Komfortabel, aber schwer zu bremsen

Nextbike im Test: Vor- und Nachteile des neuen Fahrradverleihsystems in Kassel

Kassel. Seit Jahresbeginn gibt es mit Nextbike einen Nachfolger des Kasseler Fahrradverleihsystems Konrad. An den 56 Stationen im Stadtgebiet stehen inzwischen 400 Leihräder bereit.

Die HNA hat die neue Technik getestet: Die Räder der Leipziger Firma sind mit knapp 20 Kilo deutlich leichter als die Konrad-Modelle und bieten mehr Fahrkomfort, allerdings ist die Leistung der Rollenbremsen eher enttäuschend.

Durch das geringere Gewicht und eine 7-Gang-Nabenschaltung sind die Nextbikes für das bergige Kassel deutlich besser geeignet als die Konrad-Räder, die 25 Kilo auf die Waage brachten. Ein bequemer und höhenverstellbarer Sattel sorgt dafür, dass die Räder auch für längere Touren geeignet sind. Auch auf Kopfsteinpflaster halten sich die Erschütterungen in Grenzen.

Positiv fiel die leichte Handhabe der App auf, mit der die Fahrräder ausgeliehen werden können. Allerdings ist es empfehlenswert, seine Kreditkartendaten für die Ausleihe zu hinterlegen. Der Bankeinzug ist zwar auch möglich, dafür müssen Kunden bei der Erstausleihe aber einige Tage auf die Freischaltung warten. Erst dann können sie in die Pedale treten. Bei der Ausleihe selbst verzeiht der Bordcomputer wenig Fehler. In zwei Fällen hatten HNA-Kollegen, die vorher noch nicht mit dem System vertraut waren, technische Probleme bei der Rückgabe an der Station. In solchen Fällen bleibt nur die Nextbike-Hotline.

Deutliches Manko gegenüber Konrad sind die Preise: Wer nicht in Kassel studiert, muss für die Ausleihe bei Nextbike doppelt so viel bezahlen wie beim Vorgängersystem, das von der Deutschen Bahn betrieben wurde. Eine halbe Stunde kostet bei Nextbike einen Euro. Bei Konrad war für die volle Stunde ein Euro fällig.

Nextbike plant, das Netz von aktuell 56 Ausleihstationen in Kassel schrittweise zu erweitern. 

Einer unserer Tester: HNA-Volontär Philipp Schwehm mit einem der Leihräder. Bei der Fahrt trug er natürlich einen Helm. 

Hier können Sie sich bei Nextbike registrieren.

Die Vor- und Nachteile der Fahrräder von Nextbike

Was positiv auffiel

  • Die Fahrräder sind mit knapp 20 Kilo leichter als die Konrad-Modelle, die 25 Kilo auf die Waage brachten.
  • Die 7-Gang-Nabenschaltung (Shimano Nexus) ist leichtgängig und bietet im bergigen Kassel den nötigen Fahrkomfort. Die Schaltung wird über einen Drehgriff betätigt.
  • Der breite Sattel ist bequem und problemlos über einen Schnellspanner höhenverstellbar. Durch eine Sicherung ist es nicht möglich, den Sattel zu klauen.
  • Auch auf Kopfsteinpflaster bieten die 26-Zoll-Räder Fahrkomfort. Zudem sind die Schwalbe-Reifen mit Pannenschutz ausgestattet.
  • An den Schutzblechen befindet sich vorne und hinten ein zusätzlicher Spritzschutz aus Gummi. Wer das Nextbike auf dem Weg zur Arbeit nutzt, sollte also mit sauberen Beinen am Ziel ankommen.
  • Der Drahtkorb am Lenker bietet Platz für kleinere Einkäufe. Er verbiegt sich zwar leichter als die Plastiktransportbox von Konrad, lässt sich aber leichter sauber halten.
  • Die Handhabung der App, mit der die Räder ausgeliehen werden können, ist denkbar einfach und selbsterklärend.
  • Die Klingel, die über einen Drehschalter mit der linken Hand betätigt wird, ist ausreichend laut, um sich bemerkbar zu machen. Wermutstropfen: Nicht jeder wird die Vorrichtung sofort als Klingel erkennen.

Was negativ auffiel

  • Die Shimano Nexus Rollenbremse an Vorder- und Hinterrad ist zwar wenig wartungsintensiv, die Bremsleistung lässt aber zu wünschen übrig. Wir haben insgesamt drei Räder ausgeliehen, bei allen war die Wirkung mäßig. Zumindest besteht so nicht die Gefahr, dass Radfahrer bei einer Vollbremsung vornüberkippen.
  • Die Software, die hinter dem Verleihsystem steckt, scheint wenige Fehler zu tolerieren. In zwei von drei Fällen hatten wir Probleme, das ausgeliehene Rad wieder an einer Station zurückzugeben. Möglicherweise lag dies daran, dass nicht sofort die „OK“-Taste nach dem Abschließen gedrückt wurde. In diesen Fällen musste die Ausleihe über die Hotline beendet werden. Auf HNA-Anfrage bei Nextbike konnte die Ursache für den Fehler bis Redaktionsschluss nicht geklärt werden.
  • Das Schloss zur Verriegelung der Nextbikes ist etwas hakelig in der Handhabung.
  • Wer bei der Registrierung bei Nextbike seine Kreditkartenkartendaten eingibt, kann sofort mit der Ausleihe starten. Wer die Ausleihe allerdings über Bankeinzug bezahlen will, muss zunächst sein Kundenkonto mit einem Euro aufladen und dafür eine Überweisung tätigen. Auf diesem Weg sind die Nextbikes erst nach zwei bis vier Tagen Wartezeit ausleihbar.
  • An einem der vor uns ausgeliehenen Räder schleifte die rechte Pedale am Schutzblech. Ein nerviges Geräusch.
  • Die Ausleihe ist für alle, die nicht in Kassel studieren, deutlich teurer als bei Konrad. Der Basistarif beträgt einen Euro pro halbe Stunde. Ab der fünften Stunde zahlt man pauschal den Tagessatz von neun Euro. Bei Konrad kostete eine Stunde einen Euro und der Tageshöchstsatz ab der zehnten Stunde lag bei zehn Euro.

Ausleihe: So funktioniert's

1. Registrierung

Zunächst ist eine Registrierung über die Nextbike-App oder die Hotline 030/ 69 20 50 46 nötig. Zum Abschluss des Vorgangs muss ein Startguthaben von einem Euro auf dem Kundenkonto hinterlegt werden. Dies ist per Kreditkarte oder Überweisung möglich. Bei Hinterlegung der Kreditkartendaten kann sofort mit der Ausleihe begonnen werden. Bei Überweisung dauert die Freischaltung bis zu vier Tage. Das Startguthaben wird mit der ersten Ausleihe verrechnet.

2. Ausleihe

Nach Eingabe der Radnummer über die App (auch über QR-Code scannbar) oder Hotline erhält man einen PIN-Code. Diesen gibt man im Bordcomputer des Rades (auf dem Sattel) ein. Daraufhin öffnet sich das Kabelschloss am Vorderrad.

3. Parken

Auch das Parken des Rades ist überall möglich. Dafür wird das Schloss verriegelt und am Bordcomputer die Taste „P“ gedrückt. Zum Entriegeln muss erneut der vierstellige PIN-Code (unbedingt merken, falls der Handyakku zwischenzeitlich ausfällt) eingegeben werden.

4. Rückgabe

Für die Rückgabe muss das Rad an einer Station abgeschlossen werden. Anschließend muss die „OK“-Taste am Bordcomputer gedrückt werden. Fertig!

So sind die Fahrräder von Nextbike ausgestattet

Um das ganze Bild zu sehen, klicken Sie oben rechts. 

1. Der Lenker: Hier befinden sich die Hebel für die Bremsen an Vorder- und Hinterrad. Am rechten Griff bindet sich der Drehschalter für die 7-Gang-Schaltung, im linken Griff ist die silberne Drehklingel integriert.

2. Das Schloss: Das Kabelschloss wird beim Ab- und Anschließen durch die Vordergabel geführt, an der eine Vorrichtung angebracht ist, in der es einrastet.

3. Die Beleuchtung: Die Nextbikes sind mit einem automatischen LED-Licht ausgestattet, das nicht extra angeschaltet werden muss.

4. Der Bordcomputer: Auf dem Gepäckträger ist der Radcomputer installiert, über den die Ausleihe abgewickelt wird. Zudem gibt es dort eine Infotafel, die das Ausleihen Schritt für Schritt erklärt.

5. Sattel: Bequemer Gelsattel, der sich über einen Schnellspanner in der Höhe verstellen lässt.

6. Reifen: Schwalbe-Reifen mit drei Millimeter dicker Kautschukeinlage bieten Pannenschutz.

Der Vorgänger Konrad im Test

Auch den Vorgänger Konrad haben wir 2012 während der Testphase ausprobiert. Das war damals unser Ergebnis:

Rubriklistenbild: © Ludwig

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