Kasseler wurden von Demontage überrascht

Obelisk auf Königsplatz abgebaut: Künstler und Stadt äußern sich

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Der Obelisk auf dem Kasseler Königsplatz wurde am Mittwoch abgebaut.

Kassel. Völlig überraschend ist am Mittwoch der umstrittene Obelisk auf dem Kasseler Königsplatz abgebaut worden. Vorangegangen war ein monatelanger Streit um den Standort des documenta-Kunstwerks.

Dieser Artikel wurde aktualisiert um 18.03 Uhr - Um 4.30 begannen Arbeiter der Kasseler Baufirma Richter damit, eine Baustelle rund um das Kunstwerk einzurichten, wenig später fuhren zwei schwere mobile Kranwagen auf den Königsplatz. Um 5.26 war die Edelstahlspitze des Obelisken demontiert, um 5.42 Uhr hing das obere, 14 Tonnen schwere Betonteil des Obelisken am Stahlseil des Krans. Beim Abbau des mittleren, 18 Tonnen schweren Teils gab es dann Komplikationen. Es wollte sich nicht vom unteren Teil, auf dem der Spruch "Ich war ein Fremder, und ihr habt mich beherbergt" zu lesen ist, lösen. Um 8.30 Uhr war aber auch der Block demontiert. Um 9.10 Uhr war der Obelisk schließlich Geschichte: nur noch das Fundament, auf dem er stand, war zu sehen und wurde anschließend entfernt.

Die abmontierte Spitze.

Der Abbau des Obelisken musste nach einem Beschluss der Kasseler Stadtverordnetenversammlung erfolgen. Eine breite Mehrheit hatte dafür votiert, dass er vom Königsplatz verschwinden muss, um den Platz für zukünftige Nutzungen freizuhalten. Dem Künstler Olu Oguibe hatte man angeboten, den Obelisken an einem Standort an der Treppenstraße wieder aufzubauen. Das hatte Oguibe aber abgelehnt: Er habe den Obelisken extra für den Königsplatz gemacht.

Da der Leihvertrag zwischen der Stadt Kassel und dem Künstler am Sonntag, 30. September, abgelaufen war - ebenso wie die Nutzungsüberlassung der öffentlichen Verkehrsfläche auf dem Königsplatz - wurde nun gehandelt.

Die Kosten des Abbaus sind im normalen documenta-Etat enthalten. Der Obelisk wird jetzt zunächst zwischengelagert, ehe er dem Künstler zurückgegeben wird. Für einen Transport in seine amerikanische Heimat müsse Oguibe selbst aufkommen, hieß es heute früh bei der Stadt. Gegen Schäden sei der Obelisk bei der documenta versichert. Die Spender, die für den Verbleib des Obelisken in Kassel Geld gegeben hatten, bekommen ihre Spende nun zurück.

Fast geschafft: Nur noch die Betonplatte, auf der der Obelisk stand, war am Morgen zu sehen und wurde entfernt.

Ein Sprecher der Stadt erklärte weiter, man habe für den Abbau einen so frühen Zeitpunkt und den Feiertag gewählt, um die Beeinträchtigungen auf der Königsstraße möglichst gering zu halten und damit auch eine größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Auf den Zufahrtsstraßen zum Königsplatz war Polizei postiert. Passanten, die etwa in die Straßenbahnen am Königsplatz einstiegen, nahmen vom Abbau kaum Notiz. Nur wenige blieben stehen, niemand diskutierte über den Abbau des Obelisken.

Der Obelisk wird nun in Einzelteilen in Kassel gelagert - bis klar ist, was mit ihm passiert.

Die Stadt veröffentlichte am Mittwochmorgen eine Pressemitteilung, in der sie schreibt, man respektiere die Haltung des Künstlers, der auch in seiner jüngsten öffentlichen Stellungnahme betont hatte, dass er sein Kunstwerk explizit für den Königsplatz geschaffen habe. Dem stünden allerdings die demokratischen Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung entgegen, die für die Verwaltung bindend seien – zwei Positionen, die nicht überein zu bringen seien.

Die Entscheidung, was künftig mit dem Kunstwerk geschehen soll, obliege dem Künstler. Die Stadt sei – unter Berücksichtigung der Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung – weiterhin offen für Gespräche mit Olu Oguibe zur Zukunft des Obelisken.

Lesen Sie auch: Kommentar zum Abbau des Obelisken: An Dreistheit nicht zu überbieten

Oberbürgermeister meldet sich aus dem Urlaub

Am Mittwochnachmittag hat sich auch Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) zu Wort gemeldet. Er verteidigt das Vorgehen: "Ich trage die Verantwortung", sagte er gegenüber der HNA. Geselle begründet den Schritt mit den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung. Die habe eindeutig entschieden, dass der Obelisk vom Königsplatz verschwinden müsse.

Das sagt Künstler Olu Oguibe

Nach dem Abbau des Obelisken in den Morgenstunden hat sich am Mittag mit Alexander Koch der Galerist des Künstlers Olu Oguibe geäußert. Koch sagte, er habe mittlerweile Kontakt zu Oguibe gehabt. Der Künstler empfinde den Abbau des Obelisken vom Königsplatz als großen Verlust für Kassel und für all jene, die sich die ganze Zeit für das documenta-Kunstwerk eingesetzt hätten und für die es eine Herzensangelegenheit gewesen sei. Wie es nun weitergeht, konnte Koch nicht sagen. "Da habe ich noch keine Vorstellung." Er nehme die jüngste Entwicklung zur Kenntnis. Nach dem Abbau wurden die einzelnen Teile des Obelisken auf einen Bauhof am Rande Kassels gefahren. Dort stehen sie nun erst einmal.

documenta-Forum bestürzt über den Abbau

In einer Stellungnahme des documenta-Forums heißt es: "Wenigstens gewehrt hat sich der Obelisk am frühen Mittwochmorgen, dem Tag der Deutschen Einheit. Vier Stunden und der Einsatz eines zusätzlichen Baggers waren notwendig, um die einzelnen Segmente voneinander zu trennen." Weiter heißt es: "Den Mehrheitsbeschluss der Stadtverordnetenversammlung umzusetzen, ist eine formal rechtlich saubere Sache. Der Umgang mit Kunst in der sogenannten documenta-Stadt ist eine andere Sache. Hier hätten sich die Spender und Befürworter dieses Mahnmals für die Aufnahme Geflüchteter eine größere Unterstützung und eine engagiertere Suche nach einer Lösung aus der Stadtpolitik gewünscht. Schließlich hatte Olu Oguibe schon im Frühjahr 2018 den Standort für unverhandelbar erklärt." Das documenta-Forum sieht das Ansehen der Stadt als beschädigt an. Verlierer in dieser "unsäglichen Auseinandersetzung" sei zum einen die Stadtgesellschaft, die nun vor den Trümmern eines Mahnmals stehe, und zum anderen die Stadt Kassel, sie noch lange den Imageschaden durch diese Aktion spüren werde.

Stadt Kassel baut Obelisken auf dem Königsplatz ab

Stadt Kassel baut Obelisken auf dem Königsplatz ab
 © Andreas Fischer
Stadt Kassel baut Obelisken auf dem Königsplatz ab
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Stadt Kassel baut Obelisken auf dem Königsplatz ab
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Stadt Kassel baut Obelisken auf dem Königsplatz ab
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Stadt Kassel baut Obelisken auf dem Königsplatz ab
 © Andreas Fischer

Erinnerungen an Treppenabriss

Weil der Abbau des Obelisken so überraschend kam und teilweise nachts erfolgte, kommt bei vielen Kasselern die Erinnerung an den Treppenabriss auf dem Königsplatz vor 18 Jahren hoch - auch wenn beide Ereignisse nicht vergleichbar sind. Denn anders als damals, handelt es sich bei der Obelisken-Demontage um einen demokratischen Beschluss. Die Königsplatztreppe hingegen wurde illegal abgerissen.

In den späten Abendstunden des 27. August 2000 begann der spektakuläre Abriss der umstrittenen Treppe auf dem Königsplatz.

Im August 2000 ließ der damalige Oberbürgermeister Georg die umstrittene Treppe des Künstlers Gustav Lange in einer Nacht-und-Nebel-Aktion entfernen. Der Abriss war eines von Lewandowskis Wahlkampfversprechen. Weil dieser zu dem Zeitpunkt allerdings illegal war, mussten die Verantwortlichen später 42.000 Euro Strafe zahlen.

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