documenta-Kunstwerk wird wieder aufgestellt

Kassels OB Geselle zur Rückkehr des Obelisken: "Konsequent geblieben"

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So könnte es aussehen: Der Obelsik soll in der Treppenstraße wieder aufgebaut werden.

Kassel. Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) ist froh, dass der Stadtverordnetenbschluss zum Obelisken jetzt doch noch umgesetzt werden kann. 

Als er am Montag dieser Woche den Brief von Olu Oguibe bekommen habe, dass dieser nun doch mit dem Standort Treppenstraße für den Obelisken einverstanden ist, sei das für ihn schon überraschend gewesen, sagt Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) am Donnerstag gegenüber der HNA. „Aber nicht ganz überraschend.“

Kassel documenta - Obelisk bleibt doch

Er habe nach wie vor darauf gesetzt, dass noch eine Chance besteht, dass das documenta-Kunstwerk in der Stadt, konkret auf der Treppenstraße, bleiben kann. „Der Schlüssel war, dass wir konsequent geblieben sind“, sagt Geselle. Er steht nach wie vor zu der Entscheidung, dass das Kunstwerk in den frühen Morgenstunden des Tags der Deutschen Einheit rechtmäßig auf dem Königsplatz abgebaut worden ist.

Für diesen Termin habe er sich zusammen mit der Kasseler Polizei entschieden. Aus verkehrstechnischen Gründen, weil an dem Feiertag wenig los war, und aus sicherheitsrelevanten Aspekten. Für diesen Termin habe gesprochen, dass die AfD zu einer Wahlkampfveranstaltung in Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg) eingeladen hatte und davon auszugehen war, dass viele Anhänger der Partei dort hingehen. Er habe vermeiden wollen, dass Störer den Abbau des Kunstwerks begleiten. Damit meine er rechte Gruppen, die zum Beispiel gejohlt hätten. Zudem wollte er vermeiden, dass es dort zu Auseinandersetzungen mit linken Gegendemonstranten hätte kommen können und die Polizei hätten einschreiten müssen. „Das wären Bilder aus Kassel gewesen, die ich nicht hätte sehen wollen.“

Er ist froh, dass es noch zu einer Einigung mit dem Künstler Olu Oguibe gekommen ist: Oberbürgermeister Christian Geselle.

AfD Kassel: Obelisk auf Druck der Partei verschwunden?

Geselle wehrt sich gegen den Vorwurf, den vor allem einige überregionale Zeitungen der Stadt gemacht haben, dass man vor der AfD eingeknickt sei. Die Süddeutsche Zeitung hatte zum Beispiel geschrieben, dass das letzte Kunstwerk der documenta auf Druck der AfD verschwunden sei. Das Beispiel Obelisk zeige, wie Politiker und Medien gegenüber rechten Provokationen einknicken, schrieb eine Journalistin.

Durch die neueste Entwicklung seien diese Behauptungen widerlegt, sagt Geselle. Er habe sich darüber geärgert, dass einige Journalisten nicht „sauber recherchiert“ hätten.

Jedenfalls sei er froh, dass der Stadtverordnetenbeschluss von 24. September, den Obelisken auf der Treppenstraße aufzustellen, jetzt umgesetzt werden könne. Für die Kosten des Aufbaus komme, wie beschlossen, die Stadt auf. Und der Künstler bekomme 126.000 Euro für die 16 Meter hohe Betonsäule.

Das entspricht der Summe, die durch die Spendenaktion zusammengekommen ist. Allerdings habe die Stadt das Geld an die Kleinspender nach dem Abbau auf dem Königsplatz bereits zurücküberwiesen. Das habe man machen müssen, um kein „Untreueproblem“ zu bekommen.

Allerdings bleibe die Kasseler cdw-Stiftung bei ihrer Zusage, für das Kunstwerk 50.000 Euro beizusteuern, so Geselle. Zudem habe er sich seit Montag um weitere Spender gekümmert, sodass die Summe gedeckt sei. Darunter würden sich auch neue Spender befinden, die vorher nicht unbedingt bereit gewesen wären, Geld für das Kunstwerk zu geben, sofern es auf dem Königsplatz geblieben wäre.

Obelisk: Verwendung

Der Obelisk soll nun „schnellstmöglich“ auf der Grünfläche vor dem Gebäude der Barmer Ersatzkasse auf der Treppenstraße wieder aufgebaut werden, sagt Geselle. Am liebsten wäre es ihm, wenn es noch in diesem Jahr klappen würde. Aber auch wenn alle technischen Fragen mit den städtischen Ämtern bereits geklärt seien, könne man nichts überstürzen. Schließlich muss zuerst das Fundament gegossen werden. Und dafür bedarf es einer Ausschreibung.

Obelisk Kassel: Königsplatz sollte Standort sein

In seiner Stellungnahme erklärt Olu Oguibe noch einmal, dass der Obelisk eigentlich für den Königsplatz gemacht wurde und dass der Abbau viele Menschen schockiert habe. „Das Loch, aus dem die Arbeit gegraben wurde, fühlte sich wie eine Wunde an.“ 

Er habe sich aber vor allem aus zwei Gründen dazu entschieden, dem Standort Treppenstraße zuzustimmen: Er hatte das Versprechen abgegeben, das Kunstwerk in Kassel zu halten. Und zweitens sollte ein sichtbares, greifbares Wahrzeichen der documenta 14 erhalten bleiben. Für ihn gehe es nicht nur um die Integrität des Kunstobjekts, sondern auch um seine Integrität als Künstler. 

Daher sei auch der Kampf um den Obelisken und um die Freiheit der Kunst notwendig gewesen. Oguibe erklärt weiter, dass er und sein Berliner Galerist zahlreiche Angebote aus verschiedenen Ländern für den Obelisken erhalten hätten. Diese Angebote seien von Bürgermeistern, Museumsleitern, Kuratoren und Stadtentwicklern gekommen. Sogar eine Kunstschule aus Belgien habe angeboten, den Obelisken so lange aufzunehmen, bis er ein neues Zuhause gefunden hätte. 

Fotos vom Abbau des Obelisken

Davon sei er tief berührt, schreibt Oguibe: „Es gibt keine Worte, um meine Dankbarkeit auszudrücken.“ Dies mache auch deutlich, dass man ein Denkmal für Fremde und Flüchtlinge mit der Botschaft des Obelisken (Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt) immer mehr bräuchte. Daher bietet Oguibe an, mit Städten und Institutionen auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten. Das Ziel: „Ein Denkmal für jede Stadt.“

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