Protest gegen Chlorhühnchen und Co.

800 protestierten gegen geplantes Freihandelskommen mit USA und Kanada

Bunter Protest: Während der Kundgebung des nordhessischen Bündnisses gegen die Freihandelsabkommen wurde es eng auf dem Königsplatz. Fotos: Schachtschneider

Kassel. „TTIP?“ Längst nicht alle Kasseler können etwas mit den vier Buchstaben anfangen, die europaweit und auch in Kassel für Proteste sorgen.

„Noch nie davon gehört“, gestand eine ältere Passantin auf dem Königsplatz. Auch manche Jüngere mussten passen. TTIP, das steht für das Freihandelsabkommen mit den USA, gegen das beim internationaler Aktionstag am Samstag in Kassel 800 Menschen auf die Straße gingen.

Sie befürchten massive Abstriche beim Verbraucher- und Umweltschutz sowie den Abbau von Arbeitnehmerrechten durch TTIP und ähnliche Abkommen, die Handelsschranken zwischen Europa, USA und Kanada abbauen sollen. Zu der Protestkundgebung hatte das nordhessische Bündnis „Freihandelsabkommen stoppen!“ aufgerufen, dem Umweltorganisationen, Gewerkschaften, Initiativen und Parteien angehören.

Die Geschwister Nils (27) und Elisabeth Stückrath (20) waren mit einer kleinen Gruppe eigens aus Schwalmstadt auf den Königsplatz gekommen. „Wir wollen, dass unsere Heimat noch lange schön bleibt“, sagte der 27-Jährige Erzieher. Er befürchtet, dass mit dem Freihandelsabkommen auch das von Umweltschützern kritisierte Fracking-Verfahren zur Gasgewinnung aus tiefen Gesteinsschichten nach Deutschland kommt. Der Kasseler Frank Ludewig lehnt TTIP ebenfalls ab: „Auf keinen Fall darauf einlassen“, sagte der 53-Jährige. „Mit dem Teufel darf man sich nicht gemein machen.“

Protest gegen Freihandelsabkommen mit USA und Kanada auf Königsplatz

Auch Hannah Kimpel hält nicht viel von dem Abkommen. Sie befürchtet, dass die Gentechnik in Deutschland Einzug hält und die Verbraucher gentechnisch veränderte Lebensmittel aufgetischt bekommen.

„TTIP ist ein Anschlag auf die Demokratie und muss verhindert werden“, sagte Bernd Riexinger, Parteivorsitzender der Linken, bei der Kundgebung auf dem Königsplatz. Er bezeichnete das Freihandelsabkommen als „Freifahrschein für eine rücksichtslose Profitmaximierung“. Mit TTIP kämen nicht nur Chlorhühnchen aus USA auf den deutschen Markt, es drohe auch der Abbau von Arbeitnehmerrechten.

GEW-Kreisvorsitzender Bernd Rothauge sprach über mögliche Auswirkungen auf Fort- und Weiterbildung. Der Zugang zu Bildung dürfe nicht von Geld abhängig sein, sagte er. Oberlandeskirchenrätin Dr. Ruth Gütter, für Weltmission und Entwicklungsfragen in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck zuständig, warnte vor den Folgen für die Entwicklungsländer. „Ihre Chancen auf dem Weltmarkt werden sich weiter verschlechtern“, sagte sie. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft gerate durch die großen Handelskonzerne noch mehr unter Druck.

Laut Regula Rickert (Piraten), die für das nordhessische Bündnis sprach, gab es am Samstag bundesweit 200 Proteskundgebungen gegen TTIP und Co. Sie verwies auch auf die am Nachmittag gleichzeitig stattfindende Demonstration von Kagida am Kulturbahnhof und rief die TTIP-Gegner auf, sich davon fernzuhalten. Der anschließende Protesmarsch über Stern, Graben und Steinweg verlief ohne Störungen.

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