Verteidiger wird am 28. Oktober auf Notwehr plädieren

Schüsse am Stern: Opfer war nicht zimperlich

Der Tatort: Vor der inzwischen geschlossenen Bäckerei von Antonio Basak wurde im November einem damals 25-Jährigen aus Algerien ins Bein geschossen. Zuvor hatte sich das Opfer mit einem der Stühle gewehrt. Archivfoto: Fischer

Kassel. Drei Monate nach Beginn der Hauptverhandlung könnte im Prozess um die Schüsse am Stern, mit denen im November 2015 ein heute 26-jähriger Mann aus Algerien verletzt worden war, ein Urteil fallen.

Nach der Anhörung der letzten von der Strafverteidigung benannten Zeugin wurde am Montag die Beweisaufnahme geschlossen. Am 28. Oktober sollen die Plädoyers gehalten werden und dann das Urteil fallen gegen den ebenfalls 26-jährigen Angeklagten - einen Libyer.

Dessen Strafverteidiger hatte eine letzte Zeugin ausfindig gemacht und deren Aussage zur Entlastung seines Mandanten beantragt. Doch verlief die Anhörung der 48-Jährigen nicht ganz wie gewünscht. Denn sie hatte zwar das spätere Opfer im Sommer 2015 bei einem Faustschlag gegen einen anderen Mann in der Nähe einer Kneipe am Martinsplatz beobachtet. Der geschlagene Mann könnte der spätere Schütze gewesen ein.

„Warst du das, hä?“ ging ihre Frage in Richtung des Libyers. Die Prügel, die der Libyer offenbar bezog, beschrieb sie so: „Das war schon brutal, ich fand´s schrecklich.“ Den Mann auf der Anklagebank kannte sie nach eigener Aussage allerdings nur „flüchtig“ durch ihre Arbeit als Kellnerin in der Kneipe.

Für den der gefährlichen Körperverletzung angeklagten Mann wird Strafverteidiger Reinhard Leis auf Notwehr plädieren. Immer wieder versuchte er in dem zähen Gerichtsverfahren zu belegen, dass der Libyer von mehreren Männern bedroht wurde, sich aus Angst kaum mehr von seiner Wohngemeinschaft in Ahnatal-Weimar in die Kassler Innenstadt gewagt habe.

Einer der Verfolger soll das spätere Opfer gewesen sein. Der als Nebenkläger in dem Verfahren auftretende 26-jährige Algerier soll bei der Auseinandersetzung im Sommer 2015 am Martinsplatz ein Messer eingesetzt haben.

Nur deshalb will sich der Libyer eine Pistole zugelegt haben. Als er zu einem Friseurbesuch am Stern war, da sei er plötzlich auf der Unteren Königsstraße dem Algerier begegnet und von diesem beschimpft worden. „Dann hat er Angst bekommen, die Waffe rausgeholt und hat geschossen“, zitierte Verteidiger Leis den Angeklagten. „Er hat nur geschossen, damit der von ihm wegbleibt.“

Die Staatsanwaltschaft vermutet als Hintergrund für die Auseinandersetzung einen Streit unter Drogendealern.

Plädoyers und Urteil: Freitag, 28. Oktober, ab 10 Uhr, Saal laut Aushang.

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