Diskussion um den Ankauf des documenta-Kunstwerks

documenta-Künstler Olu Oguibe über den Obelisken: „Königsplatz ist ein Ort des Willkommens“

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Steht seit vorigem Sommer auf dem Königsplatz: Der Obelisk von Künstler Olu Oguibe.

Kassel. Der Obelisk von Olu Oguibe war eines der der umstrittensten Kunstwerke der documenta 14. Nun will Kassel den Obelisken kaufen. Für den Künstler wäre das eine Ehre, wie er der HNA versicherte. 

Auch andere Städte hätten an seinem documenta-Obelisken Interesse gezeigt, sagt der Künstler Olu Oguibe. Doch er habe ihn in erster Linie für Kassel angefertigt. Der 53-Jährige lebt im US-Staat Connecticut bei New York. Wir haben ihn per E-Mail erreicht.

Olu Oguibe ist zwar weit weg, aber gut informiert, wie es um den Obelisken steht - auch über die angelaufene Spendenaktion für den Kauf durch die Stadt. Während des Weihnachtsmarktes auf dem Königsplatz hätten die Betreiber der Stände sein Kunstwerk sehr schön integriert. Der Obelisk habe dort so selbstverständlich gestanden als sei er schon immer dort gewesen. Gleichzeitig habe der Obelisk die christliche Botschaft in Erinnerung gerufen. Kurz nach der Geburt von Jesus habe die Familie vor König Herodes nach Ägypten fliehen müssen.

Der Königsplatz habe zudem eine Geschichte als Ort des Willkommens, sagt Oguibe. Das Kunstwerk der documenta 14 bezieht sich auf die hugenottischen Glaubensflüchtlinge, die im 17. Jahrhundert in Kassel eine neue Heimat fanden. Unter ihnen war auch die Familie von Simon Louis du Ry, der als Hofbaumeister den Königsplatz geplant hat. Der Obelisk stehe für einfache menschliche Werte wie Gastfreundschaft und Dankbarkeit. Das seien keine politischen Themen.

Künstler Olu Oguibe

Zu dem Preis, den er für den Obelisken verlangt, macht Oguibe keine direkten Angaben. Von den Materialkosten und der Idee abgesehen, gebe es weitere Aspekte. Als Künstler sei er finanziell davon abhängig, seine Kunst zu verkaufen, sagt er. Er sei stolz darauf, dass er damit seinen Lebensunterhalt verdienen könne. Und er sei ebenfalls stolz darauf, dass er mit seiner Kunst die Menschen erreiche. Für ihn sei es eine Ehre, dass sich viele Menschen in Kassel dafür ausgesprochen hätten, den Obelisken zu behalten. Er habe ihn speziell für Kassel und für diesen Platz geschaffen. Um zu erreichen, dass der Obelisk in Kassel bleibt, setzt er auf eine erfolgreiche Spendenaktion. Dazu wolle er alle, die sich beteiligen können, ausdrücklich ermutigen.

Stellungnahme des Künstlers im Wortlaut

As Kasselers and visitors milled around the wondrous stalls and displays at the Königsplatz during the recent Weihnachtsmarkt, it was fascinating to see how beautifully the merchants integrated the documenta Obelisk. Standing quietly in the background as though it had always been there, the Obelisk also called to mind the story of the infant child in whose name Christmas is celebrated.

In the Christian holy book, the Bible, we are told that soon after Jesus was born, his parents received news that his life was in danger. It was said that King Herod of Judea was searching for the child to kill him. His father Joseph was told in a dream to take the child and his mother and flee to Egypt for his safety. And so it was that Jesus and his family fled Judea, and found refuge in Egypt where they lived until Herod died. Flight and refuge, therefore, are at the very heart and foundation of the Christian faith and Christian civilization.

We have just learnt that more than 2 million visitors from not just every corner of Germany, but also from across Europe and perhaps, the world, came to the Königsplatz last mont for the Weihnachtsmarkt. It is more than auspicious, then, that a landmark which recalls the story of the early life of Jesus, and one that is modeled on an ancient form taken from Egypt, should stand on the plaza. Sometimes, art does find its place.

As I have stated before, the Obelisk that we made for documenta was specially made for Kassel, and for the square where it stands. The Obelisk is not based on politics, but rather, on the history of the City as a welcoming place, and on the simple human values that we all aspire to. Hospitality and gratitude are not political issues.

The Obelisk is also a unique work of art that further enriches the cultural legacy of the Documenta-Stadt and the daily social interactions of its citizens. It is safe to say that it is unlike any other work that has come to Kassel in the recent past. I’m honored that it has touched many people on a deep, human level. I’m also very happy that the majority have expressed a strong wish for it to stay. I obviously share that wish.

Since the end of documenta, other towns and cities both in Germany and abroad have expressed a desire to acquire the Obelisk, but I’ve always insisted that the Obelisk was made first and foremost for the people of Kassel and the Königsplatz.

Needless to mention that in addition to its emotional and cultural value, the Obelisk also has material value as a product of labor. As an artist, I rely entirely on my art for a living. It is the proceeds from my work that sustain my practice from one project to another, and I’m proud to make my living by not only doing what I love, but by making art that speaks to people so deeply, also.

By law, the City of Kassel cannot pay from its own budget for a public work from documenta. That’s why we must turn to citizens and the public to support such acquisitions. So, I encourage everyone to do their utmost best over the next several months, and help us pool resources together, to help the Documenta-Stadt keep the Obelisk in Kassel.

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