Staatsschutz ist involviert 

Nach Kundgebung auf Königsplatz: Polizei in Kassel prüft Video mit Imam

Kassel. Nachdem die HNA über ein Video berichtete, in dem Semih Ögrünc, Imam der Ditib-Gemeinde am Mattenberg, zum „Märtyrer-Tod“ aufgerufen hatte, prüft der Staatsschutz, ob sich strafrechtliche Ermittlungen ergeben.

Nach Angaben von Polizeisprecher Torsten Werner sind dabei auch türkisch sprechende Beamte eingebunden. Die Erkenntnisse würden anschließend mit der Staatsanwaltschaft Kassel besprochen. Sollten sich dabei strafrechtlich relevante Sachverhalte ergeben, würde das ZK 10 Ermittlungen einleiten.

Nach dem in der Türkei gescheiterten Putschversuch hatte Ögrünc im Juli 2016 bei einer Kundgebung auf dem Kasseler Königsplatz vor rund 500 Menschen gepredigt. Dort sagte er auch, wenn es eine Anordnung geben werde, das Leben für das Vaterland (Türkei) zu opfern, „sind wir mit unseren Geschwistern zusammen bereit, Märtyrer zu werden“.

Ein Video von der Predigt wurde von der kurdisch-studentischen Initiative „Ditib – Die Marionetten Erdogans“ übersetzt und ins Netz gestellt. Die HNA hat die Übersetzung auf ihre Korrektheit geprüft.

Wenn es im Vorfeld Hinweise gebe, dass bei einer Demonstration in türkischer Sprache „strafbare Inhalte“ geäußert werden könnten, dann würden an dem Einsatz in der Regel entweder ein türkisch sprechender Beamter oder der Migrationsbeauftragte des Polizeipräsidiums Nordhessen teilnehmen, sagte der Polizeisprecher.

Semih Ögrünc

Der Migrationsbeauftragte habe auch die Aufgabe, als Vermittler zwischen Polizei und Veranstalter zu fungieren, so Werner. Weder er noch andere türkisch sprechende Beamten hätten aber bei der spontanen Demonstration am Samstag, 16. Juli 2016, teilgenommen.

Stadt Kassel sucht Gespräch zu Ditib-Gemeinden

Die Stadt Kassel sei im kontinuierlichen Dialog mit den Religionsgemeinschaften in Kassel, sagte Sprecher Ingo Happel-Emrich auf Anfrage. Die Berichterstattung der HNA über die Äußerungen des Imams nehme die Stadt jetzt zum Anlass, die drei Ditib-Gemeinden zu einem Gespräch einzuladen. „Wir wollen uns aus erster Hand über den Sachverhalt informieren“, so Happel-Emrich.

Gegenüber der HNA hatte der Imam, der seit drei Jahren in Kassel lebt, gesagt, dass es ihm bei der Aussage nicht darum gegangen sei, zum Krieg oder Tod aufzurufen. Bei der Kundgebung sei es nur darum gegangen, im übertragenen Sinn Solidarität mit der Nation und dem Staat zu bekunden. Dabei sei es auch nicht um die AKP-Regierung, sondern um die demokratischen Institutionen in der Türkei gegangen.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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