Zwei internistische Fachpraxen in Kassel

Praxis schließt bald: Rheumapatienten bangen um ärztliche Versorgung in Kassel

+
Gelenkschmerzen sind ein häufiges Symptom von Rheuma: Bekannt sind über 100 entzündliche rheumatische Erkrankungen.  

Kassel. Hunderte Rheumapatienten in der Region Kassel sind in großer Sorge: Eine der beiden Praxen von internistischen Rheumatologen in Kassel schließt am 16. Dezember.

Bei der Selbsthilfegruppe Rheuma Liga klingelt derzeit das Telefon heiß, weil die von der Praxisschließung betroffenen Rheuma-Erkrankten nicht wissen, wie es weitergehen soll. „Die Patienten stehen jetzt da“, sagt Vorsitzende Michaela Fritsch. Denn die an der Vitos Orthopädischen Klinik angesiedelte Gemeinschaftspraxis zweier internistischer Rheumatologen sei bereits jetzt überlastet. „Die Ärzte können nicht mehr als arbeiten“, sagt die selbst betroffene Rheumapatientin.

Die Situation war schon vorher prekär: Bereits vor acht Jahren, als Rheumapatienten öffentlich auf ihre Nöte aufmerksam machten (wir berichteten) gab es nur zwei internistische Rheumatologen in Kassel. Die Wartezeiten auf einen Termin waren mitunter lang, viele Rheuma-Erkrankungen, die möglichst frühzeitig behandelt werden müssen, würden zu spät erkannt, bemängelten Fachleute.

Auch in näheren Umkreis gibt es keine niedergelassenen Rheumatologen. So versorgen die Kasseler Ärzte Patienten aus angrenzenden Bundesländern mit. Dabei sind allein in der Region Kassel schätzungsweise 1300 Menschen behandlungsbedürftig.

In der Regel gehe ein Rheumapatient zweimal im Jahr zur Kontrolle und Einstellung der Medikamente zum Rheumatologen. Die obligatorischen Blutkontrollen machen meist die Hausärzte. Durch eine bessere Zusammenarbeit und Vernetzung der Fachärzte habe sich die Versorgung inzwischen auch deutlich verbessert. Doch wenn plötzlich eine akute Verschlechterung durch einen Rheumaschub auftritt, braucht der Patient schnell Hilfe eines Rheumatologen. Zur Not, so Michaela Fritsch, müssen sich Patienten, die ambulant nicht zeitnah versorgt werden können, an eines der Rheumazentren wenden, die jedoch alle mindestens 200 Kilometer entfernt seien. Abgesehen von der Rheumaklinik Bad Wildungen, die jedoch nur Privatpatienten behandele.

Der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) ist die schwierige Situation bekannt. Der Sitz der rheumatologischen Internistin, die offenbar nach Göttingen wechselt, sei ausgeschrieben worden. Doch habe sich aktuell kein Rheumatologe beworben, sagt KV-Sprecher Karl Matthias Roth: „Es gibt einfach nicht genügend Rheumatologen.“ So sei der freiwerdende Internisten-Sitz an einen Kardiologen vergeben worden.

Facharzt hat Interesse

Einen Silberstreif am Horizont gibt es aber: Ein internistischer Rheumatologe, der derzeit noch an einer Klinik tätig ist, hat Interesse bekundet, sich in Kassel niederzulassen, allerdings erst im Laufe des kommenden Jahres. „Wenn jemand käme, ist es wahrscheinlich, dass über eine Sonderbedarfszulassung nachgedacht wird“, sagt Roth.

Tatsächlich ist der Mangel an Rheumatologen ein bundesweites Problem, weiß auch Michaela Fritsch. Es fehle einfach an ärztlichem Nachwuchs.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.