Überraschende Neuigkeit im Savasci-Prozess: Zeuge soll Opfer gesehen haben

Kassel. Im Mordprozess zum Fall Mehtap Savasci ist am Mittwoch von der Verteidigung des Angeklagten ein möglicherweise interessanter neuer Zeuge ins Spiel gebracht worden.

Ist Mehtap Savasci am Tag ihres Verschwindens noch von einem Zeugen in Felsberg gesehen worden? Und zwar zu einem Zeitpunkt, als ihr Bruder mit dem mutmaßlichen Entführungswagen bereits in Südhessen unterwegs war?

Aktualisiert: 

29. Juli 2015, 17.45 Uhr

In einer Akte mit allen zum Fall eingegangenen Hinweisen aus der Bevölkerung haben die Verteidiger des 51-jährigen Angeklagten einen Vermerk über eine entsprechende Aussage eines Ladenbesitzers aus Felsberg entdeckt. Als der Felsberger von der Fahndung nach der Vermissten erfuhr, hatte er demnach ausgesagt, dass er die gesuchte Frau am 7. Oktober zwischen 10 und 11.30 Uhr in seinem Geschäft in Felsberg gesehen habe. Allein und unversehrt. Auch den weißen VW Caddy mit Offenbacher Kennzeichen, den der Angeklagte zur Tatzeit bei seiner Firma ausgeliehen hatte, will der Zeuge an dem Tag in Felsberg gesehen haben. Davon gebe es womöglich auch Aufnahmen einer Überwachungskamera.

Diese überraschende Neuigkeit trug der Kasseler Rechtsanwalt Sven Schoeller - einer der Verteidiger des wegen Mordes angeklagten Bruders von Mehtap Savasci - am Mittwoch vor dem Landgericht vor. Die möglicherweise für den Angeklagten entlastende Zeugenaussage sei der Verteidigung neun Monate lang von den Ermittlungsbehörden vorenthalten worden, kritisierte Schoeller. Gegen 10 Uhr am Tattag hatte sich der Angeklagte laut Handyauswertung bereits im Bereich Hanau aufgehalten. Den sogenannten Spurenordner mit allen Zeugenhinweisen hatte Staatsanwältin Alena Hartwig-Asteroth erst am Dienstag, dem dritten Verhandlungstag, vor Gericht vorgelegt. In solchen Spurenordnern werden in der Regel Hinweise abgelegt, die von den Ermittlern als nicht relevant für das Verfahren eingestuft worden sind - zum Beispiel auch, weil sie entkräftet wurden. Die beiden Verteidiger forderten erneut eine Aussetzung - also den Abbruch - der Hauptverhandlung.

Bereits am Dienstag hatten sie einen ersten Aussetzungsantrag gestellt, weil Unterlagen kurzfristig nachgereicht worden waren, unter anderem auch das Fahrtenbuch des VW Caddy, mit dem der Angeklagte seine Schwester entführt haben soll. So kurzfristig könnten sie sich nicht angemessen auf die Zeugenvernehmungen vorbereiten, lautete die Kritik der Verteidiger. So hatte am Dienstag auch der Kriminalbeamte ausgesagt, der den Zeugen aus Felsberg vernommen hatte.

Dem ersten Aussetzungsantrag der Verteidiger gab das Gericht am Mittwoch nicht statt. Der Vorsitzende Richter Volker Mütze stimmte aber einer Unterbrechung der Hauptverhandlung bis zum nächsten angesetzten Termin am 13. August zu. In den zwei Wochen könnten sich die Verteidiger in die kurzfristig vorgelegten Unterlagen einarbeiten. Die für gestern eingeladenen vier Zeugen wurden dementsprechend nicht mehr gehört. Die Staatsanwaltschaft wies den Vorwurf, sie halte Beweismittel zurück, erneut zurück. Über den erneuten Antrag darauf, den Prozess nochmal von vorne zu beginnen, wird das Gericht dann am 13. August zu entscheiden haben.

Fotos und Video vom Prozessauftakt

Prozess im Fall Mehtap Savasci - Bruder angeklagt

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