Sitzung der Stadtteilvertreter

Neue Tempo-20-Zone in Kassel in Kritik - PS-Protzer sind großes Problem

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Stadt soll gegen Auto-Poser vorgehen: Wirksame Maßnahmen gegen Selbstdarsteller mit röhrenden Motoren wünscht sich der Ortsbeirat Mitte für den Bereich Wolfsschlucht und Neue Fahrt. Eine Tempo-20-Zone reicht laut Ortsbeirat nicht aus.

Die Ankündigung der Stadt, in Teilen der City die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30 auf 20 zu senken, ist im Ortsbeirat Mitte auf Ablehnung und Kritik gestoßen.

Dass sich Tempo 20 irgendwie positiv bemerkbar macht, wurde in der jüngsten Sitzung der Stadtteilvertreter einhellig in Abrede gestellt. Ihnen ist rund um Wolfsschlucht und Neue Fahrt ein anderes Verkehrsberuhigungs-Anliegen viel wichtiger – nämlich wirksame Maßnahmen gegen allerlei Auto-Poser, die abends und nachts bevorzugt auf dieser Innenstadt-Schleife ihre aufgemotzten Muskelmobile zur Schau stellen und dabei Motoren aufheulen, Bässe wummern und Reifen quietschen lassen.

Das Gebaren der Auto-Prahlhänse nervt Anwohner und Passanten schon lange und ängstigt viele auch. Zuletzt hatte der Ortsbeirat Mitte die Stadt Ende Januar um verstärkte Kontrollen gebeten und weiterhin angeregt, auf der Wolfsschlucht Bremsschwellen – sogenannte Berliner Kissen – zwecks Tempobegrenzung zu installieren.

Dies hat das Straßenverkehrsamt in einem Antwortschreiben abgelehnt. Die sinngemäße Begründung: Zu aufwändig, zu heikel für Krankenwagen und letztlich auch nicht wirksam, sondern kontraproduktiv. Solche Schwellen würden eher noch zu zu mehr Krach führen, wenn die PS-Protze scharf abbremsen und dann mit Motorgeheul wieder Gas geben, schrieb Amtsleiter Dr. Georg Förster dem Ortsbeirat.

Zu hohes Tempo sei auch nicht der Grund, weshalb die Muskelmobile mit ihrem Geräuschpegel nerven. Die Ursache dafür liege eher an den getunten Motoren, am Auspuff und am nervösen Gasfuß der Fahrer. Bei erneuten Tempokontrollen aufgrund der Ortsbeirats-Anfrage seien kaum Überschreitungen festgestellt worden, schrieb Förster: Von über 200 gemessenen Fahrzeugen seien lediglich fünf zu schnell gewesen.

"Das ist reiner Aktionismus" 

Dass die Stadt nur wenige Wochen nach diesen Ablehnungs-Begründungen angekündigt hat, durch Tempo 20 statt 30 km/h solle dieser Innenstadtbereich attraktiver und sicherer werden, fand Ortsvorsteherin Sabine Wurst (SPD) zumindest „widersprüchlich“: „Allein eine Temporeduzierung wird nicht ausreichen, um dort die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.“

Auch andere Ortsbeiratsmitglieder bezweifelten, dass das Vorhaben die erwünschte Wirkung zeigen wird. „Der ganze Aufwand wird verpuffen; das ist reiner Aktionismus“, urteilte etwa Bernhard Brunsch (FDP).

Auch Joachim Hoesch (CDU) sprach von einem „Schnellschuss, durch den nichts erreicht wird“. Er sah auch praktische Probleme, etwa für die Fahrpläne von KVG-Bussen bei reduziertem Tempo sowie für Autofahrer, für die die künftige Höchstgeschwindigkeit in der Praxis nur schwer auf dem Tacho einzuhalten sei. „Die Stadt sollte lieber etwas gegen die Autoposer tun“, forderte er. 

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