Orient erklingt in Kassel

Hessenweit erstes Geschäft für türkische Musikinstrumente eröffnet

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Musiker aus Leidenschaft: Fatih Erdogan hat ein Geschäft für türkische Instrumente eröffnet. Er selbst spielt die Saz, eine Langhalslaute - hier ein Exemplar mit zwei Hälsen.

Kassel. Kassel könnte zu einem Mekka für orientalische Musik werden: Am Grünen Weg hat jetzt ein Geschäft für türkische und arabische Musikinstrumente eröffnet.

Laut Inhaber Fatih Erdogan ist das hessenweit einmalig.

Der 36-jährige gebürtige Kasseler, dessen Eltern vor 45 Jahren aus der Türkei hierherkamen, ist ein leidenschaftlicher Saz-Spieler. Die Saz ist eine dickbauchige Laute mit langem Griffbrett, die im orientalischen Raum verbreitet ist. Zig der glänzenden Holzinstrumente baumeln an der Wand seines neues Musikgeschäfts „Doremi“. Do, Re, Mi sind die Silben für die ersten drei Töne der Tonleiter.

Nicht nur fürs Ohr, auch fürs Auge sind die Lauten in verschiedenen Varianten (übrigens auch als elektrisch verstärkte E-Saz) ein Genuss: Die Schalllöcher sind oft mit feinen Schnitzereien verziert, unter den Saiten schimmern an den langen Hälsen auch mal feine Intarsien durch. An ein Banjo – allerdings mit Aluminium-Gehäuse – erinnert die türkische Cümbus-Laute. Aber auch traditionelle Trommeln wie Davul oder die Standtrommel Darbuka und Blasinstrumente gehören zum Angebot. Eine Zurna beispielsweise sieht aus wie eine überdimensionierte schwarze Blockflöte, ist aber der Oboe ähnlich und wird mit einem Holzrohr geblasen.

Wer solche Instrumente haben wollte, musste bisher nach Hannover oder noch weiter fahren, sagt Fatih Erdogan. Oder in die Türkei fliegen. Mit dem neuen Laden hat er für die orientalische Musikszene einen Anlaufpunkt in Nordhessen geschaffen - und sich selbst einen Traum erfüllt.

Schon im Alter von fünf hatte er sich das Spiel auf dem traditionellen Instrument selbst beigebracht. „Die Saz war mein einziger Freund und mein einziges Spielzeug“, sagt der 36-Jährige. Als Jugendlicher begann er, sich mit Musikunterricht etwas Taschengeld zu verdienen. Als Musiker sei er sogar schon im türkischen Fernsehen aufgetreten, erzählt er. Auch in Kassel und darüber hinaus tritt der Autodidakt regelmäßig in Konzerten auf.

Parallel zu dem Instrumentenhandel hat der 36-Jährige jetzt auch eine Musikschule gegründet. Zuvor hat er sich seinen Lebensunterhalt jahrelang als Ladendetektiv verdient. 27 Schüler hat der Saz-Lehrer. Neben vielen türkisch- und kurdischstämmigen Jugendlichen auch zwei Deutsche. Mit seinem Geschäft, das seine Freundin Gülkiz Baser so gemütlich wie eine türkische Teestube eingerichtet hat, wolle er nicht nur Landsleute ansprechen, betont Erdogan. „Hier sind alle willkommen, die sich für Musik interessieren.“ Seine Kundschaft wird er vermutlich dennoch überwiegend aus dem türkisch-arabischen Kulturkreis haben. Allein in Kassel leben über 7000 Menschen mit türkischem Pass und mehrere Tausend türkischstämmige Deutsche.

Doremi Musikhaus, Grüner Weg 20, Mo. bis Sa. 10-20 Uhr, Tel. 0152/03 58 72 30. Eröffnungsfeier am Samstag, ab 14 Uhr.

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