Gegendemonstranten randalierten

Sieben Festnahmen während Pegida-Kundgebung in Kassel

Kassel. Die Kundgebung des Kasseler Pegida-Ablegers („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) blieb am Samstag ohne größeren Zulauf.

Knapp 80 Teilnehmer waren zu der Veranstaltung vor dem Kulturbahnhof gekommen, bei der Lutz Bachmann (Dresden), Chef der Pegida-Bewegung, redete. Mehr als 250 Gegendemonstranten protestierten gegen die Kundgebung.

Insgesamt sieben Angehörige des linken Spektrums wurden von der Polizei, die mit einem Großaufgebot im Einsatz war, vorübergehend festgenommen. Drei vermummte junge Männer hatten auf dem Dach des Kulturbahnhofs aus Protest gegen Pegida ein großes Transparent angebracht. Die drei sowie zwei mutmaßliche Mitstreiter, mit denen sie während der Aktion in Telefonkontakt standen, wurden von der Polizei gefasst. Sie mussten mit aufs Revier. Die Vermummten müssen sich wegen Verstoßes gegen dasVersammlungsgesetz verantworten und möglicherweise wegen Hausfriedensbruchs, weil sie unbefugt auf das Bahn-Gebäude geklettert waren.

Pegida-Kundgebung mit Lutz Bachmann am Kasseler Hauptbahnhof

Zudem wurde ein Gegendemonstrant, der mit einer Flasche geworfen haben soll, von der Polizei abgeführt. Aus der Gruppe der Protestierenden waren auch Böller geworfen worden.

Als die Polizei bei einer Konfrontation mit einer Gruppe von Gegendemonstranten Pfefferspray einsetzte, wurden vier Personen leicht verletzt. Nach Angaben von Einsatzleiter Uwe Papenfuß hatten etwa 20 Gegendemonstranten versucht, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen, als die Pegida-Teilnehmer zu ihrem Rundgang aufbrachen - vermutlich sollte eine Blockade oder ein Angriff erfolgen. Beim Versuch der Gegendemonstranten, die Polizisten zu überrennen, sei eine Beamtin gestürzt, daraufhin habe man Pfefferspray benutzt, um die Gruppe zurückzudrängen.

Zu einer weiteren Festnahme kam es kurz nach der eineinhalbstündigen Veranstaltung. Am Lutherplatz hatten zwei Täter - einer davon vermummt - einen Pegida-Teilnehmer angegriffen. Der zweite Angreifer entkam.

Trotz der Zwischenfälle zeigte sich die Polizei insgesamt zufrieden. „Bei einer Reizfigur wie Bachmann hätte es auch zu größeren Ausschreitungen kommen können“, sagte Polizeidirektor Papenfuß.

Bei der Pediga-Kundgebung waren mehrere hessische NPD-Funktionäre aufgelaufen, darunter Landesvorsitzender Stefan Jagsch und sein Stellvertreter Daniel Lachmann. Mit weniger als 80 Teilnehmern gelang es der Kasseler Pegida-Gruppe jedoch nicht, ein größeres Publikum zu mobilisieren. „Das hat der Kasseler Bewegung mehr geschadet als genutzt“, sagte der Rechtextremismus-Experte Helge von Horn. Er beobachtete eine teilweise aggressive Stimmung der Pegida-Teilnehmer. „Das ist wahrscheinlich der Frust.“

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