Noch mehr Comedy im Kasseler Varieté

Neues Konzept soll Besucher ins Kasseler Palais Hopp locken

Kassel. Vor knapp drei Wochen bekam Gerrit Bamberger das ultimative Lob für sein Varieté. Die Country-Folk-Band Mandowar coverte im Kasseler Palais Hopp Klassiker von Hardrock-Bands wie AC/DC und jubelte nach ihrem Konzert: „Das ist nach Rock am Ring eine der geilsten Locations.“

Ähnlich zufrieden sind die meisten Gäste der traditionsreichen Varieté-Spielstätte im Vorderen Westen, in der Bamberger und sein Kollege Jörg Heckmann im September 2016 als Starclub-Nachfolger ihr Palais Hopp eröffneten. Ein Jahr später ist Heckmann ausgestiegen, aus „privaten Gründen“, wie es oft heißt, wenn etwas anderes als das Private der Grund war. Warum man wirklich auseinandergegangen ist, wollen weder Bamberger noch Heckmann näher erläutern. Klar ist aber, dass der Neustart der beiden Szenekenner schwieriger war als gedacht.

Jörg Heckmann (Um das ganze Bild zu sehen, klicken Sie bitte oben links.)

Damit sich das Varieté rechnet, braucht man „60 bis 65 Prozent Auslastung“, wie Bamberger vorrechnet. Im Schnitt war das Palais Hopp im ersten Jahr nicht einmal zur Hälfte gefüllt. Das will der gelernte Schreiner Bamberger, der sich als Comedian Gerrit v. Bamberg einen Namen gemacht hat, nun ändern. „Wir erweitern unser Portfolio“, sagt der 43-Jährige, der zwölf Mitarbeiter beschäftigt und mit seiner Familie im Grebensteiner Stadtteil Schachten lebt.

Die traditionelle Varieté-Mischung aus Gesang, Akrobatik, Zauberei und anderen Kunstformen soll es auch weiterhin geben. Aber die Shows wie das aktuelle Programm „Rock Fire Magic“ sollen nicht mehr zwölf Wochen am Stück laufen, sondern kürzer. Dafür soll es mehr Gastspiele von Comedians, Konzerte sowie Lesungen geben. Zudem will Bamberger Unternehmen ansprechen, die das Palais Hopp tagsüber für Seminare mieten können: „Hier gibt es viel mehr Atmosphäre als in einem sterilen weißen Firmenraum.“

Vom Club in der Goethestraße sind nicht nur die Musiker von Mandowar begeistert. Allerdings wissen immer noch zu wenige Menschen, dass es dieses Schmuckstück gibt, hat Bamberger festgestellt. Mit ähnlichen Problemen hatte auch Götz Ohlendorf zu kämpfen, der 20 Jahre lang den Starclub betrieb, ehe im vorigen Sommer eine Ära zu Ende ging.

Ist Kassel für ein Varieté vielleicht ein zu kleiner Standort? Bamberger ist vom Gegenteil überzeugt. „Die Stadt hat ein großes Einzugsgebiet“, sagt das Multitalent, das neben der Küche nun auch für das Buchen der Künstler verantwortlich ist.

Als Comedian hat er zahlreiche Kontakte, er kennt aber auch die Mechanismen: Viele Menschen gehen nur zu Künstlern, die sie aus dem Fernsehen kennen. Für die geben sie dann viel Geld aus, um sie aus 200 Metern Entfernung im Berliner Olympiastadion zu sehen. Dagegen sitzen die Besucher im Palais Hopp sogar ganz hinten noch in der ersten Reihe.

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