Streit um den Tag der Erde

Protest-Grillaktion: Fleischer sind empört über Bratwurstverbot

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Protest gegen das Kasseler Bratwurstverbot: Mitglieder der Fleischer-Innung vor der Handwerkskammer Kassel am Scheidemannplatz.

Kassel. Mit einer Grillaktion vor der Handwerkskammer Kassel haben Fleischermeister aus der Region gegen das Bratwurstverbot beim Tag der Erde am 23. April im Stadtteil Wolfsanger protestiert.

Es sei unverantwortlich und nicht nachvollziehbar, dass das Fleischerhandwerk beim Umwelttag außen vor bleiben soll, kritisiert Erich Horbrügger, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Kassel.

Die sechs Obermeister der nordhessischen Fleischer-Innungen – darunter auch Dirk Nutschan, Obermeister der Fleischer-Innung Kassel Stadt und Land – hatten vor der Handwerkskammer am Scheidemannplatz am Dienstag frische Bratwurst gegrillt, die jeder verkosten konnte. Dabei ging es auch darum, von den Passanten zu erfahren, welche der vier Rezepturen der künftigen nordhessischen Märchenbratwurst besonders gut schmeckt.

Erich Horbrügger

Empört zeigten sich die Fleischermeister und ihre Verkostungs-Gäste darüber, dass die im Kasseler Umwelthaus tätigen Vereine, die den Tag der Erde ausrichten, auf dem Bratwurstverbot beharren. Organisator Hubert Grundler hatte am Dienstag bekräftigt, dass der Tag der Erde in diesem Jahr fleischlos sein werden.

Damit stoßen die Veranstalter auch die Kasseler Stadtverordneten vor den Kopf. Das Stadtparlament hatte am Montag mit großer Mehrheit an die Umweltvereine appelliert, die Entscheidung zu überdenken und beim Tag der Erde auch Bratwurst-Verkaufsstände zuzulassen. 

„Es ist schlimm“, sagt Erich Horbrügger. Das Fleischerhandwerk, das sich für artgerechte Tierhaltung einsetze und Qualitätsprodukte herstelle, dürfe nicht so einfach ignoriert werden. Gerade die regionalen Strukturen mit kurzen Wegen von der Tieraufzucht über Herstellung bis zum Verkauf, die auch von den Umweltverbänden immer wieder gefordert würden, grenze man mit dem Beschluss für einen fleischlosen Tag der Erde aus. „Das trifft uns“, erklärt Horbrügger und fordert von den Veranstaltern des Tages der Erde, auf den Kompromissvorschlag der Stadtverordnetenversammlung einzugehen.

SPD und Jusos uneins

Als bedauerlich bezeichnet die SPD-Rathausfraktion die Entscheidung des Umwelthauses Kassel, es beim Tag der Erde bei einer vegetarisch-veganen Veranstaltung zu belassen. „Nach der aufgewühlten öffentlichen Debatte wäre es ein entspannendes Signal gewesen, wenn die Veranstalter ein Stück eingelenkt hätten und an ein oder zwei Ständen Bratwurst in bester Bio-Qualität angeboten hätten“, sagt SPD-Stadtverordneter Wolfgang Decker: „In Wolfsanger hätte man den Platz dafür gewiss gefunden.“ Die SPD habe sich in der Debatte in der Stadtverordnetenversammlung bewusst für eine Kompromisslösung ausgesprochen, erklärt Decker: „Schade, dass dieses Signal ignoriert wird.“ Ganz offensichtlich sei vielen nicht bewusst gewesen, welche Wirkung die Entscheidung und die anschließende öffentliche Debatte entfaltet. „Das hätte man aber erkennen können und mit etwas mehr Fingerspitzengefühl und Kompromissbereitschaft den ganzen Streit und die unsäglichen Diskussionen von vorn herein verhindern können“.

Die Jungsozialisten in der SPD freuen sich hingegen über einen vegetarischen Tag der Erde. Viele Umweltprobleme könnten durch ein größeres vegetarisches oder veganes Ernährungsangebot verringert werden. Regionale und ökologische Angebote sowie die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung hätten einen deutlich geringeren Einfluss, sagt Julia Weige, Vorsitzende der Jusos Kassel-Stadt. Wer für mehr Umwelt- und Klimagerechtigkeit kämpfe, komme um die Unterstützung einer pflanzlicheren Ernährung nicht herum.

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