Prozess vorm Landgericht

Prostituierte lief nackt davon: Vergewaltigung auf Kasseler Strich?

Kassel. Weil er verdächtigt wird, im September 2015 eine Prostituierte in Kassel vergewaltigt zu haben, steht ein 46-jähriger Mann aus Kassel vor dem Landgericht.

Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft. Da der Mann bei seiner Aussage in Tränen ausbrach, zitterte und über Schwindelgefühle klagte, musste der Prozess schon nach wenigen Minuten zum ersten Mal unterbrochen werden.

Der Angeklagte bestreitet den Vorwurf der Staatsanwältin, er habe sich an der heute 29-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis vergangen. Vielmehr sei für 35 Euro einvernehmlicher Sex vereinbart gewesen, mit Präservativ. „Ohne Kondom mache ich gar nichts“, so der 46-Jährige, der zugab, öfter Kunde auf dem Kasseler Straßenstrich zu sein. Deshalb kannte er auch das alte Bahnhofsgelände mit der Laderampe, das heute als Baustofflager genutzt wird. Dorthin dirigierte er in jener Septembernacht die Frau, die er in der Schillerstraße angesprochen hatte.

Im Eifer des Gefechts habe er der Prostituierten einen „massiven Klaps auf dem Po“ gegeben, schilderte Rechtsanwalt Bernd Pfläging das Geschehen aus Sicht seines Mandanten. Daraufhin habe diese versucht, ihn zu ohrfeigen. Es sei zu einem Handgemenge gekommen, die Frau sei nackt und schreiend davongelaufen. So die Darstellung des Freiers.

Aus Sicht der Nebenklägerin, die splitterfasernackt, weinend und zitternd von der Polizei in einer Ecke des Baustoffgeländes kauernd entdeckt worden war, wollte der Mann plötzlich ungeschützten Verkehr, obwohl nur „französisch“, also Oralsex, vereinbart gewesen sei. „Er habe sie gewürgt, gekratzt und geschlagen“, berichtete ein Polizeibeamter von der Erstaussage der aufgefundenen Frau.

Diese habe auf sie „absolut glaubhaft“ gewirkt, sagte dessen Kollegin als Zeugin vor der 1. Strafkammer. Eine dritte Polizistin soll nun Anfang März über die Vernehmung des mutmaßlichen Opfers an jenem frühen Septembermorgen vor Gericht berichten. Damit die gehört werden kann, wurde die Hauptverhandlung, die ursprünglich auf einen Tag angesetzt worden war, unterbrochen.

Er selbst habe sich zunächst „abgezockt“ gefühlt, als die Frau plötzlich davongelaufen sei, sagte der Mann mit dem bubenhaften Gesichtsausdruck. Das sei ihm im Milieu durchaus schon öfters passiert. 

Aber er gab auch zu: „Möglicherweise habe ich sie auch geschlagen.“ Ein Satz, für den der Mann auf der Anklagebank einen wütenden Blick der Nebenklägerin erntete.

Fortsetzung: 13. Februar und 3. März, 9 Uhr.

Rubriklistenbild: © dpa

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