Vor einem Jahr am Königsplatz abgebaut

"Der gehört hier hin": Obelisk mittlerweile fester Bestandteil der Treppenstraße

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Mag den Obelisken auf der Treppenstraße: Søren Link, Geschäftsführer des benachbarten AKGG.

Vor einem Jahr - am Tag der Deutschen Einheit 2018 - wurde der Obelisk am Königsplatz abgebaut. Mittlerweile ist er von der Treppenstraße nicht mehr wegzudenken.

In den Morgenstunden kamen die Kräne und Schwertransporte auf den Königsplatz. Ein paar Stunden später war vom Obelisken dort nichts mehr zu sehen. Das documenta-Kunstwerk von Olu Oguibe? Nach langem Hin und Her: abgebaut. Das war genau vor einem Jahr – am Tag der Deutschen Einheit 2018. 

Damals war noch nicht klar, was mit dem Obelisken passieren würde. Mittlerweile steht er auf der Treppenstraße – und der Obelisk ist zumindest kein Aufreger mehr. Das bestätigt Søren Link, der im Haus der Sozialwirtschaft arbeitet – mit bestem Blick auf den Obelisken.

Herr Link, vor einem Jahr hat die Diskussion über den Obelisken ihren Höhepunkt erreicht, als er plötzlich vom Königsplatz abgebaut wurde. Jetzt ist so gar nichts mehr zu hören. Oder ist der Eindruck falsch?

Naja, der Obelisk steht ja bei uns vor der Tür. Dadurch hat sich der Platz komplett verändert, es herrscht viel mehr Betrieb als früher in diesem Teil der Stadt. Die Menschen haben diesen Platz – ich will es mal so sagen – in Besitz genommen. Es sind viele Schulklassen da, es sind Musiker da, es kommen ganze Besuchergruppen. Es ist also ständig etwas los. Von Ruhe kann somit keine Rede sein.

Aber die Diskussion über den Obelisken ist doch abgeebbt, oder?

Ja, ich glaube, der Obelisk hat einfach durch seinen neuen Standort und die Wirkung, die er auf der Treppenstraße entfaltet, eine große Mehrheit überzeugt. Ich höre schon seit Langem keine ablehnenden Stimmen mehr. Die gab es vielleicht noch am Anfang, als der eine oder andere in den sozialen Netzwerken gemeckert hat, was der Obelisk denn auf der Treppenstraße solle. Aber jetzt höre ich nur noch: Mensch, was für ein toller Platz für den Obelisken, was für eine gute Entscheidung.

Abbau am Tag der Deutschen Einheit: Vor einem Jahr wurde das documenta-Kunstwerk vom Königsplatz entfernt. 

Haben Sie Beschädigungen oder Vandalismus feststellen können?

Überhaupt nicht, obwohl ich am Anfang auch skeptisch war. Ich habe mich gefragt: Müssen wir jetzt auf das gute Stück besonders aufpassen? Die Antwort lautet: nein. Ich stelle einen extrem respektvollen Umgang mit dem Obelisken fest. Die Menschen sitzen auf den Stufen, sie fotografieren sich davor, und sie nutzen das Foto dann als Hintergrundbild. Es ist wie ein Denkmal: Die Leute gehen ordentlich damit um.

Kommen die Menschen gezielt zum Obelisken, oder sind sie überrascht, dass da auf einmal ein Kunstwerk steht?

Wenn ich die Menschen beobachte, sind schon welche dabei, die die Treppenstraße nach oben gehen und plötzlich stutzig sind und ganz ungläubig ein Foto machen. Es gibt aber auch ganz gezielte Verabredungen: Wir treffen uns am Obelisken – diese Formulierung gehört mittlerweile zum Sprachgebrauch.

Der Platz hat jetzt eine Atmosphäre, die er vorher nicht hatte?

Das würde ich unterstreichen. Vorher gab es hier ein Blumenbeet, das sechs Wochen im Jahr blühte. Ansonsten war es grau. Die Leute liefen einfach vorbei. Jetzt verharren sie. Der Platz hat einen ganz anderen Charakter. Der Obelisk dominiert den Standort.

Was fehlt dem Platz noch?

Es wäre schon gut, wenn es in unmittelbarer Nähe noch einen Café-Betrieb gäbe, aber damit ist wohl nicht zu rechnen. Auch in die Räume, in denen früher die Barmer war, wird wohl kein Gastronomiebetrieb einziehen. Ansonsten fehlen hier noch Fahrradständer und die eine oder andere Bank zum Verweilen.

Können Sie sich den Platz noch ohne Obelisken vorstellen?

Nicht wirklich. Innerhalb kürzester Zeit ist klar geworden: Der gehört hier hin. Das sieht jeder so, der hier vor Ort arbeitet. Mehr noch: Der Obelisk ist ein Bezugspunkt geworden: für die, die vom Hauptbahnhof kommen, und für die, die aus Richtung Innenstadt kommen – für alle. Jeder hat den Obelisken im Auge.

Sind von den Passanten auch schon mal welche zu Ihnen ins Haus gekommen und wollten den Obelisken von oben betrachten?

Das ist in der Tat schon vorgekommen. Viele fragen, ob sie den Obelisken mal von oben fotografieren dürfen. Was aber besonders ist: Wenn wir Gäste haben, die in der oberen Etage tagen, dann genießen die es einfach, auf die Spitze des Obelisken zu schauen und den Lichteinfall zu beobachten.

Jetzt haben wir über die Aufwertung der Treppenstraße gesprochen. Ist denn Ihrer Meinung nach der Königsplatz jetzt auch wieder in dem Zustand, in dem er sein sollte – ohne Obelisk?

Ach je. Dazu will ich eigentlich gar nichts sagen. Nur so viel: Wir geben den Obelisken nicht wieder her.

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