Über das Verbot soll weiter diskutiert werden

Radler raus bis Umbau der Königsstraße fertig ist

Nicht mehr erlaubt: Die Stadt hat die Radfahrer aus der Königsstraße verbannt. Bislang durften sie zu bestimmten Zeiten auf Kassels Einkaufsmeile fahren. Jetzt muss immer geschoben oder die City umfahren werden. Archivfoto: Ludwig

Kassel. Die Obere Königsstraße teilten sich bislang Fußgänger, Straßenbahnen und Radfahrer. Letztere durften von 19 Uhr bis 11 Uhr fahren. Das erlaubt die Stadt nicht mehr.

In der Vergangenheit sei es vermehrt zu Konflikten und Beschwerden gekommen, lautet die Begründung der Straßenverkehrsbehörde. „Grundsätzlich haben wir das verkehrspolitische Ziel, da, wo es möglich ist, Radverkehr und Fußverkehr voneinander zu trennen“, sagte gestern Verkehrsdezernent Christof Nolda auf Nachfrage.

Bei der jetzt getroffenen Regelung solle es bis zum Abschluss des Umbaus der Königsstraße voraussichtlich im Herbst 2019 bleiben. Bis dahin „wird noch mal ordentlich diskutiert“, sagte Nolda. Dabei wolle man auch wieder den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC an den Tisch holen. Dieser hatte überrascht und mit Unverständnis auf dieses Verbot reagiert. Erst im vergangenen Sommer habe man mit allen beteiligten Vertretern im Arbeitskreis Radverkehr bei der Stadt Kassel der Begrenzung der erlaubten Zeitspanne von 20 Uhr abends bis 10 Uhr morgens zugestimmt, heißt es in einer Presseerklärung. Man habe im Laufe des Jahres in enger Abstimmung mit dem ADFC über dieses Thema gesprochen, bestätigt Nolda, allerdings sei man in dieser Frage nicht einig auseinandergegangen.

Bei der Stadt seien häufiger Beschwerden von Fußgängern eingegangen, vor allem weil sich viele Radler tagsüber nicht an das Fahrverbot hielten und Fußgänger sich gefährdet fühlten. Zeitlich begrenzte Verbote seien schwierig umzusetzen und auch zu kontrollieren, sagt Nolda zur Begründung der Straßenverkehrsbehörde. Zudem sei die Königsstraße keine Hauptradwegeverbindung. „Als Innenstadtradfahrer weiß ich, dass man die Königsstraße relativ selten befährt“, sagt der passionierte Radfahrer Nolda.

Und langfristiges Ziel des Umbaus der Fußgängerzone sei es, die Flaniermeile Königsstraße auch abends und nachts zu beleben. Auch mit Blick darauf müsse das Radfahrverbot diskutiert werden. Die Bedürfnisse der Radfahrer habe man bei der Umgestaltung der Königsstraße durchaus im Blick, so würden derzeit auch Standorte von Fahrradständern diskutiert.

Blick in Unfallstatistik

Interessant bei der Diskussion um das vom ADFC kritisierten Radfahrverbot ist ein Blick in die Unfallstatistik der Polizei: In den vergangenen drei Jahren (von Januar 2011 bis November 2014) wurden hier neun Unfälle mit der Beteiligung von Radfahrern registriert. Auf den ersten Blick nicht sehr viele, jedoch wurden hierbei acht Menschen leicht verletzt, und in sieben Fällen waren Fußgänger beteiligt beziehungsweise angefahren worden. „Diese Unfälle wären vermeidbar gewesen, wenn die Fahrräder geschoben worden wären“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Acht der unfallbeteiligten Radfahrer hatten sich nicht an das Radfahrverbot gehalten. Deren Unfälle ereigneten sich nämlich bei regem Fußgängerverkehr in den Mittags- bis frühen Abendstunden.

Von Martina Heise-Thonicke

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