An Bürgermeister-Brunner-Straße

Hauptquartier der Unterwelt: Neuer Zugang zu Kasseler Viktoriabunker entdeckt

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14 Meter unter der Erde: Der Viktoriabunker befindet sich in einem ehemaligen Eiskeller, der vermutlich ab 1830 entstand.

Kassel. Der Pächter einer Garage an der Bürgermeister-Brunner-Straße hatte jahrelang sein Auto über einer alten Bunkeranlage geparkt.

Niemand wusste, dass sich unter der Bodenplatte der ehemalige Zugang zum Luftschutzstollen befand.

Der Verein Vikonauten, der sich der Erforschung der Kasseler Unterwelt verschrieben hat, ließ den Zugang wieder freilegen und die Garage zu seinem neuen Hauptquartier umbauen.

Der Fund war ein Glücksfall. Denn der ursprünglich bekannte Zugang zum Vikoriabunker, der zwischen 1830 und 1850 als Eiskeller angelegt wurde, ist nicht mehr zugänglich. Durch einen derzeit entstehenden Neubau am Akazienweg / Ecke Bürgermeister-Brunner-Straße wurde der Zugang verfüllt.

Bernd Tappenbeck und Tom Gudella von den Vikonauten waren aber schon länger auf der Suche nach einem zweiten Zugang. Denn in dem Eiskeller, der 1940 zum Bunker ausgebaut wurde, befindet sich ein Treppenhaus. Dieses endete aber bislang unter einer Betonplatte. „Wir konnten zunächst nicht verorten, an welcher Stelle das Treppenhaus einst an die Oberfläche führte“, erzählt Tappenbeck.

Neue Heimat der Vikonauten: In der ehemaligen Garage (im Hintergrund) wurde der Zugang zum Bunker entdeckt. Von links Tom Gudella und Bernd Tappenbeck (beide Vikonauten), Sven Hansen und Jens Mitmanski (beide Bauverein) und Alexander Schäder (Raum für urbane Experimente).

Schließlich endete die Suche an der alten Garage. Der Eigentümer, der Kasseler Bauverein 1894, war sofort bereit, die Vikonauten bei der Recherche zu unterstützen. Auf dem Dach der Garage wurden die Vikonauten schließlich fündig. Der dortige Schornstein reichte bis in 14 Meter Tiefe. So wurde damit begonnen, die Bodenplatte in der Garage aufzubrechen, wo das Treppenhaus zum Vorschein kam.

„Wir hatten keine Ahnung von dem Bunkerzugang“, sagt Sven Hansen vom Vorstand des Bauvereins. Sofort sei man bereit gewesen, dieses Stück Geschichte wieder freizulegen. Aber nicht nur das: Auch stellte der Bauverein den Vikonauten die ehemalige Garage für einen symbolischen Mietpreis zur Verfügung und zahlte die Umbaukosten von 30.000 Euro, damit der Verein dort sein Hauptquartier einrichten konnte.

Denn durch die regelmäßigen Gästeführungen in Bunkern und Kellern haben die Vikonauten viel Material angehäuft: Helme, Lampen und Regenschirme gegen die tropfenden Kellerdecken.

Zudem wurde der Verein „Raum für urbane Experimente“ mit der Außengestaltung des Gebäudes beauftragt. Angelehnt an die Geschichte des Ortes ist durch Graffiti, 3D-Elemente und Lichtinstallationen eine Fassade entstanden, die einem apokalyptischen Endzeitszenario entsprungen zu sein scheint. Durch einen Bewegungsmelder werden die Lichteffekte aktiviert, was bei Passanten für Irritationen sorgt. Zur Eröffnung des Hauptquartiers wurde mit dem neuen „Bunkerbier“ angestoßen, das die Kasseler Braumanufaktur Steckenpferd für die Vikonauten kreiert hat. Das Bier wird Gästen nach künftigen Bunkerführungen angeboten.

Neuheit: Das Bunkerbier gibt es künftig bei Führungen der Vikonauten.

Verein Vikonauten organisiert Kultur- und Bildungsprojekte

Der Vereinsname „Vikonauten“ ist ein Kunstwort. Wobei das „Vi“ für Visionen steht, „Ko“ für Kommunikation und „nauten“ für das Erforschen. Der Verein organisiert Kultur- und Bildungsprojekte. Im Fokus des Vereins stehen vor allem die unbekannten und verborgenen, der Öffentlichkeit nicht oder nur eingeschränkt zugänglichen Orte der Stadt – darunter Luftschutzkeller und andere unterirdische Anlagen. Mit seiner Projektgruppe „Kassel Total“ erweckt der Verein diese Orte zum Leben und bespielt sie mit Führungen und Inszenierungen. www.kassel-total.de

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