Großes Medieninteresse

Sorgt für Aufsehen: „Der NSU-Prozess. Die Protokolle“ startet am Donnerstag in Kassel

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Die nachgespielten Szenen der Befragung vor dem Münchner Landgericht: Die Schauspieler Artur Spannagel (als Andreas Temme), Thomas Bockelmann (Zeugenbeistand Hoffmann), Marius Bistritzky (Benjamin G.)

Der NSU-Prozess kommt in Kassel auf die Bühne. Am Donnerstagabend hat das Stück Premiere im Theater im Fridericianum, kurz: Tif.

Bereits am Dienstag gab es eine – wie es das Staatstheater ausdrückte – Kostprobe, die öffentlich war. Sie machte noch einmal deutlich, dass dieses Stück für Schlagzeilen und Diskussionen sorgen wird. Schon jetzt ist das Medieninteresse groß. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Worum geht es in dem Stück?

Fünf Jahre dauerte der NSU-Prozess. Die Verhandlung ist von mehreren Journalisten dokumentiert worden. Regisseur Janis Knorr hat aus 2000 Seiten Mitschrift eine Fassung für die Bühne erstellt. Die Dialoge des Stücks basieren dabei auf den Originalzitaten des Prozesses.

Kann ein so schwieriges Thema trotzdem unterhaltend sein?

Auf jeden Fall. Niemand muss befürchten, zwei Stunden lang nur Prozessakten vorgelesen zu bekommen. Mitunter wurde auch während des Stückes über die eine oder andere kuriose Situation gelacht. Das sei auch erlaubt, sagte Dramaturgin Petra Schiller zur Einführung. 

Die Komplexität des Themas und die Kuriosität mancher Situationen würden es sogar erfordern, dass man nicht alles zu ernst nehme.

Warum könnte das Stück für Aufsehen sorgen?

Im ersten Teil steht mit Andreas Temme jener Verfassungsschützer im Mittelpunkt, der noch in der Region wohnt und mittlerweile unweit vom Staatstheater arbeitet: beim Regierungspräsidium. 

Seine Rolle wird im ersten Teil beleuchtet – mit einem Blick auf den Kasseler Tatort. Auf der Bühne werden Temmes Aussagen nachgespielt. So bekommt der Zuschauer eine Vorstellung, wie der Tatablauf im Internetcafé gewesen sein muss.

 Anschließend ist die Befragung von Temme im NSU-Prozess zu sehen. Die Widersprüche, in die er sich verstrickt, werden mit einem roten Band dargestellt, mit dem er mehr und mehr eingewickelt wird. Aber: Angeklagt oder gar verurteilt worden ist Temme nie. Er ist ein freier Mann, der sich nun im Theater um die Ecke anschauen kann, wie alle über seine Rolle den Kopf schütteln. Das ist spannend und gewagt zugleich.

Ist das Stück als eine Einheit zu sehen?

Nein, im ersten Teil steht der Mord an Halit Yozgat in Kassel im Fokus. Im zweiten Teil wird auf den gesamten NSU-Prozess eingegangen – mit offenen Fragen zum Urteil.

Und warum könnte das für Schlagzeilen sorgen?

Das hat auch damit zu tun, dass das Interesse der Medien an dem Stück groß ist. Laut Svenja Schröder, Pressesprecherin des Staatstheaters, haben sich für die Premiere heute zehn Journalisten angesagt. Das sind mehr als dreimal so viele wie üblich. Für Diskussionen könnte auch das Ende des Stückes sorgen, indem eine Verbindung von den Taten des NSU zum Mord an Walter Lübcke gezogen wird.

Warum wird das Stück im Tif und nicht im Schauspielhaus aufgeführt?

Svenja Schröder begründet das auch damit, dass dieses Stück von der Intimität des kleinen Raumes im Tif leben würde. 99 Zuschauer haben hier Platz. Sie sind nach der Pause auch aktiver Teil des Geschehens. 

Außerdem: Mit der Ermordung des Regierungspräsidenten Walter Lübcke im vergangenen Juni ist das Interesse an dem Stück noch einmal extrem gestiegen. Im Juni war aber bereits beschlossen, dass der NSU-Prozess im Tif auf die Bühne kommen wird. Die Planungen dafür hatten bereits eineinhalb Jahre zuvor begonnen.

Könnte der NSU-Prozess trotzdem noch einmal im Schauspielhaus aufgeführt werden?

Ausgeschlossen ist das nicht, sagt Pressesprecherin Svenja Schröder: „Wenn sich eine Lücke ergibt.“ Zunächst sind aber erst einmal acht Vorstellungen bis Mitte November im Tif vorgesehen. 

Die Vorstellungen sind fast alle ausverkauft. Da für den 27. September und den 4. Oktober noch jeweils zehn Karten zurückgegeben wurden, gibt es aber noch eine Chance, sich ein Ticket zu sichern. 

Svenja Schröder rät zudem, immer mal auf der Homepage des Staatstheaters (staatstheater-kassel.de) vorbeizuschauen. Manchmal ergibt sich kurzfristig noch die Möglichkeit, eine Karte zu ergattern. Gut möglich ist auch, dass für die Zeit nach Mitte November weitere Vorstellungen anberaumt werden.

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