Die Reaktionen auf den Sieg von Christian Geselle

Nach der Oberbürgermeisterwahl: Das sagt der Gewinner, das sagen die Verlierer

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Gleich zum HNA-Interview: Christian Geselle im Gespräch mit den HNA-Redakteuren Andreas Hermann und Jens Nähler (rechts).

Kassel. Dem neuen Oberbürgermeister von Kassel stand am Sonntagabend die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Seine Konkurrenten hingegen hatten wenig Grund zur Freude.

 „Ich freue mich über das herausragende Ergebnis. Ich bin dankbar und überwältigt“, sagte SPD-Kandidat Christian Geselle am Sonntag, als gegen 19 Uhr sein Wahlsieg im ersten Durchgang endgültig feststand.

Mit 56,6 Prozent der abgegebenen Stimmen hat der 40-Jährige alle anderen fünf Kandidaten abgehängt. Der zweitbeste Mitbewerber, Dominique Kalb (CDU), kam auf 18,3 Prozent und blieb damit unter dem CDU-Kommunalwahlergebnis (20,7 Prozent). Geselle hingegen toppte das Kommunalwahlergebnis seiner Partei überdeutlich, war doch die SPD in Kassel damals erstmals unter 30 Prozent geblieben.

Er habe in den vergangenen Wochen schon die Zustimmung der Menschen gespürt, sagte Geselle. Dennoch sei er überrascht und erfreut, dass es schon im ersten Wahlgang geklappt habe. Die Stichwahl, die auf den 26. März terminiert war, ist nicht nötig. „Drei Wochen weniger Wahlkampf bedeutet ja auch drei Wochen gewonnene Lebenszeit“, meinte Geselle.

Alle Zahlen und Infos zur OB-Wahl finden Sie hier.

Geselle wird am Dienstag 41 Jahre. Der Sozialdemokrat wird ein junger Oberbürgermeister, aber nicht der jüngste von Kassel. Dieser Titel gebührt Hans Eichel (SPD), der 1975 mit 33 Jahren den Chefposten übernommen hatte. Als eine seiner ersten Aufgaben sieht Geselle die Organisation stabiler politischer Verhältnisse. Keine leichte Aufgabe: Seine bevorzugte Koalition ist die Ampel aus SPD, FDP und Grünen, die liberale Fraktion hat sich aber gerade aufgelöst. Geselle: „Aber dennoch sind vier Liberale ja noch in der Stavo.“ Und wer wird neuer Kämmerer? Da bittet Geselle um eine Verschnaufpause. „Heute Abend wird erst einmal schön gefeiert auf der besten Meile der Welt – nämlich in Joe’s Garage in der Friedrich-Ebert-Straße."

Die Reaktionen 

Dominique Kalb (CDU)

„Die Wahlbeteiligung war mies, das läuft immer gegen die Union. Und wir hatten kein wirkliches Aufreger-Thema im Wahlkampf. Trotzdem bin ich mit dem Ergebnis zufrieden und danke allen Wählerinnen und Wählern. Wir hatten ein tolles Wahlkampfteam, und wir haben in den vergangenen Wochen gemeinsam anständig gekämpft.“ 

Eva Koch (Grüne)

„Ich hatte mir zwar mehr erhofft, bin aber auch nicht enttäuscht. Ich dachte, es würde auf eine Stichwahl hinauslaufen. Dass Geselle ein so gutes Ergebnis hinlegt, hatte ich nicht erwartet. Bei der Personenwahl konnte er offenbar mehr für seine Partei rausholen als mir das als Person für die Grünen gelungen ist. Offenbar konnten wir auch mit unseren Themen nicht nicht so viele Wähler mobilisieren. Aber wir sind vor der Linken gelandet und drittstärkste Kraft geworden.“

Murat Cakir (Linke)

„Für uns ist das ein tolles Ergebnis. Ich bin als Außenseiter gestartet, mit dem Ergebnis sehr zufrieden und gehe erhobenen Hauptes hier aus dem Saal. Ich bedauere, dass nur so wenig Menschen gewählt haben. Das hat uns getroffen. Zudem gab es heftige Kampagnen gegen mich von Seiten der Erdogan-Anhänger.“

Bernd Hoppe (Freie Wähler) 

nein

„Das ist das beste Ergebnis, das die Freien Wähler jemals in Kassel erreicht haben. Es bedeutet eine Stärkung für unsere politische Arbeit in der Stadt. Klar, mein Ziel war, in die Stichwahl zu kommen, davon bin ich relativ weit entfernt geblieben. Trotzdem bin ich zufrieden. Man muss sehen, wo wir herkommen: Bei der OB-Wahl vor sechs Jahren hatte Bernd Häfner knapp 1,8 Prozent.“

Matthias Spindler (Die Partei)

nein

„Das Ergebnis ist eine schallende Ohrfeige der Wähler an mich, ich dachte, der Wechsel wäre möglich. Immerhin gingen 100 Prozent der Stimmen für die Partei an mich. Und es ist es das beste Nachkriegsergebnis bei einer OB-Wahl für Die Partei.“ 

Oberbürgermeister Bertram Hilgen 

Ich bin froh über den Wahlsieg von Christian Geselle und darüber, dass ich das Amt des Oberbürgermeisters in gute Hände geben kann“, sagte gestern Abend ein entspannter und gut gelaunter Bertram Hilgen. Er hatte das Amt zwölf Jahre lang inne. „Dass Christian Geselle mich jetzt beerbt, macht mir das Ausscheiden etwas einfacher.“ Die SPD habe mit Geselle auf den richtigen Mann gesetzt. Seine Gemütsverfassung beschrieb der 63-jährige Hilgen mit „ein Drittel Abschiedsschmerz und zwei Drittel Vorfreude auf den Ruhestand“. Er werde sich aber nach 37 Jahren „unter Dampf“ in unterschiedlichen politischen Funktionen dennoch ganz bestimmt nicht langweilen. 

Alle Artikel und Fotos zur OB-Wahl in Kassel finden Sie hier.

Geselle wird neuer Oberbürgermeister in Kassel

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