Urteil nach Attacke am Platz der Deutschen Einheit

Opfer fast geköpft: Sechs Jahre für Messerstecher

Kassel. Zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und einem Schmerzensgeld von 20.000 Euro verurteilte das Landgericht Kassel am Donnerstag einen 23-jährigen Kasseler.

Bei einem fatalen Zusammentreffen zweier Gruppen junger betrunkener Männer hatte er einen vermeintlichen Kontrahenten mit seinem Klappmesser beinahe geköpft. „Alkohol, Streit, Messer, eine Person fast tot“, so brachte es der Vorsitzende Richter Volker Mütze auf den Punkt. Der Angeklagte beteuerte, dass er nicht habe töten wollen. Dennoch habe er den Tod des Opfers in Kauf genommen, erklärte der Richter.

Der Stich mit der zehn Zentimeter langen Klinge in den Hals durchtrennte fast auch das Rückenmark des 20-jährigen Opfers. Der zweite Stich traf die Leber. Das Opfer, dem ein Lungenflügel zusammenfiel, sackte zu Boden und blieb regungslos liegen, es konnte sich nicht mehr bewegen. Der 23-Jährige flüchtete, wurde beim Eintreffen vor seinem Wohnhaus von der Polizei festgenommen.

Minutiös versuchte das Gericht, das Vorgeschehen der beiden Gruppen, die dem Alkohol reichlich zugesprochen hatten, bis hin zu der Messerstecherei in den frühen Morgenstunden des 15. Februar 2014 zwischen 4 und 5 Uhr zu rekonstruieren. Zumeist zogen sich die Zeugen darauf zurück, sich an keine Details erinnern zu können, allen voran der vermeintlich beste Freund des Angeklagten, ein 18-jähriger Soldat. Dem hatte er helfen wollen, beteuerte der Angeklagte.

Einer der drei jungen Männer auf der gegenüberliegenden Haltestelle am Platz der Deutschen Einheit habe seinen Freund angepöbelt, ihn als Kanake bezeichnet, sei zu ihnen herübergelaufen und habe zu einem Schlag ausgeholt. Dem entging sein Kumpel, indem er sich weggeduckt habe. Da stach er zu. Mit dem Messer aus seiner Jackentasche, mit dem er schon längere Zeit „rumgespielt hatte“.

Bei dem Urteil wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung berücksichtigte das Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit. Gutachter bescheinigten dem Täter eine Sozialstörung, eine leichte Intelligenzminderung und eine Alkoholabhängigkeit. Ebenso fielen seine Vorstrafen, eine laufende Bewährung und die gravierende Körperverletzung mit Folgen für das Opfer ins Gewicht.

Zwei Jahre muss der geständige Täter wegen seiner Alkoholabhängigkeit in eine Entziehungsanstalt, weil laut Richter Mütze „ohne Behandlung weitere Straftaten zu erwarten sind“. Nach erfolgreicher Therapie und guter Führung kann die Strafe nach drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden, sagte der Richter. Das Opfer, das nach der Messerstecherei trotz mehrmaliger Operationen und Reha-Maßnahmen Dauerschäden behalten wird, bekam 20 000 Euro Schadensersatz zugesprochen. (zal)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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