Närrische Stavo in Kassel: Bratwurststreit in der Bütt

Erhielt den höchsten Kasseler Karnevalsorden: Uwe Wolk freute sich über die Auszeichnung. Prinzessin Sonja und Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich (rechts) gratulierten. Fotos:  Schachtschneider

Kassel. Von der OB-Wahl über die Karl-Branner-Brücke bis zum Bratwurststreit reichten die Themen der Büttenredner, die bei der 36. närrischen Stadtverordnetensitzung in die Bütt stiegen.

Wer wird es denn nun an Hilgens Stelle, die Koch, der Kalb, der Hoppe, der Cacir, der Spindler oder der Geselle? Dies war am Sonntagabend und eine Woche vor der Oberbürgermeisterwahl eine der wichtigsten Fragen, die bei der 36. närrischen Stadtverordnetensitzung auch die Büttenredner umtrieb.

Gleich zwei Kandidaten empfahlen sich dabei mit gelungenen Reimen, spritzigem Humor und rhetorischem Können: Dominique Kalb (CDU) stieg als „der neue Rathaus-Koch“ in die Bütt und nahm sich augenzwinkernd auch selbst auf die Schippe: „Und mancher denkt in diesem Haus, das passt zu ihm, so sieht er aus.“ Auch um den anlässlich des Tages der Erde hochgekochten Bratwurststreit fand er klare Worte: „Kein Veggie-Wahn und Würstchen-Hass, bei mir, da macht das Essen Spaß.“

Die als Einhorn als Rednerin angetretene Eva Koch (Grüne) bekannte offen: „Mir geht das eigentlich am Schweif vorbei. Bratwurst und Döner sind mir einerlei.“ Und weiter: „Ich sag’ euch, was echten Zauber hat: Es ist Zeit für ein Einhorn an der Spitze der Stadt.“

Auch der langjährige und scheidende Ratshauschef Bertram Hilgen verriet den rund 200 Gästen im bunt geschmückten Stadtverordnetensaal seine Zukunftspläne: „Zünftig gekleidet zieh ich durchs Gebirge und vergesse schnell das Politik-Gewürge.“ Grimmwelt, Schleuse, Haushaltskonsolidierung und auch den aufstrebenden Flughafen verbuchte der mit Rucksack und Wanderschuhen in die Bütt gestiegene OB als Erfolge. Und er verschwieg auch einen Wermutstropfen nicht: „Mir Salzmann immer noch am Herzen liegt, doch der Investor kalte Füße hat gekriegt.“

Hereinspaziert: Kassel Meistersinger der KG & TSC Herkules (von links) Dirk Butzmann, Kai Bischoff, Wolfgang Wagner, Ralf Geschwind, Friedrich Schmidt, Julien-Marcel Butzmann, Bernd Schaub, Manfred Schneider und Tobias Geschwind vor dem Stadtverordnetensaal.

Da kennen Tanzmariechen und Tanzgruppen der Kasseler Karnevalsgesellschaften ein wirksames Gegenmittel. Wie auch „Meistersinger“ (KG & TSC Herkules) und „Die Wölfe“ (KG Fuldatal - Die Windbiedel) heizten sie unter der Regentschaft der neuen Hausherren Prinz Stefan I und Prinzessin Sonja die Stimmung an.

Beim Trainieren von Bauchmuskeln half Ampelmann Enrico Schäfer (SPD), der auch den heiklen Branner-Fall nicht aussparte: „Selbst in den letzten Wochen lässt uns dieses Thema nicht lose, da ging das mit der Tafel an der Brücke mächtig in die Hose.“

Und auch „Fullefischer“ Markus Leitschuh schlug nachdenkliche Töne an: „Herr Trump hat es noch nicht kapiert, die Welt ist nicht simpel, sie ist kompliziert. Es gilt die Wahrheit mit Erklärung zu würzen, und nicht für blöd verkaufen und verkürzen. Und wenn es den eigenen eigne Intellekt übersteigt, dann ist es auch besser, dass auf Twitter man schweigt.“

Narren im Kasseler Stadtverordnetensaal

Mit dem höchsten Orden der Gesellschaft Kasseler Karnevalsgesellschaften „in joco veritas“ (Im Scherz liegt die Wahrheit) wurde in diesem Jahr der ehemalige Seniorenbeauftragte der Stadt, Uwe Wolk, ausgezeichnet. „Hat sechs Kilo Orden auf jeden Fall, in seinen 25 Jahren Kasseler Karneval“, reimte Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich in ihrer Laudatio.

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