Positionen zum Kunstwerk im Überblick

Ende der Spendenaktion: Das Ringen um den Obelisken auf dem Kasseler Königsplatz

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Was geschieht mit ihm? Die Zukunft des Obelisken auf dem Königsplatz ist noch ungeklärt.

Kassel. Über annähernd drei Monate lief die Spendenaktion für den Obelisken auf dem Königsplatz. Am Montag nun endete sie.

Auch wenn die genaue Spendensumme noch nicht feststeht, ist klar: Die von Künstler Olu Oguibe angestrebten 600 000 Euro werden nicht erreicht. Der letzte Zwischenstand lautete annähernd 130 000 Euro.

Was aber passiert nun mit dem documenta-Kunstwerk? Die Stadt Kassel befindet sich in Kontakt mit Oguibe und wird verhandeln. Gut möglich, dass der Künstler die aktuelle Summe als Kaufpreis akzeptiert. Dann aber stellt sich die Frage, ob der Obelisk auch auf dem Königsplatz bleiben soll – Oguibe hatte den Standort zuletzt als unverhandelbar bezeichnet; von Seiten der Stadt hörte sich das aber anders an. Die nächsten Tage werden also spannend. Wir stellen auf dieser Seite nochmal unterschiedliche Positionen dar. 

Inmitten der Stadt

Eveline Valtink

Sie sind klar für den Erhalt des Obelisken auf dem Königsplatz: Die Initiative Christen für den Obelisken setzt sich für den Verbleib des „Fremdlinge und Flüchtlinge-Monument“ ein, erklärt Mit-Initiatorin Eveline Valtink. Es gehe darum, ein zentrales Kennzeichen der jüdisch-christlichen Tradition in die Mitte der Stadt zu rücken. Im Bibelvers identifiziere sich Jesus mit allen Fremden. Außergewöhnlich sei, dass Olu Oguibe, der sich als nicht religiös bezeichnet, eine so universelle Botschaft mache. „Der Obelisk ist selber ein Fremdling, der Standort am Rande des Königsplatzes gehört zur Aussage dazu“, sagt Valtink.

Die Initiative hofft, dass Oguibe sein Angebot aufrecht erhält, dass der Königsplatz mit dem Obelisken eng verwoben ist, auch wenn die Summe nicht zustande kommt. Die Initiative hat die Spendenaktion unterstützt. Allein der Verein „Andere Zeiten“ habe 10 000 Euro gespendet. 

Abbau liegt nahe 

Dass der Obelisk am Königsplatz errichtet wurde, um auf Dauer dort zu bleiben, davon war Martin Wimberger eigentlich ausgegangen – wenngleich es nach Ansicht des City-Point-Chefs „andere Orte gäbe, wo er besser zur Geltung kommen würde“.

Martin Wimberger

Aktuell sieht Wimberger nicht, wie eine Lösung für einen Verbleib des Werks in Kassel hinzubekommen wäre. Er könne sich nicht vorstellen, dass Olu Oguibe mit einem Bruchteil des ursprünglich geforderten Preises einverstanden ist. Und eine Verlagerung würde ja auch noch mal Geld kosten. „Meine Vermutung ist, dass die Tendenz in Richtung Abbau geht.“

Der jetzige Standort, den viele als Übergang zwischen dem migrantisch geprägten und dem alteingesessenen, besser gestellten Kassel deuten, löst bei Martin Wimberger überaus Skepsis aus: „Solche Trennungs-Markierungen sollte es aus meiner Sicht nicht geben.“

Kein Kunstwerk

Manfred Schröder ist 77 Jahre, arbeitete als Betriebswirt und wohnt ihm Ahnataler Ortsteil Heckershausen. Der Obelisk treibt ihn um.

Manfred Schröder

Er ist zu einer klaren Meinung gekommen: „Der Obelisk ist kein Kunstwerk“, schreibt er. Dabei unterstreicht er „kein“ und macht vier Ausrufezeichen hinter seine Aussage. Seine Begründung: Solche Obelisken in dieser Form und Größe gebe es über 100 weltweit, in Deutschland allein über 30. „Ich sehe ihn daher als Nachahmung eines Originals.“

Weiter führt Schröder aus, dass auch die Verwendung des Bibelspruchs in vier Sprachen aus der Nachahmung kein eigenes Kunstwerk mache. Sein Fazit: Kassel kann sich nicht erlauben, diese Nachahmung auszustellen. Olu Oguibe solle daher den Obelisken auf eigene Kosten entfernen. 

Gehören zusammen

Vor allem viele Neubürger und Migranten treffen und verabreden sich gerne am Obelisken. Dann sitzen sie auf den schmalen Stufen am Fuße des Kunstwerks und genießen den belebten Platz oder einfach nur die Abendsonne.

Mohammad Nabusli

Der Student Mohammad Nabusli (23) aus Damaskus in Syrien lebt seit zwei Jahren in Kassel. Von den Sehenswürdigkeiten der Stadt kennt er an erster Stelle den Obelisken. Viele Menschen aus seinem Kulturkreis seien es gewöhnt, dass man sich auf öffentlichen Plätzen trifft, um ins Gespräch zu kommen. Mohammad Nabusli findet den Obelisken schön, vor allem die Schriftzüge in vier Sprachen. Ihm gefalle dieser andere Blick und der Fokus auf Vielfalt. Die schöne Botschaft laute für ihn: Wir akzeptieren und tolerieren andere Kulturen, wir gehören zusammen. 

Hier gehört er hin

Frank Rohde

Als einer der geschäftlichen Anrainer am Königsplatz hat sich Frank Rohde mit dem Obelisken arrangiert und möchte ihn auf Dauer am jetzigen Ort erhalten wissen: „Er ist hier emporgewachsen und hier gehört er auch hin.“ Rohde fand es spannend zu verfolgen, wie das d14-Monument aus einer geheimnisvollen Baustelle entstanden ist: „Das habe ich so noch nie miterlebt.“ Dass der Obelisk die Symmetrie des Platzes durchbricht, passe auch zur künstlerischen Botschaft – so werde die Säule selbst zum Fremdling im öffentlichen Raum.

In 50 Jahren werde der Obelisk „eine gute Erinnerung“ sein an die kontroversen Debatten, die derzeit ums Thema Zuwanderung geführt werden. „Ich fände es gut, wenn die Stadt mit dem Künstler zu einem guten Ergebnis kommt“, sagt Rohde.

Schöne Symbolik

Auch wenn der frühere Ortsvorsteher des Stadtteils Mitte sein Amt aus persönlichen Gründe Ende April niedergelegt hat, hat er trotzdem eine klare Position zum Kunstwerk auf dem Kasseler Königsplatz. „Aus meiner Sicht sind die Forderungen des Künstlers zu hoch und fernab der Realität“, sagt Christof Stefaniak (Grüne).

Christof Stefaniak

Ihm gefalle das Kunstwerk von seiner Symbolik her, so Stefaniak, aber ich finde auch, dass es nicht unbedingt auf dem Königsplatz stehen muss. „Ich könnte mir das documenta-Kunstwerk auch an anderen Stellen im Stadtgebiet vorstellen“, so Stefaniak.

Im Ortsbeirat sei der Obelisk kaum Thema gewesen, es habe lediglich mal eine Anfrage gegeben, ob man das Kunstwerk nicht vielleicht im Schillerviertel aufstellen könne.

Geometrie gestört

Christian Presche

Der Standort des Obelisken ist für den Kasseler Historiker Dr. Christian Presche völlig indiskutabel. Er sagt: Der Königsplatz hat eine klare geometrische Form, die ja leider ohnehin schon gestört ist. Man sollte diese Störung des Kreissegments nicht noch durch zusätzliche Objekte verstärken, sei es durch Kunstobjekte oder anderes. „Entweder gehört so was in die Mitte oder man lässt es.“ Ursprünglich war ja sogar mal ein Obelisk für den Königsplatz geplant, aber eben imZentrum.

„Man sollte nicht noch zusätzlich gegen die Geometrie des Königsplatzes arbeiten, Trams und Wartehäuschen leisten da schon ihren Beitrag. Der Platz rutscht sonst in die Beliebigkeit ab. Dort, wo im öffentlichen Raum gegen vorhandene architektonische Strukturen gearbeitet wird, stellt sich für die Menschen unwillkürlich ein Unbehagen ein.“

Passend zur d14

Bernhard Brunsch ist als Bauingenieur tätig und Mitglied des Ortsbeirates Mitte: „Für mich hat Kunst was mit Können zu tun“, sagt Brunsch. Das Besondere am Obelisken sei seine politische Botschaft und weniger die Gestaltung durch den Künstler.

Bernhard Brunsch

Aus der Sicht von Bernhard Brunsch könnte der Obelisk rein von der Optik her auf dem Königsplatz bleiben, allerdings findet auch er den Preis für das documenta-Kunstwerk zu hoch.

Auch von anderen Weltkunstausstellungen seien Kunstwerke im Stadtgebiet geblieben und der Obelisk mit seiner politischen Symbolik sei einfach kennzeichnend für die d 14 gewesen, von daher würde es schon passen. Allerdings hat Brunsch den Eindruck, dass im Stadtteil die negativen Einstellungen zum Kunstwerk überwiegen würden.

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