Warum die meisten Imbisse "Drehspieß" auf die Karte schreiben

Neues Lokal "Cult Cassel" will Kult-Döner aus Berlin nach Kassel bringen

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Sie stehen hinter dem neu eröffneten „Cult Cassel“: Von links Cenk Yalcin, sein Bruder Cem Yalcin und dessen Verlobte Sina Hoppe.

Kassel. In ihrem neu eröffneten Lokal "Cult Cassel" an der Werner-Hilpert-Straße wollen zwei Brüder den türkischen Kult-Imbiss in Berliner Qualität nach Kassel bringen.

Schon mal in Kreuzberg oder Neukölln einen köstlichen Döner vom Fachmann gegessen? Dabei wird klar, wie groß die Fallhöhe ist zu vielen Schabefleisch-Taschen, die in der nordhessischen Provinz über den Tresen gehen. Jetzt wollen Cenk (25) und Cem Yalcin (23) die Kasseler auf den ursprünglichen Dönergeschmack bringen: In ihrem neu eröffneten Lokal „Cult Cassel“ an der Werner-Hilpert-Straße bieten die beiden Brüder die türkische Spezialität nach Berliner Qualitätsstandard an.

Fleischspieße kommen aus der Hauptstadt

Aus der Hauptstadt beziehen sie nach eigenen Angaben auch die Fleischspieße, die sich von der üblichen Imbissqualität deutlich abheben (siehe Hintergrund): „Bei uns sind die wirklich aus reinem Fleisch, wir wollen eine besondere Qualität bieten“, sagt Cenk Yalcin. Neben Kalbsdöner gibt es auch eine Hähnchen-Variante.

Stilecht wird das Schabefleisch im „Cult Cassel“ auch mit einem langen, scharfen Messer vom Spieß geschnitten statt mit einem Elektrowerkzeug. Dafür werden die Gründer und ihr Personal von einem Mitarbeiter des Berliner Lieferanten angelernt, der die Eröffnung einige Tage begleitet. Als Tellergericht kommt der Döner ungewöhnlich schick auf einem Holztablett samt begleitenden Dip-Saucen. Für deren drei Varianten haben sich die Brüder „ein Geheimrezept“ gesichert, das sie nicht weitergeben dürfen, wie sie sagen.

Schon seit drei Jahren planen die gastronomischen Quereinsteiger an ihrer Selbstständigkeit, erzählt Cem Yalcin, dessen Familie vom Opa bis zu ihm und seinen Geschwistern beruflich mit dem Volkswagenwerk in Baunatal verbunden ist. Die Chance, dass man sich dort einige Jahre lang freistellen lassen kann, um andere Lebenspläne zu verfolgen, haben die Brüder genutzt. „Bei VW lernt man, nach Standards und Regeln zu arbeiten“, sagt Cenk Yalcin.

Gebäude an der Werner-Hilpert-Straße

So gehen die Brüder auch ihr Restaurantprojekt an. Das Gebäude gegenüber den Clubs ARM und Lolita Bar, in dem Vater Hüseyin Yalcin auch eine Firma betreibt, haben die Söhne kurzerhand gekauft, „weil der Vorbesitzer keine Gastronomie wollte“. Seit Anfang des Jahres sind im Erdgeschoss geschmackvoll eingerichtete Gastronomieräume entstanden.

Das Konzept ist auf den Standort zugeschnitten: Im Tagesbetrieb funktioniert der Laden als Restaurant, in dem es neben Dönergerichten auch Pizza, Pasta, Suppen und Salate gibt. Am Freitag- und Samstagabend ändert sich die Stimmung: Vorn am Tresen gibt es dann nur Imbisse auf die Hand, im hinteren Bereich läuft der Barbetrieb für Nachtschwärmer. Geöffnet ist dann jeweils bis 3 Uhr in der Frühe.

Cult Cassel, Werner-Hilpert-Str. 21, Tel. 0561/87059555

Hintergrund: Warum der Döner inzwischen fast überall „Drehspieß“ heißt

„Einen Döner, bitte“ – was viele Imbisskunden so bestellen, steht auf den Speisekarten und Menütafeln allerdings meist mit einem anderen Begriff. Auch in Kassels Dönerstuben wird der beliebte Imbiss weit überwiegend unter der Bezeichnung „Drehspießtasche“ oder „Drehspießteller“ angeboten.

Der Grund: Die Zusammensetzung dieser Produkte erfüllt nicht die Standards, die das Deutsche Lebensmittelbuch für Döner Kebap (türkisch: sich drehendes Grillfleisch) festschreibt. Wer solche Spieße dennoch unter dem Namen „Döner“ anbietet, riskiert Ärger mit der Lebensmittelüberwachung sowie Geldstrafen.

Ein vorschriftsmäßiger Döner besteht aus Schichten von dünnen Scheiben Rind- oder Schafsfleisch, die in Joghurt und Gewürzen mariniert wurden. Um den Grillspieß zu formen, ist ein gewisser Anteil Hackfleisch der gleichen Art erlaubt. Zudem dürfen Salz, Eier, Zwiebeln, Öl und Milch enthalten sein – sonst nichts.

Was aber als „Drehspieß“ verkauft wird, besteht nach Stichproben von Lebensmittelämtern oft zu über drei Vierteln aus Hack und Fleischbrät, wird häufig mit Sojaeiweiß, Paniermehl und Putenfleisch verlängert, enthält Phosphat, Wasser und Geschmacksverstärker – all das ist im Einkauf viel billiger, aber im echten Döner tabu.

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