Streit um documenta-Kunstwerk

Sind Nordstadt-Bewohner "Outsider"? Stadt Kassel kritisiert Äußerung des Künstlers Oguibe 

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Sorgt weiterhin für Diskussionen in Kassel: der Obelisk des US-Künstlers Olu Oguibe auf dem Königsplatz. Der Künstler will, dass er dort stehen bleibt. Der Magistrat sprach sich für den Standort Holländischer Platz aus.

Kassel. Die Stadt Kassel kritisiert die Äußerung des Künstlers Olu Oguibe: Der Obelisk sei für alle da, sagte er, "nicht nur für die Outsider in der Nordstadt". Er solle auf dem Königsplatz bleiben.

In „keiner Weise nachvollziehbar“ findet Kulturdezernentin Susanne Völker Oguibes Erklärung, nach der es sich bei den Bewohnern der Nordstadt um Outsider handelt. Völker: „Die Nordstadt ist ein modernes und zentrales Quartier mit einer vielschichtigen Bevölkerungsstruktur.“ Sie werde vom „interkulturellen und weltoffenen Miteinander“ seiner Bewohner geprägt.

Wie berichtet, hatte Oguibe gegenüber dem Kunstmagazin „Monopol“ erklärt, der Obelisk sei nur für den Königsplatz und nicht für den Holländischen Platz gemacht. Der Magistrat möchte, dass er dort aufgestellt wird, falls er in Kassel bleibe. Oguibe dagegen meint, der Obelisk sei „für alle, nicht nur für die Outsider in der Nordstadt da“. Die Spende von 126.000 Euro wolle er nehmen – aber nur, wenn der Obelisk auf dem Königsplatz bleibe.

Kein Kontakt

Das hat der Künstler der Stadt Kassel übrigens noch überhaupt nicht mitgeteilt. Susanne Völker: „Uns gegenüber hat er sich seit Ende der Spendenaktion am 30. April nicht mehr geäußert.“ Man habe vier Wochen lang versucht, mit dem Künstler oder seinem Galeristen Kontakt aufzunehmen – vergebens. Völker: „Ihre Antwort erreichte uns nun durch die Presse.“

Der Magistrat bleibt jedenfalls bei seinem Vorschlag Holländischer Platz. Der Eingang zur Nordstadt stehe sowohl für gesellschaftliches Miteinander als auch für die Themen Flucht und Willkommenskultur. Zudem hätte Oguibe mit dem Obelisken das noch zu bauende documenta-Institut mitprägen können.

Entscheiden über den Verbleib und Standort muss letztlich die Stadtverordnetenversammlung. Wann sie das tut, steht noch nicht fest. Aber schon in ihrer nächsten Sitzung am Montag, 28. Mai, steht der Obelisk auf der Tagesordnung. Zu beraten haben die Stadtpolitiker über zwei Anträge zu dem documenta-Kunstwerk. Beide wollen die Kasseler Bürger über den Verbleib oder Nicht-Verbleib des Obelisken in Form eines Vertreterbegehrens entscheiden lassen. Damit könnten die Stadtverordneten die Entscheidung den Bürgern überlassen und einen Bürgerentscheid initiieren.

Die AfD fordert mit ihrem Antrag „eine direktdemokratische Legitimation“ durch die Bürger zu dieser strittigen Frage, auch zur nachhaltigen Gestaltung des Königsplatzes. Der Antrag der FDP-Stadtverordneten Matthias Nölke und Thorsten Burmeister geht in die gleiche Richtung, macht jedoch das Vertreterbegehren von den Finanzen abhängig. So sollen die Bürger nur dann gefragt werden, wenn die benötigten Mittel für den Ankauf des Obelisken in Höhe von 600.000 Euro durch Spenden zusammenkommen. Das ist bekanntlich nicht der Fall.

Für beide Anträge wird es wohl nicht die erforderliche Mehrheit geben. Denn für ein Vertreterbegehren, das dann in einen Bürgerentscheid münden würde, müssten sich zwei Drittel der Stadtverordneten aussprechen.

Der Abbau des Obelisken wäre keine Katastrophe für Kassel, meint der Leiter der Stadtredaktion Kassel, Frank Thonicke in seinem Kommentar.

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