Nicht nur wegen der tollen Ausstellungen

Nach Top-Besucherzahlen: Darum ist die Grimmwelt ein märchenhafter Ort

Kassel. „Wir wollten kein Märchen-Disneyland, und wir haben kein Märchen-Disneyland bekommen.“ Die Grimmwelt erfülle vor allem einen Bildungsauftrag, sagte Oberbürgermeister Betram Hilgen in seinem Fazit ein Jahr nach der Eröffnung der Grimmwelt auf dem Weinberg.

Nur dadurch sei die Investition von 20 Millionen Euro, die von der Stadt Kassel, dem Land Hessen und der EU aufgebracht wurden, zu rechtfertigen. Dass die Grimmwelt mit 158.000 Besuchern im ersten Jahr die Erwartungen weit übertroffen habe, zeige, dass das Haus seinem Auftrag gerecht werde.

Der jährliche städtische Zuschuss sei mit einer Million Euro nicht höher als der für das frühere Grimm-Museum im Palais Bellevue, so Hilgen. Das Haus finanziert sich zu einem Drittel durch eigene Einnahmen, für Kultureinrichtungen ein hoher Wert.

Die Veranstaltungen

Geschäfstführerin Susanne Völker untermauerte den Erfolg mit Zahlen: Mehr als 1000 geführte Rundgänge mit 40 ausgebildeten Vermittlern habe es im ersten Jahr gegeben, mehr als 60 Workshops, darunter viele Schulungen von Lehrern. Darüber hinaus wurden in dem bei den Kasselern sehr beliebten Bau zahlreiche Trauungen, private und Firmenfeiern abgehalten und jüngst auch ein weithin beachtetes Kammermusikfestival.

Lob und Kritik

Im Gästebuch fänden sich zu drei Vierteln positive Rückmeldungen, bei einem Viertel gebe es Anregungen und auch Kritik, sagte Völker. Man nehme Kritik sehr ernst und versuche, Anregungen umsetzen. So wurden etwa Beschriftungen verbessert, mit einer Fragebogen-Broschüre „Weltreise“ für Familien werde die Orientierung innerhalb der Grimmwelt verbessert. Auch in der ständigen Ausstellung gebe es Veränderungen. In der Märchenabteilung wurde die Installation modifiziert, bei der Besucher eine Hexe in den Ofen schieben können.

Die Besucher

Unter den Besuchern seien viele „Wiederholungstäter“. Mehr als 100 Jahreskarten seien verkauft worden, sagte Völker. Die Besucherstruktur wechsele tagsüber: Kämen vormittags viele Schulklassen und Familien, ziehe das Museum mit ihrem gastronomischen Angebot nachmittags vermehrt Senioren an. In der Ausstellung betrage die durchschnittliche Verweildauer eineinhalb bis zwei Stunden.

Wechselausstellungen

Bisher gab es zwei Wechselausstellungen in der Grimmwelt: Eine zum Thema Haare und aktuell „Aufs Maul geschaut“, eine Ausstellung zu Luther und den Grimms. Die nächste Schau werde eine Märchenausstellung sein.

Grimmwelt, Weinberg 21. Eintritt 8 Euro, Kinder 6 Euro. www.grimmwelt.de

Die Grimmwelt und ihre Entstehung

Die folgende Fotostrecke zeigt die Entstehung der Grimmwelt in Kassel. © Archivfoto: Fischer
Die Namensgeber des Museums: Jacob und Wilhelm Grimm. Sie sind in Kassel zur Schule gegangen und nach dem Studium in Marburg zurückgekehrt. Hier nahm ihr Wirken seinen Anfang. © Archivfoto: HNA
Bevor der Bau am Kasseler Weinberg am 3. September 2013 beginnen konnte, mussten die dort stehenden Bäume gefällt werden. © Auel
Oktober 2013: Die Entscheidung ist gefallen: Das neue Ausstellungsgebäude soll „Grimmwelt Kassel“ heißen. Hier ein Modell des Architektenbüros. Eine Jury hatte aus den 270 Einsendungen für den öffentlichen Namenswettbewerb „Grimmwelt Kassel“ als Sieger auserkoren. © HNA Archiv
Der Schöpfer: Der Aachener Architekt Kilian Kada hat das Gebäude der Grimmwelt entworfen. Hier ist er mit einem Modell zu sehen. © Horsky
November 2013: Projektleiterin Susanne Völker gibt bekannt, dass der Bau in der fertig ausgehobenen Baugrube beginnen kann. © 
Januar 2014: Die Bodenplatte ist gegossen und das Gebäude der Grimmwelt wächst nun in die Höhe. © Heise-Thonicke
Februar 2014: Das neue Logo der Grimmwelt steht fest. Es stammt von dem Frankfurter Büro Heine/Lenz/Zizka. Laut Projektleiterin Völker können man die Balken des Logos als Bäume oder Märchenwald, als Buchrücken oder auch als Ordnungsstruktur im Sinne des Grimm´schen Wörterbuchs interpretieren. © Entwurf: Heine/Lenz/Zizka
Ein Blick von oben auf die Grimmwelt-Baustelle im April 2014. © Skyhawk Tomp Luftbilder
Mai 2014: Der Rohbau ist fast fertig, Mitte Juni findet das Richtfest statt. Der Bau liegt im Zeitplan. © Koch
August 2014: Die Ausstellung „Baustelle Grimm“ informiert Besucher im Palais über den Baufortschritt. Handwerker sind bereits mit dem Innenausbau beschäftigt. © Koch
In der Ausstellung „Baustelle Grimm“ sind Impressionen zur Ausstellungskonzeption und -Gestaltung zu sehen. Gezeigt werden Baupläne, Funde aus Grabungen und ein „lebendes“ Buch. © Koch
September 2014: Die Museumsnacht macht neugierig auf die Grimmwelt am Weinberg. Der Puppenspieler Vagantei Erhardt ließ zu später Stunde auf der Fassade der Grimmwelt das Märchen „Der gestiefelte Kater“ als Schattenspiel lebendig werden. © Zgoll
Die Außenfassade der Grimmwelt besteht aus Gauinger Travertin, einem Kalkstein, der durch Ablagerungen eines Süßwassersees am Rande der Schwäbischen Alb vor rund 65 Millionen Jahren entstanden ist. © Koch
Dezember 2014: Noch ist die Dachterrasse nicht zu erkennen, aber bald können die Besucher der Grimmwelt von hier aus über weite Teile Kassels blicken. © Koch
Juli 2015: Der Künstler Ai Weiwei schenkt der Grimmwelt fünf 'Colored Roots', kolorierte Baumwurzeln. Sie gehören zum großen Werk „Trees“, Holzskulpturen aus uralten Bäumen, die Ai Weiwei auch schon in München gezeigt hat. Das Besondere: Während die übrigen Wurzelskulpturen im Naturzustand belassen wurden, wurden die für Kassel bestimmten Baumteile mit Fahrzeugfarben in einen Hochglanzzustand versetzt. Ein ironischer Kommentar Ai Weiweis zur heutigen Form der Mobilität, an deren Entwicklung auch die Region durch das VW-Werk maßgeblich beteiligt ist. © Koch
Im August 2015, kurz vor der Eröffnung, gibt es bereits erste Einblicke in die Grimmwelt.  © Koch 
Was dabei schon zu sehen war, verhieß faszinierende Einblicke in Leben und Werk der Brüder Grimm und deren fantastische Märchenwelten. So werden Besucher durch geheimnisvolle Flüsterstimmen in einen Märchenwald gelockt oder können ihr Abbild per Videotechnik in einen Guckkasten übertragen lassen, wo sie dann mit am Tisch der Sieben Zwerge sitzen. © Koch
Neben einer Vielzahl von Multimedia- und Mitmach-Erlebnissen will das neue Ausstellungshaus aber auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und die Grimms biographisch sowie als bedeutende Sprachforscher erlebbar machen. © Koch
Am 4. September 2015 ist es endlich soweit: Oberbürgermeister Bertram Hilgen hält die Eröffnungsrede. © Koch
Mehrere Hundert Gäste nehmen an der feierlichen Eröffnung der Grimmwelt teil, darunter viel Politprominenz und andere, die an der Entstehung des 20-Millionen-Euro-Projekts beteiligt waren. © Koch
15.000 haben die neue Grimmwelt allein am ersten Wochenende besucht. © HNA Archiv
Nach zwei Jahren Bauzeit ist das Anfang September eröffnete Bauwerk auf dem Weinberg inzwischen zu einem attraktiven Hingucker und Anziehungspunkt für Besucher geworden. © Koch
Wer durch die in 25 Stationen nach Buchstaben aufgeteilte Ausstellung wandert, erlebt auf 1600 Quadratmetern ganz verschiedene Präsentationsstile. © 
Besonders beliebt ist die Dachterrasse auf dem Gebäude am Weinberg, von der man einen tollen Ausblick auf Kassel hat.  © Koch
Januar 2016: Der in Frankfurt geborene Schauspieler Damien Puckler, der seit 2013 in der US-Serie 'Grimm' mitspielt, besucht die Grimmwelt in Kassel.  © Koch
Vorher hatte Puckler mit den Grimms nur die Märchen in Verbindung gebracht. Das hat sich nach seinem Besuch geändert. Der Schauspieler zeigte sich begeistert von dem Museum, das zeige, wie viel mehr die Grimms geschaffen haben. © Koch
Januar 2016: 500 bis 600 Kasseler erleben den Jahreswechsel auf der Dachterrasse der Grimmwelt mit.  © HNA Archiv
Februar 2016: Die Leser des Architekturmagazins und Internet-Netzwerks für Architekten „German Architects" haben die Kasseler Grimmwelt zum „Bau des Jahres 2015" gekürt. © Fischer
April 2016: Bereits sieben Monate nach der Eröffnung der Grimmwelt haben 100.000 Menschen das Museum besucht. © Ludwig
Die Stadt will ab Herbst 2016 am Hang gegenüber dem Eingang der Grimmwelt eine breite Treppe bauen. Damit soll ein direkter Weg für Museumsbesucher in den Fürstenpark (Murhardpark) führen. © Ludwig

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