittag ist Wolfgang Weber dann zur SB Union gefahren und hat die Verpflegung für diesen Notfall besorgt. Ein Nebenraum steht für jene zur Verfügung, die pflegebedürftig sind. Es ist an alles und an alle gedacht.

Nun steht Wolfgang Weber da und koordiniert alles. Es gibt nur eine Sache, die ihn betrübt. Seine Frau muss an diesem Abend ohne ihn ihren Geburtstag feiern.

Blindgänger auf Baustelle am Kasseler Ständeplatz gefunden

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 © Wenzel
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 © Andreas Fischer
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In der Elisabethkirche

Stefan Krönung, Pfarrer und stellvertretender Leiter der Malteser in Kassel, hat die Elisabethkirche für Betroffene geöffnet. Bislang sind nur wenige gekommen. Trotzdem bleibt die Kirche weiter offen. Es gibt Essen und Getränke. „Mensch ärgere dich nicht für den Notfall ist auch vorhanden.“

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