Windenergie fließt auch nach Niestetal und Kaufungen

Neues Umspannwerk sorgt für bessere Stromversorgung in Kassel

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Herzstück des neuen Umspannwerkes am Sandershäuser Berg: Dieser 400 Tonnen schwere Transformator wandelt den 380 Kilovolt-Strom der Hochspannungsleitung in 110 Kilovolt um. „Diese herabgesenkte Spannung dient dann dem Betrieb des Kasseler Hochspannungsnetzes“, sagen Harald Wetekam (links) und Ingo Pijanka von den Städtischen Werken Netz & Service.

Kassel/Niestetal/Kaufungen. Das neue Umspannwerk am Sandershäuser Berg hat seinen Betrieb aufgenommen. Die Stromversorgung in Kassel ist damit komplett überarbeitet und hochmodern.

Geliefert wird Energie auf 380 beziehungsweise 110 Kilovolt-Basis (siehe Hintergrund). Zugleich werden seit März Kaufungen und Niestetal über das neue Umspannwerk mit Windstrom versorgt. Dieser Strom stammt aus den beiden Windrädern des Windparks Söhrewald/Niestetal, die direkt neben dem neuen Umspannwerk oben am Sandershäuser Berg stehen. Zuvor lieferten sie Strom für die EAM-Tochter Energienetz Mitte. „Jetzt werden wir die Anlagen übernehmen“, sagt Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke Netz & Service.

Archiv: Strom für Kassel: Am Sandershäuser Berg entsteht neues Umspannwerk

Die beiden Windkraftanlagen produzieren knapp 12,9 Gigawattstunden (12.900.000 Kilowattstunden) pro Jahr. „Bei einem zugrunde gelegten Verbrauch von 3000 Kilowattstunden pro Haushalt und Jahr können wir damit 4285 Haushalte in Niestetal und Kaufungen versorgen. Das bedeutet: „Mehr als ein Drittel des Verbrauchs der Haushalte wird durch diese beiden Anlagen gedeckt“, sagt Pijanka. Industrie und Gewerbe seien dabei allerdings nicht mit eingerechnet.

Kein Strom geht verloren

Falls die Windkraftanlagen mehr Strom erzeugten, als diese beiden Kommunen verbrauchten, werden sie ab Mai diese Mengen direkt in das Kasseler Netz speisen können (vorher ins vorgelagerte Übertragungsnetz). Sprich: „Diese Anlagen werden nicht – wegen unterstellt überlasteter Netze oder wegen angeblich überflüssigen Windstroms – abgeregelt“, sagt Pijanka. Keine Kilowattstunde ginge verloren, alles werde in der Region verbraucht.

13 Mio. Euro haben sich die Städtischen Werke Netz & Service das neue Umspannwerk kosten lassen. Sämtliche Altanlagen, die noch über 220-Kilovolt-Technik verfügen – wie das alte Umspannwerk an der Ysenburgstraße in Niestetal-Sandershausen – werden abgerissen.

Hintergrund: Umspannwerke für den Stromtransport

Um Städte wie Kassel mit elektrischer Energie zu versorgen, müssen enorme Mengen Strom transportiert werden. Strom lässt sich mit großer Leistung besonders gut transportieren, wenn die Spannung stark heraufgesetzt wird (Hochspannung). 380 Kilovolt ist eine übliche Spannung, mit der Strom via Überlandleitungen über weite Strecken befördert wird. Das sind 380.000 Volt. Aus unseren Steckdosen kommt dagegen nur 230 Volt. 

Um solch hohe Spannungen zu produzieren (und um sie nach dem Transport wieder herabzusenken), bedarf es der Umspannwerke. In Kassel sorgen zwei Umspannwerke dafür, dass der 380.000-Volt-Überlandstrom zunächst in 110.000-Volt-Strom heruntertransformiert wird. Das leisten Transformatoren (Trafos). Dieser 110.000-Volt-Strom wird innerhalb Kassels zu neun weiteren, deutlich kleineren Umspannwerken weitergeleitet. Sie senken die Spannung weiter auf 10.000 Volt herab. 

Dieser Strom läuft wiederum via Kabel zu den Trafohäuschen, die überall in der Stadt zu finden sind. Derer gibt es in Kassel an die 1000 Stück. Sie sind es, die letztlich den 10.000-Volt-Strom in unseren 230-Volt-Haushaltsstrom umwandeln.

Neuer Energiestandard

Moderne Technik: Mithilfe dieser gasisolierten Schaltanlage wird der von 380 auf 110 Kilovolt heruntertransformierte Strom an die Stadt Kassel weitergegeben. Früher mussten dafür große Freiluftanlagen gebaut werden. Foto: Naumann

Mit der Inbetriebnahme des neuen Umspannwerkes am Sandershäuser Berg verfügt Kassel nun über eine hochmoderne Stromversorgung. Zuvor war Kassel noch in Teilen mit 220 Kilovolt-Hochspannungsstrom beliefert worden. Mit dem Anschluss an die 380 Kilovolt-Überland-Hochspannungstrasse Würgassen-Bergshausen am Sandershäuser Berg zum Jahreswechsel 2016/17 sind 380 Kilovolt jetzt Standard. 

Die Vorteile: Es gibt weniger Probleme mit Überlastungen und die Versorgungssicherheit erhöht sich. Aufgerüstet wurde auch das alte Stadtstromnetz von 60 auf 110 Kilovolt Betriebsspannung, um nun von den leistungsfähigeren 380-Kilovolt-Umspannwerken, die die Hochspannung auf 110 Kilovolt heruntertransformieren, betrieben werden zu können. Mit dem bereits erneuerten 380-Kilovolt-Umspannwerk in Fuldabrück-Bergshausen verfügt Kassel nun über zwei Umspannwerke der 380-Kilovoltklasse. Sie übernehmen die komplette Stromversorgung der Stadt.

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